Sascha Duis

05.11.12
Banking & Berater

Die Commerzbank ist raus

Die Commerzbank ist von der Liste der systemrelevanten Banken gestrichen worden. Warum das die Firmenkunden interessieren sollte.

Die Commerzbank ist aus dem elitären Club der systemrelevanten Banken geflogen. Soweit die Tatsachen. Aber wie muss man diese Nachricht lesen? Was heißt sie für die Bank? Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht? Und was bedeutet sie für die Firmenkunden?

Für die Commerzbank bedeutet der Rausschmiss erst mal eine Entlastung. Sie steht unter etwas weniger strenger Aufsicht – keine nationale Aufsichtsbehörde will sich die Blöße geben, ein wackelndes systemrelevantes Institut im Portfolio zu haben, da wird besonders genau hingeschaut. Und sie darf mit weniger Kapital hantieren, das senkt ihre Kosten und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit im Markt.

Das ist die eine Seite der Medaille. Doch es gibt auch die andere, nämlich die Kundenseite. Mehr denn je steht das Kontrahentenrisiko im Zentrum der Entscheidung, mit welcher Bank ein Firmenkunde zusammenarbeitet. Von überragender Bedeutung ist dabei das Rating, doch die Systemrelevanz ist der zweite wesentliche Faktor.


In Europa bleiben 15 andere systemrelevante Banken

Das Kalkül ist ganz einfach: Die Politik wird es sich nicht leisten können, eine systemrelevante Bank pleite gehen zu lassen. Zwar versteht man durch Lehman mögliche Kettenreaktionen besser als früher, aber verlässlich vorhersagen kann man die Folgen einer Bankabwicklung immer noch nicht. Ein zweites Lehman mit Ansage („jeder wusste doch, dass die Bank systemrelevant war“) wird niemand riskieren wollen. Umgekehrt kann die Politik in der Zeit nach Lehman auch nicht einfach jede Bank retten, die umzukippen droht. Nicht systemrelevante Häuser aufzufangen birgt also ebenfalls politischen Sprengstoff. Damit hat sich die Bankenwelt durch die Einführung der Liste zweigeteilt.

Viele Firmenkunden bestätigen unter der Hand, dass Systemrelevanz für sie ein Positivkriterium in der Auswahl ihrer Banken ist. In Europa bleiben auch nach der Streichung der Commerzbank noch 15 systemrelevante Häuser übrig, darüber hinaus sind die meisten anderen von der Liste auch in Europa tätig. Das Geschäft mit den großen Firmenkunden könnte also für die Commerzbank schwieriger werden. Wenn sie das Geschäft trotzdem bekommt, dann dürfte es dafür ertragreicher sein als bei ihren systemrelevanten Wettbewerbern. Und schließlich hat das Haus ja noch mehr zu bieten als eine implizite Staatsgarantie: eine nennenswerte Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland, des besten Schuldners der Welt.

bastian.frien[at]finance-magazin.de