Mario Andreya/Deutsche Bank

03.08.16
Banking & Berater

Firmenkundengeschäft: Deutsche Bank verliert im Mittelstand

Mittelstands-CFOs wenden sich von der Deutschen Bank ab. Ausgerechnet die Sparkassen schlagen Deutschlands größtes Geldhaus in dem Segment.

Die Deutsche Bank verliert im mittelständischen Firmenkundengeschäft an Boden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von Greenwich Associates hervor. Die US-Beratungsgesellschaft hat 616 CFOs, Treasurer und Finanzverantwortliche aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 50 und 500 Millionen Euro nach ihren Bankpartnern gefragt. Das Ergebnis: 31 Prozent aller Befragten unterhalten Geschäftsbeziehungen zum größten deutschen Geldhaus. Vor drei Jahren waren es noch 40 Prozent.

Greenwich Associates führt den Rückgang der Marktdurchdringung auf „die öffentlich diskutierten Herausforderungen in dieser Zeitspanne“ zurück. Zahllose Rechtsstreitigkeiten, Skandale und Milliardenstrafen haben das Ansehen der Deutschen Bank beschädigt. Das belastete auch die Wahrnehmung der Firmenkunden, wie im vergangenen Jahr eine FINANCE-Umfrage unter 120 CFOs, Finanzleitern und Treasurern ergab. „Wir glauben aber, dass die Verschlechterung nur temporär anhält”, sagt Tobias Miarka, Manager Director bei dem Beratungshaus. Der Grund: Die zunehmende Internationalisierung des deutschen Mittelstands spiele der Deutschen Bank als Global Player in die Hände.

Mittelstands-CFOs setzen auf Sparkassen und die Commerzbank

Marktführer im mittelständischen Firmenkundengeschäft sind der Umfrage zufolge die Sparkassen: 63 Prozent der befragten Mittelständler machen Geschäft mit den öffentlich-rechtlichen  Kreditinstituten. Auf Platz zwei folgt die Commerzbank mit einer Marktdurchdringung von 50 Prozent. Hinter der Deutschen Bank reihen sich die Volks- und Raiffeisenbanken (28 Prozent) sowie die UniCredit (23 Prozent) ein.

Besonders bitter für die Deutsche Bank: Alle anderen Institute konnten ihre Marktdurchdringung damit in den vergangenen drei Jahren weitestgehend konstant halten. Denn Mittelstands-CFOs sind nicht besonders wechselfreudig. Im Schnitt halten die Bankbeziehungen im deutschen Mid Market Corporate Banking nach Angaben von Greenwich 25 Jahre.

BayernLB, Commerzbank und UniCredit führen das Qualitätsranking an

Greenwich hat die CFOs auch nach der Qualität der Dienstleistungen im Firmenkundengeschäft befragt. Hier sehen die befragten Finanzchefs die BayernLB, Commerzbank und UniCredit vorne. Die Landesbank profitierte vor allem von ihrer regionalen Aufstellung, besonders gelobt wurde die Nähe ihres Senior-Managements zu den Unternehmen.

An der Commerzbank und der UniCredit schätzten die befragten CFOs dagegen die Fähigkeit, ihr internationales Geschäft zu unterstützen. In einer aktuellen Umfrage von FINANCE, an der allerdings auch CFOs und Treasurer größerer Unternehmen teilgenommen hatten, sahen die Befragten bei der Commerzbank dagegen Schwächen im internationalen Geschäft.

Die weltweite Aufstellung der Bank hat gegenüber der letzten Greenwich-Befragung vor drei Jahren für die Finanzchefs an Bedeutung gewonnen: Handelsfinanzierung und ein gutes internationales Netzwerk sind den Mittelständlern heute wichtiger bei der Auswahl ihrer Bankpartner als noch 2013. Die Kreditvergabe – von Haus aus einer der Schlüsselfaktoren im mittelständischen Firmenkundengeschäft – verliert dagegen laut Greenwich gerade etwas an Bedeutung. Das dürfte auch an dem derzeit extrem ausgeprägten Niedrigzinsumfeld liegen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Die Banken kämpfen hart um die Gunst deutscher Unternehmen. Alles Wissenswerte und die neuesten Entwicklungen finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft.