Deutsche Bank

09.02.16
Banking & Berater

Deutsche Bank appelliert an verschreckte Investoren

Die Deutsche-Bank-Aktie ist am Montag um knapp 10 Prozent abgesackt. CEO John Cryan reagierte noch am Abend: Die Bank könne ihre Anleihezinsen bedienen, betonte er. Doch der rapide Kursverfall bei Nachranganleihen und Aktien geht weiter.

Erst vor zwei Wochen hat die Deutsche Bank betont, sie könne ausstehende Zinsen auf so genannte Additional-Tier-1-Wertpapiere bedienen. Jetzt sehen CEO John Cryan und CFO Marcus Schenk sich gezwungen, diese Versicherung explizit zu wiederholen.

Auf die AT1-Anleihen, auch Coco-Bonds genannt, fallen am 30. April Zinsen in Höhe von 350 Millionen Euro an. In einer Pressemeldung und einem zusätzlichen Mitarbeiterbrief, den die Bank auf ihre Website gestellt hat, erklärt der Vorstand jetzt, diese Zinsen bedienen zu können. Auch für das kommende Jahr reiche der Liquiditätspuffer aus, unter anderem dank der Zuflüsse aus dem Verkauf des Deutsche-Bank-Anteils an der chinesischen Hua Xia Bank. Dieser dürfte der Deutschen Bank über 3 Milliarden Euro einbringen. Allerdings sind die Investoren verunsichert, wie stark die möglicherweise auch 2016 noch anfallenden Verluste der Deutschen Bank diese Rücklage aufzehren könnten. 

„Heute ist unsere Kapital- und Risikoposition robust und ermöglicht uns, diese Anforderungen aus einer Position der Stärke heraus anzugehen“, schreibt Marcus Schenk mit Blick auf die Coco-Bonds. Die nachrangigen Papiere zählen zum regulatorischen Eigenkapital einer Bank. Darum begeben die Geldhäuser sie seit der Finanzkrise gern, um die verschärften Vorschriften der Regulierer erfüllen. Im Krisenfall wandeln sie sich automatisch in Eigenkapital um.

Deutsche-Bank-CEO John Cryan fegt auch im Firmenkundengeschäft aus

John Cryan lässt wenig beim Alten, seit er im Frühjahr Chef der Deutschen Bank wurde. Was nicht profitabel ist, wird zusammengestrichen – auch im Firmenkundengeschäft. 4.000 der insgesamt 9.000 zur Disposition stehenden Jobs fallen in Deutschland weg. Auf dem Prüfstand steht das Geschäft mit umsatzschwachen Kunden. Auch im Management sortiert Cryan um – nicht nur die Spitze des Firmenkundengeschäfts hat er ausgetauscht, kürzlich bediente sich die Bank unter anderem bei Goldman Sachs, um die Kommunikationsabteilung personell neu aufzustellen.

Doch bisher sorgt Cryans Kürzungskurs für Verunsicherung bei den Investoren, statt sie zu beruhigen. Das betrifft nicht nur die Bondholder der Deutschen Bank. Allein am Montag ist auch der Aktienkurs um knapp ein Zehntel eingebrochen. Das hat die beiden Top-Manager offenbar dazu veranlasst, kommunikativ derart weit auszuholen.

Zunächst ist es Cryan und Schenck damit auch gelungen, den Kursverfall aufzuhalten – am Dienstag Vormittag erholten sich sowohl die Aktie als auch die Nachranganleihen. Doch schon am Mittag setzt sich der Kursverfall fort: Die im Mai 2014 begebene Nachranganleihe fällt von 74 auf 72 Prozent, der Aktienkurs gibt weitere 4 Prozent nach. Damit hat die Deutsche-Bank-Aktie seit Jahresbeginn schon 40 Prozent verloren.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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