Christian Sewing kündigte auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank "harte Einschnitte" an.

Deutsche Bank

23.05.19
Banking & Berater

Deutsche Bank kündigt „harte Einschnitte“ an

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank hagelt es Kritik von den Aktionären – deutliche Worte finden sie vor allem für das schwache Investmentbanking. CEO Christian Sewing kündigt „harte Einschnitte“ an.

Wie soll die Deutsche Bank endlich aus der Krise kommen? Auf der heutigen Hauptversammlung des Geldinstituts machte Vorstandschef Christian Sewing deutlich, wo er ansetzen will: Bei der Unternehmens- und Investmentbank. „Wir sind zu harten Einschnitten bereit“, so Sewing in seinem Redeskript an die Aktionäre. „Wir werden hier sehr genau analysieren und dabei künftig genauso diszipliniert und kompromisslos sein wie beim Thema Kosten“.

Die Sparte soll seiner Meinung nach künftig folgende Bedingungen erfüllen: Das Segment müsse „den anderen Geschäftsbereichen in besonderem Maße dienen“, so beispielsweise das Corporate-Finance-Geschäft. Zudem müsse das Geschäft „in sich profitabel sein und die Renditeanforderungen auch ohne Synergien aus anderen Bereichen erfüllen“.

Sewing: „Zu wenig Fokus auf Transaktionsbank“

Konkret will Sewing die Transaktionsbank, die Teil der Unternehmens- und Investmentbank ist, stärker zum Herzstück der Deutschen Bank machen. Sie bündelt den Zahlungsverkehr und die Handelsfinanzierung. „Innerhalb der Unternehmens- und Investmentbank lag häufig zu wenig Fokus auf unserer Transaktionsbank und ihren Wachstumschancen“, so der Vorstandschef.

Das ändere sich nun unter der Führung von Stefan Hoops: Die Transaktionsbank werde „die Freiheiten und Ressourcen erhalten, um sich voll zu entfalten – zum Beispiel in den asiatischen Märkten“. Das Geschäft soll noch viel enger mit dem Währungs-, Zins- und Kreditgeschäft verbunden werden.

Investmentbanking schockiert bei Cost-Income-Ratio

Ob diese – derzeit noch eher vagen – Ankündigungen den gebeutelten Aktionären reichen werden, ist fraglich. Das Investmentbanking war einst die Vorzeigesparte der Bank und ist nun schon lange zum Sorgenkind geworden. Das Geschäftsfeld war im vierten Quartal in die roten Zahlen gerutscht, die Erträge im Wertpapierhandel sanken im vergangenen Geschäftsjahr 2018 um 16 Prozent. Im ersten Quartal 2019 verringerten sie sich sogar um 19 Prozent.

Der Bereich steht bei vielen Aktionären unter Dauerbeschuss – auch bei der Deka Investment, die in ihrem Redeskript für die Hauptversammlung von einem „krankenden Investmentbanking“ spricht und insbesondere die Cost-Income-Ratio, die im ersten Quartal 2019 die 100-Prozent-Marke überschritten hat, heftig kritisiert.

Deutsche-Bank-Kurs: „Horrorfilm mit Überlänge“

Und auch bei der Gesamtbank lassen die Erträge zu wünschen übrig: Die niedrige materielle Eigenkapitalrendite von 0,5 Prozent im vergangenen Jahr nannte die Deka in ihrer Rede „absolut inakzeptabel und meilenweit vom Ziel von zehn Prozent entfernt“, das Aufwand-Ertrags-Verhältnis sei hier mit 93 Prozent „einfach nur katastrophal“.

Die Deutsche Bank sei ein noch „nicht genesener Dauerpatient“, der Aktienkurs ein „Horrorfilm mit Überlänge.“ Der Kurs erreichte noch vor Beginn der Hauptversammlung mit 6,30 Euro ein Rekordtief. Als Vorstandchef Sewing im vergangenen Frühjahr sein Amt antrat, notierte das Papier noch bei knapp 13 Euro.

Aktionäre kritisieren zu hohe Bonuszahlungen

Schwaches Investmentbanking und die Aktienkurstalfahrt sind allerdings nicht die einzigen Punkte, die die Aktionäre vor und währen der Hauptversammlung kritisierten. Sie stören sich auch an den Bonuszahlungen an die Mitarbeiter. Sie liegen trotz der schlechten Geschäftsentwicklung bei 1,9 Milliarden Euro, was mit Blick auf die „eingebrochenen Erträge im Corporate und Investmentbanking und dem bescheidenen Gewinn der Gesamtbank“ „nicht nachvollziehbar“ sei, moniert die Deka. „Wie können Sie bei einer so schwachen Zielerreichung derart hohe Bonusbeiträge gewähren?“, so die rhetorische Frage.

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank ihre Kosten nicht im Griff hat: So konnte die Bank ihre Kosten im vergangenen Jahr zwar um rund fünf Prozent reduzieren. Allerdings sind die Erträge im gleichen Zeitraum um sieben Prozent gesunken. Sewing plant daher, die Ausgaben in diesem Jahr weiterhin zu senken. Die bereinigten Kosten sollen 2019 bei 21,8 Milliarden Euro liegen, kündigte er bei seiner Rede an. 2018 beliefen sie sich auf knapp 23 Milliarden Euro.

Eine Maßnahme: Teile des Compliance-Bereichs und der Abteilung gegen Finanzkriminalität sollen mit der Steuerung der nichtfinanziellen Risiken zusammengelegt werden. „So können wir Doppelarbeiten vermeiden, unsere Kosten deutlich senken und zugleich die Qualität der Kontrollen steigern“, wirbt der Vorstandsvorsitzende. 

Werden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet?

Angesichts der vielen Kritikpunkte bleibt es spannend, ob Vorstand und Aufsichtsrat entlastet werden. Schon im Vorfeld der Hauptversammlung hatten sich Stimmrechtsberater zu einer möglichen Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates geäußert: Mit Glass Lewis und ISS empfehlen zwei großen Stimmrechtsberater, weder den Vorstand noch den Aufsichtsrat zu entlasten.

Auch Deka Invest zeigte sich auf der HV kritisch und wollte zumindest nicht den Aufsichtsrat um Paul Achleitner entlasten: „Der Umbau der Bank ist immer noch nicht abgeschlossen, die Profitabilität lässt zu wünschen übrig, die variablen Vorstandsvergütungen sind zu hoch“, fasste Andreas Thomae von der Deka das Misstrauen zusammen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Update 24.05: Am Abend entlasteten die Aktionäre Aufsichtsratschef Paul Achleitner mit 72 Prozent. CEO Christian Sewing entlasteten 75 Prozent.