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04.06.18
Banking & Berater

Firmenkundengeschäft: Bankenübergreifendes Großprojekt gescheitert

Vier deutsche Großbanken planten eine gemeinsame Plattform zur Speicherung sensibler Firmenkundendaten. Nun ist das Projekt offenbar gescheitert. Die beteiligten Banken hüllen sich in Schweigen.

Es war ein Projekt, das in der Branche mit großem Interesse verfolgt und zugleich im Geheimen bearbeitet wurde: Deutsche Bank, Commerzbank sowie die beiden Landesbanken für Hessen-Thüringen (Helaba) und Baden-Württemberg (LBBW) wollten gemeinsam eine Plattform entwickeln, auf der sensible Daten ihrer Firmenkunden gespeichert werden sollten. Dies sollte den Datenaustausch erleichtern – und Firmenkunden Arbeit ersparen, wenn sie mit mehreren Banken aus dieser Gruppe Geschäftsbeziehungen unterhalten.

Dieses Großprojekt ist nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung (SZ)“, die sich auf Finanzkreise beruft, nun offenbar gescheitert. Es wäre das erste Mal gewesen, dass sowohl Privatbanken als auch Finanzinstitute aus dem öffentlichen Sektor bei einem Projekt dieser Art zusammengearbeitet hätten.  

Deutsche Bank und LBBW stiegen frühzeitig aus

Die Deutsche Bank und die LBBW hätten sich demnach bereits nach wenigen Monaten aus dem Gemeinschaftsprojekt zurückgezogen, heißt es. Als Begründung für den Ausstieg hätten die Banken ihre Unzufriedenheit mit dem Projektmanagement sowie „andere Prioritäten“ angeführt.

Auch die Commerzbank und die Helaba würden das Projekt „nur noch vom Rand aus“ verfolgen, schreibt die „SZ“, der gegenüber sich keiner der Beteiligten offiziell zu der Sachlage äußern wollte. Im Dezember 2017 hatte die Zeitung erstmals über die Pläne der Banken zur zentralen Datenspeicherung berichtet.

Swift soll Megaprojekt noch retten

Auch wenn die großen Banken das Projekt offenbar begraben wollen, scheint es noch nicht gänzlich gestorben zu sein. Der Finanznachrichtendienstleister Swift soll für das Projekt gewonnen werden, schreibt die „SZ“. Swift würde sich für das Projekt anbieten, da das Unternehmen bereits Daten im großen Stile sammelt und zudem bereits den Banken gehört.

Mit einer Plattform, wie sie die vier Großbanken geplant hatten, hätten die Finanzinstitute den sogenannten „Know-Your-Customer-Prozess (KYC)“ vereinfachen und damit Kosten einsparen können. Um den Geldwäsche-Richtlinien der EU zu entsprechen, müssen Unternehmen im Rahmen dieses Prozesses komplexe Checklisten abarbeiten, wenn sie ein Konto eröffnen wollen. Nicht selten umfasst diese Liste einen Fragenkatalog von bis zu 500 Fragen und sorgt für Unverständnis in den Finanzabteilungen deutscher Unternehmen. Durch die zentrale Speicherung der Kundendaten hätten Firmenkunden ihre Daten nur noch einmal angeben müssen.

Auch Verimi und Paydirekt hatten ähnliche Probleme

Nicht nur die vier Banken haben es nicht geschafft, ein solches Großprojekt zu Ende zu führen. Zuvor hatte sich schon eine Gruppe von Dax-Unternehmen an einem ähnlichen Projekt versucht. Konzerne wie die Deutsche Telekom, Lufthansa und die Deutsche Bank hatten gemeinsam den Login-Dienst Verimi ins Leben gerufen, der sich als Konkurrent zu Google und Facebook positionieren sollte. Doch nach internen Streitigkeiten über die weitere Führung und die Gesellschafterstruktur legte das Joint Venture einen Fehlstart hin.

Ein weiteres Beispiel ist das Online-Bezahlsystem der deutschen Banken Paydirekt, das ins Leben gerufen wurde, um Paypal Konkurrenz zu machen. Interne Unstimmigkeiten sorgten dafür, dass das Projekt wesentlich später an den Start ging als ursprünglich geplant. Die Nutzerzahlen entwickeln sich wenig dynamisch, die Marktanteilsgewinne gegenüber Paypal sind überschaubar. 

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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