Die Deutsche Bank bittet ehemalige Top-Manager zur Kasse. Das könnte ihr in der öffentlichen Wahrnehmung helfen. Doch die echten Probleme liegen woanders.

Deutsche Bank

17.11.16
Banking & Berater

Deutsche Bank fordert Boni von Jain, Fitschen und Ackermann zurück

Die Deutsche Bank will von sechs früheren Chefs und Vorständen Bonuszahlungen zurückholen. Am meisten fordert die Bank von Anshu Jain.

Die Deutsche Bank will Bonuszahlungen von sechs früheren Vorständen zurückfordern, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Dabei geht es um Summen, die den ehemaligen Top-Managern schon zugesprochen wurden. Bei ranghohen Bankern ist es üblich, dass ein Teil der Boni zeitversetzt ausbezahlt wird.

Am meisten Geld will die Deutsche Bank von Anshu Jain zurück. Hier gehe es um einen zweistelligen Millionenbetrag, schreibt die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Anshu Jain war von 2012 bis 2015 Co-Chef der Bank an der Seite von Jürgen Fitschen. Davor leitete er das Investmentbanking. Laut Süddeutscher Zeitung soll Jain in Summe um die 300 Millionen Euro bei der Deutschen Bank verdient haben.

Auch Lamberti, Cohrs und Bänziger betroffen

Neben Jain verlangt die Deutsche Bank auch Geld von Jürgen Fitschen und Josef Ackermann zurück. Ackermann leitete das Institut vor der Zeit von Fitschen und Jain. Fitschen war zuvor einer der wichtigsten Firmenkundenbanker der Deutschen Bank. Auch die früheren Vorstände Hermann-Josef Lamberti, Michael Cohrs und Hugo Bänziger müssen sich wohl auf Rückforderungen einstellen.

Die ehemaligen Top-Manager eint, dass sie für die Ära vor der Finanzkrise stehen. Damals hat die Bank viel Geld verdient, der Aktienkurs stand mit 100 Euro bei mehr als dem Zehnfachen des im September erreichten Tiefs. Gleichzeitig ging die Bank besonders im Investmentbanking oft über die Grenze des Erlaubten.

Das hat dem Institut mehrere Milliardenzahlungen für Strafen und Vergleiche beschert. Die höchste Strafe steht der Deutschen Bank sogar noch ins Haus: Die US-Behörden verlangen von der Deutschen Bank 14 Milliarden Dollar wegen fragwürdiger Geschäfte am US-Hypothekenmarkt. Der Vorwurf: Die Deutsche Bank habe mit einer allzu laxen Kreditvergabe zum Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes beigetragen, der letztlich in die Finanz- und Wirtschaftskrise führte. 

Deutsche Bank hat mehr Probleme als nur ihren Ruf

Sollte es der Deutschen Bank gelingen, bereits getätigte Bonuszusagen wieder einzukassieren, könnte das dem Geldhaus in der öffentlichen Wahrnehmung helfen, denn damit würde die Bank dem Eindruck entgegenwirken, unter den Folgen der leichtsinnigen Geschäfte der Vergangenheit würden in erster Linie Aktionäre, Steuerzahler und einfache Beschäftigte leiden.

Allerdings drehen sich die größten Herausforderungen der Bank nicht um Wahrnehmungsfragen, sondern sind ganz handfester Natur. Eine zentrale Frage ist, ob es dem Haus gelingt, die Gewinnrückgänge im Firmenkundengeschäft aufzuhalten. Zuletzt hatte Firmenkundenchef Stefan Bender konstatiert, dass die Deutsche Bank das Geschäft mit Mittelständlern deutlich vernachlässigt hat.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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