Helaba

22.03.18
Banking & Berater

Helaba stabilisiert ihr Firmenkundengeschäft

Die Helaba schreibt im Firmenkundengeschäft zwar wieder schwarze Zahlen, doch in der Gesamtbank schrumpft der Gewinn. Darum hat die Landesbank ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand gestellt und neue Wachstumsoffensiven angekündigt.

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) kehrt im Firmenkundengeschäft in die Gewinnzone zurück. Wie die Bank in Frankfurt mitteilte, verdiente sie im abgelaufenen Geschäftsjahr in ihrem Geschäftssegment „Corporate Finance“ vor Steuern 94 Millionen Euro. Im Vorjahr musste die Helaba noch hohe Abschreibungen auf faule Schiffskredite vornehmen und verzeichnete im Firmenkundengeschäft deshalb 2016 noch 54 Millionen Euro Verlust.

Die Corporate-Finance-Erträge sind gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent auf 311 Millionen Euro gestiegen. Das Firmenkundengeschäft ist damit nach dem Immobiliengeschäft, das in etwa doppelt so viel erwirtschaftet, der zweitgrößte Ertragsbringer der Helaba. Den Ertragszuwachs im Firmenkundengeschäft verdankt die Bank zu einem Großteil ihrem Neugeschäftsvolumen, das die Bank nach eigener Aussage gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro gesteigert hat. 

Herber Rückschlag für Helaba im Kapitalmarktgeschäft

Insgesamt ist das Corporate-Finance-Portfolio 38,5 Milliarden Euro schwer. Davon entfallen 38 Prozent auf die klassische Unternehmensfinanzierung. Jeweils rund 18 Prozent verdient die Bank mit Projekt- und Asset-Backed-Finanzierungen. Das restliche Portfolio teilt sich zu gleichen Teilen auf die Leasing-, Außenhandels- und Akquisitionsfinanzierung auf.

Nicht so gut lief es für die Helaba im vergangenen Jahr im Kapitalmarktgeschäft, das die Landesbank in dem Segment „Financial Markets“ angesiedelt hat. Dort sank der Vorsteuergewinn von 114 Millionen auf 4 Millionen Euro. Das liegt zum einen daran, dass die Erträge um 29,2 Prozent auf 234 Millionen Euro eingebrochen sind. Vor allem resultiere der Rückgang jedoch aus negativen Bewertungseffekten.

Gewinn der Helaba bricht ein

In der Gesamtbank sank der Zinsüberschuss der Helaba wegen Sondertilgungen und der aufgrund des hohen Wettbewerbs schrumpfenden Margen um rund 11 Prozent auf 354 Millionen Euro. Dafür legte der Provisionsüberschuss leicht um 4 Prozent auf 354 Millionen Euro zu, was vor allem dem Zahlungsverkehr, dem Wertpapier- und Depotgeschäft der Frankfurter Sparkasse und der Vermögensverwaltung der Helaba Invest zu verdanken war.

„Unser Kernbankensystem hat das Ende seines Lebenszyklus unwiderruflich erreicht.“

Herbert Hans Grüntker, Bilanzpressekonferenz 2017

Unter dem Strich bleibt dennoch kein befriedigendes Ergebnis: Insgesamt verdiente die Helaba im abgelaufenen Geschäftsjahr vor Steuern nur 447 Millionen Euro und damit 18,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Es ist das niedrigste Ergebnis seit der Finanzkrise. Trotzdem bezeichnete die Bank das Konzernergebnis als „zufriedenstellend“, da mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet worden sei. Den Handlungsbedarf hat die Bank aber erkannt und das Geschäftsmodell zuletzt auf den Prüfstand gestellt. 

Helaba stoppt wichtiges Großprojekt

Das Ergebnis: Einzelne Geschäftseinheiten und Beteiligungen werden gestrafft. Die Anteile an der Hannover Leasing hat die Helaba bereits verkauft. Die Bank finanziert künftig auch keine Gebietskörperschaften wie Gemeinden und Kommunen außerhalb Europas mehr. Außerdem sei die Bausparkasse LBS restrukturiert worden. Darüber hinaus möchte die Bank in den kommenden beiden Jahren ihre IT-Organisation neu aufstellen und ihre Projektmanagement-Kompetenz verbessern. 

Die Neuausrichtung bindet aber offenbar so viele Kapazitäten, dass die Bank ein vor einem Jahr angekündigtes Großprojekt wieder auf Eis legt. Damals hatte die Helaba angekündigt, ihr Kernbankensystem modernisieren zu wollen, da dieses „unwiderruflich das Ende seines Lebenszyklus erreicht“ habe. Für dieses Vorhaben hatte die Bank einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag budgetiert. Nun soll mit dem System, das teilweise noch auf Vorarbeiten aus den 60er- und 70er Jahren zurückgeht, zunächst doch weitergearbeitet werden.

„Unser aktuelles Kernbankensystem ist zwar in die Jahre gekommen, aber läuft unverändert stabil.“

Herbert Hans Grüntker, Bilanzpressekonferenz 2018

Neue Wachstumsoffensiven der Helaba betreffen Fintechs

Um die Erträge der Bank wieder zu steigern, hat die Helaba neue Wachstumsoffensiven ausgerufen. Das betrifft auch Firmenkunden. Grundsätzlich will die Landesbank mehr Geschäft mit Mittelständlern machen, die jährlich mindestens 250 Millionen Euro umsetzen. Konkret möchte die Bank bei strukturierten Absatzfinanzierungen und im Syndizierungsgeschäft zulegen. Das Kapitalmarktgeschäft will die Helaba neu und durch digitale Produkte näher am Kunden ausrichten. Geographisch will die Bank vor allem in Nordrhein-Westfalen wachsen. 

Bei den trendigen Fintechs mischt die Helaba künftig auch mit. Erst vor wenigen Tagen gab die Bank bekannt, zusammen mit dem Fintech Value Concepts die Schuldscheinemission digitalisieren zu wollen. Gestern kündigte die Bank außerdem an, sich an einem Fintech-Fonds beteiligen zu wollen. Und damit nicht genug, denn die Bank plant, eine eigene Beteiligungsgesellschaft zu gründen, die direkt in Fintechs investiert.

Die Helaba hat damit nach eigener Aussage die „notwendigen Maßnahmen“ ergriffen und eingeleitet, um die Bank „geschäftlich“, „organisatorisch“ und „kulturell“ fit für die Zukunft zu machen. Für das kommende Geschäftsjahr rechnet die Helaba mit einem Vorsteuergewinn im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Wie die anderen Banken im hart umkämpften Corporate & Investmentbanking abgeschnitten haben, zeigt die FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.