Commerzbank

22.03.18
Banking & Berater

Commerzbank startet zwei digitale Produkte für Firmenkunden

Im Kampf um mittelständische Firmenkunden setzt die Commerzbank auf Digitalisierung: Die Bank will nicht nur Kreditanträge, sondern auch das Geschäft mit Zins- und Währungsmanagement komplett digital abwickeln. Das wirkt sich auch auf die Preise der Produkte aus.

Die Commerzbank will ihren Marktanteil im mittelständischen Firmenkundengeschäft ausbauen und hat dafür am heutigen Donnerstag zwei neue digitale Produkte vorgestellt. So werden Mittelständler ab April Betriebsmittelkredite komplett online über das Firmenkundenportal der Bank beantragen können. Auch den Beratungsprozess im Zins- und Währungsmanagement hat das Geldhaus  nach eigenen Angaben vollständig digitalisiert.

„Ein solches Angebot für Firmenkunden gibt es hierzulande bislang nicht“, behauptet Dominik Steinkühler, der als Bereichsleiter für die digitale Transformation im Firmenkundengeschäft der Commerzbank zuständig ist.

Commerzbank digitalisiert den Kredit

Mit den neuen Angeboten zielt die Commerzbank vor allem auf Unternehmen mit Umsätzen zwischen 15 und 100 Millionen Euro, die in der Regel keine eigene Treasury-Abteilung unterhalten. Bereits Anfang März hatte Michael Reuther, der seit eineinhalb Jahren das Firmenkundengeschäft der Frankfurter leitet, im Gespräch mit FINANCE angekündigt, ganz gezielt neue Produkte für diese Kundengruppe aufzulegen: „Wir werden in den nächsten Monaten noch einige Attacker-Produkte auf den Markt bringen.“

Diese Ankündigung von Reuther hat die Bank heute konkretisiert. Vor allem das Ankerprodukt Kredit will das Geldhaus automatisieren. So können Finanzverantwortliche seit kurzem online einen Kredit beantragen und die notwendigen Unterlagen hochladen. Auf Basis der abgegebenen Finanzkennzahlen errechnet das Commerzbank-Tool dann ein indikatives Pricing für den Kredit. „Im Idealfall erhält der Kunde innerhalb von 24 Stunden einen unterschriebenen Kreditvertrag in sein Postfach“, sagt Steinkühler. Offen bleibt, ob die Commerzbank so schnell die Kreditwürdigkeit der Kunden prüfen kann, um das Risiko fauler Kredite zu bannen.

„Der Kontokorrentkredit wird online günstiger angeboten als offline.“ 

Dominik Steinkühler, Bereichsleiter digitale Transformation, Firmenkunden

In weiten Teilen ist der Online-Kreditantrag heute schon möglich. Noch aber müssen die Finanzchefs im letzten Schritt alle Dokumente ausdrucken und postalisch an die Bank schicken. Ab April will die Bank eine Bestätigung per Foto-TAN ermöglichen.

Dieses digitale Angebot gestartet hat die Commerzbank im Dezember zunächst mit dem Kontokorrentkredit. Seit vergangener Woche können die Kunden auch Geldmarktkredite, Avale und Importakkreditive bis zu einem Volumen von 5 Millionen Euro online beantragen. „Als nächste Ausbaustufe sind Investitionskredite geplant“, sagt Steinkühler. Dafür müsste allerdings zunächst die Volumenobergrenze erhöht werden.

CFOs können FX-Geschäfte simulieren

Das zweite neue Produkt bezieht sich auf das Währungs-, Zins- und Anlagemanagement. Hier hat die Bank einen Simulator gebaut, der es mittelständischen CFOs ermöglichen soll, das für ihr FX- oder Zins-Risiko passende Sicherungsprodukt zu finden. Mithilfe eines Szenariorechners können Unternehmen nachvollziehen, wie sich beispielsweise Änderungen im Wechselkurs Euro-Dollar auf das Grundgeschäft – also etwa den Liefervertrag – auswirken. „Insgesamt können sich Kunden zu 120 Produkten über die Plattform beraten lassen“, sagt Gernot Kleckner, Bereichsleiter Corporate Sales bei der Commerzbank.

Wie gut die Simulation in der Praxis ankommt, ist allerdings fraglich. Zum einen können Kunden einen Großteil der simulierten Produkte noch nicht digital abschließen. Wann die dafür fehlende Schnittstelle zu einem anderen Kundensystem der Bank fertig sein wird, können die Verantwortlichen noch nicht sagen.

Zum anderen nutzen gerade kleine Unternehmen ganz überwiegend einfache Termingeschäfte zur Absicherung ihres Währungsrisikos – und das ist auch heute schon komplett digital möglich. Vor komplexeren Produkten schrecken viele mittelständische Finanzverantwortliche dagegen zurück. Zwar veranschaulicht das neue Tool die Funktionsweise dieser Geschäfte. Die zweite Hürde adressiert der Simulator aber nicht: Optionale Sicherungsgeschäfte, bei denen Unternehmen von einer für sie günstigen Wechselkursentwicklung profitieren, sind teurer als klassische Termingeschäfte. Das ändert auch ein digitaler Prozess nicht.

Commerzbank lockt mit geringeren Preisen

Positiv ist jedoch, dass  die Digitalisierungsinitiative der Commerzbank durchaus Folgen für den Preis ihrer Produkte hat. „Der Kontokorrentkredit wird online günstiger angeboten als offline“, erklärt Bereichsleiter Steinkühler. Gleiches gelte künftig auch für die FX-Absicherung. Die Commerzbank schafft also Anreize, dass Firmenkunden Produkte online abschließen – auch wenn Steinkühler die Bedeutung des „Multikanalansatzes“ betont: „Wir werden so digital sein, wie es der Kunde möchte.“ Auch in Zukunft werde die Bank weiter in der Fläche beraten.

Dass die Commerzbank auch mit Blick auf die eigenen Kosten auf Digitalisierung setzt, zeigen weitere Zahlen: Aktuell sind etwa ein Drittel der insgesamt gut 100.000 Firmenkunden der Bank an das 2014 gestartete Firmenkundenportal angeschlossen. Im Bereich Anlagemanagement werden nach Angaben von Steinkühler bereits 40 Prozent der standardisierten Festgelder komplett digital über die Plattform abgeschlossen.

Diesen Anteil will die Bank über viele Produktfelder hinweg erhöhen. Neukunden erhalten deshalb inzwischen automatisch einen Zugang zum Portal, Bestandskunden versucht die Bank ebenfalls aufzusatteln.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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