Banken machen einen großen Fehler, wenn sie vor Kooperationen mit FinTechs scheuen.

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14.09.15
Banking & Berater

FinTechs verändern das Firmenkundengeschäft

Fintech-Unternehmen erwirtschaften mittlerweile Milliardenumsätze. Viele Banken scheuen vor Kooperationen zurück. Doch das ist kurzsichtig.

Banken machen einen großen Fehler, wenn sie nicht mit Fintech-Unternehmen kooperieren. Das mahnt eine Studie der Managementberatung Oliver Wyman, der Santander InnoVentures und dem Venture-Capital-Unternehmen Anthemis Group an. Die Autoren attestieren den FinTechs zwei große Vorteile: Ihre Produkte seien leichter bedienbar und komfortabler für Kunden. Außerdem verstünden FinTechs es, Daten gewinnbringend zu nutzen.

Insbesondere letzteres sollte die Banken hellhörig werden lassen: Viele Institute sitzen auf einem erheblichem Datenschatz und suchen derzeit nach Möglichkeiten, diesen nutzbar zu machen. Eine große deutsche Bank prüft nach FINANCE-Informationen etwa, wie sie ihren Firmenkunden mit Big-Data-Anwendungen anonymisierte Peer-Group-Vergleiche ermöglichen kann: Wie gut steht das Unternehmen im Vergleich zur Branche beim Working Capital Management da? Wie professionell ist das Fremdwährungsmanagement?

Solche Mehrwertservices wären im hart umkämpften Firmenkundengeschäft ein willkommener neuer Ertragsbringer. Die Banken stoßen dabei aber aufgrund von Regulierung und Datenschutzbedenken an Grenzen. FinTechs hingegen sind viel freier.

Deutsche Banken springen verspätet auf FinTech-Zug auf

Nicht von ungefähr floß der Fintech-Branche laut der Oliver-Wyman-Studie allein im Zeitraum 2013/14 Kapital in Höhe von 23,5 Milliarden US-Dollar (21 Milliarden Euro) zu. Das Potential der Fintech-Unternehmen haben inzwischen auch Banken wie Santander, Barclays und die Bank of America Merrill Lynch erkannt und sich an dem Trend beteiligt.

Auch deutsche Banken sind auf den Zug aufgesprungen, wenn auch mit etwas Verspätung: Die Commerzbank etwa hat im vergangenen Jahr mit dem Main Inkubator einen Inkubator speziell für FinTech Start ups gegründet. Zu den Beteiligungen gehört unter anderem der Zahlungsverkehrsdienstleister Traxpay, der in das Produktportfolio der Commerzbank integriert werden soll.

Die Deutsche Bank lud kürzlich FinTechs und Firmenkunden ein, um Ideen zu sammeln, wie die Digitalisierung im Firmenkundengeschäft aussehen könnte. Die Deutsche Bank will im Rahmen ihrer Strategie „2020“ 1 Milliarde Euro in die Digitalisierung der Bank investieren. Erste Ansätze: Ein Big-Data-Tool zur besseren Kundenberatung, die digitale Autorisierung und Bearbeitung von Cash-Management-Verträgen sowie eine Spracherkennung, die insbesondere mittelständischen Kunden schnell an den richtigen Ansprechpartner für ihr Anliegen vermittelt soll.

FinTechs können Effizienz bei Banken steigern

Laut der Oliver-Wyman-Studie sollte die Kooperation zwischen FinTechs und Banken aber viel weiter gehen. Auch bei Middle- und Back-Office-Tätigkeiten könnten FinTechs die Banken unterstützen. Das gelte etwa für das Collateral Management, mit dem Banken Kontrahentenrisiken reduzieren, und die Handelsfinanzierung.

In beiden Bereichen könnten Echtzeitdaten und digitale Prozesse den Banken die Arbeit erleichtern: In der Handelsfinanzierung könnten Banken mithilfe von FinTechs etwa den Dokumentenabgleich digitalisieren und den Aufenthaltsort der Güter verfolgen, so Oliver Wyman. Davon würden dann auch Firmenkunden profitieren, weil die Kosten sinken.

Wie die Analyse herausgefunden hat, sei es nicht ungewöhnlich, wenn Banken mehr als 500 Millionen US-Dollar in Datenverwaltung stecken würden, dabei die Gewinne der Finanzinstitute aber nicht hochgeschraubt werden. Durch solche Ineffizienzen verlieren Banken laut der Beratung Accenture und dem Wertpapierabwickler Clearstream bis zu 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr. FinTechs könnten auch hier Abhilfe schaffen.

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