BPCE

29.07.16
Banking & Berater

Französische Bank BPCE kauft Fintech-Pionier Fidor

Die Internetbank Fidor gilt als Vorreiter der Digitalisierung des Bankgeschäfts. Jetzt wird das Fintech von den französischen Volksbanken übernommen. Beide Häuser erhoffen sich viel von dem Deal.

Überraschung in der Bankenszene: Die französische Bankengruppe BPCE übernimmt die Münchener Internetbank Fidor. BPCE ist das französische Pendant zur deutschen Volksbankengruppe und  nach eigenen Angaben mit 35 Millionen Kunden zweitgrößte französische Bank. BPCE will mit dem Kauf der Fidor Bank ihre digitale Transformation beschleunigen. Die Fidor-Bank wiederum erhofft sich von den Franzosen die nötige Finanzkraft für die ehrgeizigen Wachstumspläne außerhalb Deutschlands. Zum Kaufpreis machten die beiden Parteien keine Angaben, Marktgerüchten zufolge soll er über 100 Millionen Euro betragen.

Im Zuge der Übernahme geben mehrere Wagniskapitalgeber und Beteiligungsfirmen ihre Fidor-Anteile ab. CEO Matthias Kröner bleibt dagegen nicht nur als Chef sondern auch als Anteilseigner an Bord, teilten die Münchener mit. Er lässt sich aber von 9 auf 3 Prozent verwässern. Der ehemalige Chef der DAB Bank, der Fidor 2009 mitgegründet hatte, feiert den Deal: „Wir schließen nun endgültig die Startup-Phase ab und wandeln uns zu einem Growth-Unternehmen. Mit BPCE werden wir Europa erobern.“ Fidor soll auch nach der Übernahme weiterhin eigenständig agieren.

Fidor kooperiert mit Bitcoin-Marktplatz und Telefonica

Die Fidor Bank gilt als digitaler Pionier in der deutschen Bankenwelt und bezeichnet sich selbst gerne als das „älteste Fintech der Welt“: Die Direktbank verspricht ihren 120.000 Kunden schnelle und flexible Bankgeschäfte per Smartphone. Filialen gibt es keine, stattdessen setzen die Münchener voll auf Finanz-Apps und andere digitale Bankangebote.

Dabei setzt CEO Kröner auch auf unkonventionelle Kooperationen: So arbeitet Fidor mit einem Marktplatz zusammen, über den die Kryptowährung Bitcoin gehandelt wird. Fidor-Kunden können über eine Schnittstelle dort direkt Bitcoins kaufen und in Echtzeit abwickeln.

Seit kurzem arbeitet die Onlinebank auch mit dem spanischen Mobilfunkanbieter Telefonica zusammen, der im deutschen Markt mit O2 und E-Plus aktiv ist. Telefonica drängt ins mobile Bankgeschäft. Fidor wickelt die Zahlungen ab, die  die Telefonica-Kunden über ihre Handynummer tätigen.

Fidor will mit BPCE neue Länder erschließen

Die Bedeutung der Übernahme für das deutsche Finanzwesen ist weitaus größer, als die Zahlen es vermuten lassen. Mit 125.000 Kontoinhabern und einer Bilanzsumme von 500 Millionen Euro ist Fidor zwar keine relevante Größe am deutschen Bankenmarkt. Aber der Technologiearm des Unternehmens entwickelt Softwarelösungen wie das Fidor Operating System, die zahlreiche Fintechs nutzen – auch außerhalb Deutschlands.

Während die Bank schon profitabel ist, erwirtschaftet der Technologiebereich noch Verluste. Die Bank ist jüngst nach Großbritannien expandiert, weitere Länder sollen nach Angaben der Bank in Kürze folgen. Frankreich dürfte auf dieser Liste jetzt nach oben rücken.

Bislang hatte die Bank allerdings zu wenig Mittel, um auch international zu wachsen. Die Fidor Bank war deshalb bereits seit über einem Jahr auf der Suche nach einem Investor. Der damit verbundene Rückzug von der Börse im vergangenen Jahr hatte den Münchenern viel Kritik eingebracht.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de