Die Bank an wessen Seite? Die BNP Paribas und die Unicredit sollen sich für die Commerzbank interessieren.

Julia Schwager/Commerzbank

21.09.17
Banking & Berater

BNP Paribas und Unicredit interessieren sich für die Commerzbank

Der französischen BNP Paribas und der italienischen Unicredit wird Interesse an der Commerzbank nachgesagt. Mit der Fusion würde ein neues Schwergewicht im deutschen Firmenkundengeschäft entstehen.

Die französische BNP Paribas und die italienische Unicredit interessieren sich für eine Übernahme der Commerzbank. Dafür erwägen beide Banken Medienberichten zufolge, den 15,6-Prozent-Anteil der Bundesregierung an der Commerzbank zu kaufen. Die Beteiligten wollten dies auf Nachfrage nicht kommentieren.

Die „Wirtschaftswoche“ berichtet, dass die Regierung einen Zusammenschluss von Deutschlands zweitgrößter Bank mit Frankreichs Marktführer BNP  bevorzugt, da eine starke deutsch-französische Bank ein Signal für eine Vertiefung der europäischen Bankenunion sein könne. Demnach soll eine Investmentbank bereits den Markt für die Staatsbeteiligung sondieren. Die Überlegungen seien allerdings in einem frühen Stadium.

Die Nachrichtenagentur „Reuters“ hatte zuvor von dem angeblichen Interesse der Unicredit berichtet, die hierzulande bereits die Münchener Hypovereinsbank übernommen hat. Auch hier sei der Kontrakt bisher informell. Der Deal scheint ohnehin nur mittelfristig möglich, da die Unicredit angesichts ihrer laufenden Restrukturierung stark mit sich selbst beschäftigt ist. Bankchef Jean-Pierre Mustier hat den Italienern einen strengen Sparkurs aufgelegt, dem vermutlich Tausende von Stellen zum Opfer fallen werden.

Commerzbank-Verkauf würde Firmenkundengeschäft aufwirbeln

Sollte die Commerzbank tatsächlich an eine der beiden Banken verkauft werden, hätte dies starke Auswirkungen auf die Machtverhältnisse im deutschen Firmenkundengeschäft. Das zeigt ein beispielhafter Blick in die Ranglisten für Konsortialkredite im deutschsprachigen Raum. Die sogenannten League Tables für Syndicated Loans werden laut des Datenanbieters Dealogic aktuell von der Unicredit angeführt.

Die Italiener waren in diesem Jahr im deutschsprachigen Raum bei 66 Konsortialkrediten federführend (Bookrunner), was einem Volumen von rund 10,6 Milliarden Dollar und einem Marktanteil von 10,8 Prozent entspricht. Die Commerzbank landet auf dem dritten Platz mit 58 Transaktionen im Wert von 7,2 Milliarden Dollar. Die BNP Paribas rangiert mit 25 Transaktionen über rund 4,5 Milliarden Dollar auf dem sechsten Platz.

Unicredit würde Vorsprung bei Konsortialkrediten ausbauen

Erhielte die Unicredit den Zuschlag, würden die Italiener ihren Vorsprung auf den Zweitplatzierten, die Deutsche Bank, weiter ausbauen. Mit einem kombinierten Transaktionsvolumen von rund 15 Milliarden Dollar, würde die Unicredit rund 15 Prozent des Marktes kontrollieren. Die Deutsche Bank kommt mit 46 Transaktionen im Wert von rund 8 Milliarden Dollar aktuell nur auf einen Marktanteil von 8,2 Prozent.

Ein Merger mit der BNP Paribas würde die Kontrahenten dagegen enger zusammenrücken lassen und die Unicredit vom Thron stoßen. Eine deutsch-französische Bank brächte ein kombiniertes Transaktionsvolumen von 11,7 Milliarden Dollar und damit einen Marktanteil von 15,4 Prozent auf die Waage. Beide Szenarien dürften der Deutschen Bank nicht gefallen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Wie die anderen Banken um lukrative Firmenkunden buhlen, zeigt die FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.