Frankfurt am Main: Könnte hier die neue Super-Landesbank ihre Zentrale bekommen?

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13.05.19
Banking & Berater

Helmut Schleweis verlangt nach Super-Landesbank

Helmut Schleweis erhöht den Druck beim Thema Super-Landesbank – auch auf die Politik. In dem Szenario, das er entwirft, sollen insbesondere die Sparkassen von einem Landesbanken-Deal profitieren.

Gerade ist es um die Super-Landesbank wieder ruhiger geworden, da kocht Sparkassen- und Giroverbandspräsident Helmut Schleweis das Thema wieder auf: In einem heute veröffentlichten Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Schleweis sich so deutlich wie noch nie zuvor für eine Fusion der Landesbanken LBBW, BayernLB , Helaba und NordLB aus – und erhöht den Druck gleich auf zwei Ebenen.

Super-Landesbank soll Eigenkapitalkosten verdienen

Der erste Wink von Helmut Schleweis richtet sich an die Sparkassen: Von einer Super-Landesbank im Rücken würden diese massiv profitieren. Die Sparkassen blieben konkurrenzfähig, denn wenn die Geschäftsvolumina im Verbundgeschäft auf eine einzige Landesbank vereint würden, könnten enorme Skaleneffekte gehoben werden, die dann wiederum den Sparkassen in Form geringerer Kosten zu Gute kämen.

Bei der Super-Landesbank stünde dann nicht die Gewinnmaximierung im Fokus, sondern die Bereitstellung wichtiger Services zu attraktiven Konditionen – und eine bessere Risikosteuerung durch die Sparkassen als Alleingesellschafter, wie Schleweis betont. Allerdings müsse auch eine Super-Landebank zumindest ihre Eigenkapitalkosten erwirtschaften, meint Schleweis, was in Anbetracht der aktuellen Ertragsstärke der einzelnen Landesbanken kein unerreichbares, aber auch kein wirklich einfaches Ziel ist.

„Eine Sparkassen-Zentralbank, von der die Sparkassen nicht nur als Eigentümer, sondern über bessere und günstigere Leistungen als Geschäftspartner profitieren, muss nicht ganz so ertragreich sein wie eine börsennotierte Bank“, lässt sich Schleweis zitieren. Die deutschen Finanzchefs würden die Formierung einer Super-Landesbank mehrheitlich begrüßen, erbrachte erst kürzlich die FINANCE-Banken-Survey 2019.

Schleweis‘ zweiter Wink richtet sich an die jeweiligen Landesregierungen: Zwar seien die Interessen der Sparkassen und der Landesregierungen unterschiedlich, jedoch sollten die Regierungen einen Verkauf in Erwägung ziehen – und zwar jetzt, wo die Banken noch zu günstigen Konditionen veräußert werden könnten.

„Der Mittelstand ist kein Herzensanliegen internationaler Finanzinvestoren.“

Helmut Schleweis, Chef des DSGV

„Wenn einen erst der Wettbewerb zu Maßnahmen zwingt, ist es zu spät“, droht Schleweis und erhöht damit den Druck auf die Politik, jetzt noch zu handeln, bevor eventuell die nächste wirtschaftliche Krise Einzug hält.

DKB und Deka sollen starke Säulen werden

Für die Zusammenstellung einer möglichen Super-Landesbank formuliert Schleweis konkrete Vorstellungen: Die erfolgreiche Direktbank DKB – eine Tochter der BayernLB – könnte die zentrale Online-Bank der Sparkassen werden. Ein mögliches Ausstiegsszenario für die bayerische Landesregierung wäre die Abtrennung der DKB und des Verbundgeschäfts bei gleichzeitigem Verkauf des Firmenkundengeschäfts der BayernLB, an dem die Hypovereinsbank interessiert sein soll.

Die zweite zentrale Säule einer neuen Super-Landesbank sieht Schleweis in der Deka Bank. Das Frankfurter Asset-Management-Haus soll „für die künftige Sparkassen-Zentralbank, egal in welcher Konstellation, eine starke Rolle spielen“, meint Schleweis – auch deshalb, weil sie sich schon jetzt vollständig in Sparkassenhand befindet. Dies ist bei den einzelnen Landesbanken nicht der Fall.

Keine Rolle sollen hingegen Finanzinvestoren spielen – auch nicht für die Finanzierung der Milliardenkosten, die ein Herauskaufen der öffentlichen Hand aus den Landesbanken nach sich ziehen würde. Schleweis findet klare Worte für Private Equity: „Sparkassen haben den Auftrag, sich um den Mittelstand, die regionale Wirtschaft und um die wirtschaftlich Schwächeren zu kümmern. Das alles sind keine Herzensanliegen von internationalen Finanzinvestoren.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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