Die IKB-Geschäftszahlen für das Jahr 2018/19 zeigen: Das Kerngeschäft der Industriebank strauchelt immer noch.

IKB

14.06.19
Banking & Berater

Hoffnungsschimmer für die IKB

Dank einer großen Steuerrückerstattung kann die IKB den letzten Teil einer milliardenschweren Altlast endlich bereinigen. Doch das eigentliche Bankgeschäft schrumpft immer noch.

Die IKB hat die übrig gebliebenen Reste einer milliardenschweren Altlast endgültig ad acta gelegt: Wie aus dem heute veröffentlichten Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2018/19 hervorgeht, hat die Mittelstandsbank noch offene Besserungsabreden im Nennwert von 180 Millionen Euro für einen Preis von 162 Millionen Euro zurückgekauft. Im Jahr zuvor hatte die IKB schon den Großteil dieser Besserungsscheine mit einem Nennwert von 971 Millionen Euro für 331 Millionen Euro zurückgekauft.

Ihren Ursprung haben die Besserungsscheine in der milliardenschweren Finanzspritze, die der damalige Haupteigner KfW der IKB nach der Finanzkrise gewährt hatte. Später übernahm der jetzige IKB-Eigner Lone Star diese Ansprüche. Die Rückkäufe zwangen die IKB, massive Verluste zu verbuchen. Im nun bilanzierten jüngsten Geschäftsjahr, das am 31. März endete, konnte die IKB die negativen Folgen der Altlastenbereinigung jedoch dank einer Steuerrückerstattung in Höhe von 112 Millionen Euro abfedern.

Weil die Mittelstandsbank wegen ihrer trüben Ertragsaussichten gleichzeitig aber auch latente aktive Steuern in Höhe von 44 Millionen Euro abschreiben muss, beläuft sich der Saldo des positiven Steuerertags lediglich auf 64 Millionen Euro. Zusätzliche außerordentliche Gewinne in Höhe von 58 Millionen Euro erzielte die IKB mit dem Verkauf ihrer Verwaltungsimmobilien in Düsseldorf und Frankfurt.

Im Kerngeschäft muss die IKB weiter Federn lassen

Das hohe Ausmaß dieser Sondereffekte überlagert die Resultate des Kerngeschäfts: Dessen Zahlen verraten nämlich, dass die IKB dort immer noch zu kämpfen hat. So ist der Zins- und Leasingüberschuss im vergangenen Geschäftsjahr um 20 auf 193 Millionen Euro zurückgegangen. Die IKB erklärt dies damit, dass im Vorjahr „außergewöhnlich hohe Erträge aus der Auflösung von wertberichtigten Zinsforderungen“ angefallen seien. In welcher Größenordnung dies genau zu dem nun verzeichneten Rückgang beigetragen hat, wollte die IKB auf Nachfrage nicht erläutern.

Auch beim Provisionsüberschuss muss die IKB einen Rückgang vermelden. Das Minus von 2 auf 37 Millionen Euro fällt im Vergleich zum Minus beim Zinsüberschuss jedoch moderat aus. Hoffnungsschimmer: Trotz des harten Wettbewerbs im deutschen Firmenkundengeschäft hat sich das Neugeschäft mit Mittelstandskunden bei 3,6 Milliarden Euro stabilisiert. Zugpferd waren Fördermittelkredite, deren Anteil im abgelaufenen Geschäftsjahr von 32 auf 37 Prozent anstieg.

Trotz des stabilen Neugeschäfts schmilzt die IKB ihr Kreditbuch aber weiterhin ab. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte das Bruttokreditvolumen der Bank von 19,8 auf unter 19 Milliarden Euro. Die Trennung von den letzten verbliebenen Leasinggesellschaften kann nur einen Rückgang um etwas mehr als 0,3 Milliarden Euro erklären. In den Jahren nach der Finanzkrise lag das Bruttokreditvolumen der IKB noch bei über 30 Milliarden Euro, doch seit Jahren baut die Bank – entgegen dem allgemeinen Trend bei den Firmenkundenbanken – Kreditengagements ab (eine Visualisierung dieser Strategie finden Sie hier).

IKB-Sparkurs soll sich nun endlich auszahlen

Auf der Kostenseite spart die IKB weiter gegen das rückläufige Geschäftsvolumen an: Die Verwaltungskosten gingen um fast 10 Prozent von 213 auf 192 Millionen Euro zurück – fast ausschließlich deshalb, weil das Management die Personalkosten sogar um über 15 Prozent auf nun lediglich noch 99 Millionen Euro kappte. Ein Teil dieser Rückgänge ist aber auch auf den Verkauf der Tochter IKB Data zurückzuführen, wodurch auch Kosten wegfielen.

Im nun laufenden Geschäftsjahr soll die Verlustserie der IKB aber nun endlich zu Ende gehen, verspricht die Mittelstandsbank: Der Vorstand rechnet mit einer leichten Erholung bei Zins- und Provisionsüberschuss sowie nochmals leicht sinkenden Verwaltungskosten. Im Endergebnis soll dies zu einem leicht positiven Konzernergebnis führen. 2018/19 betrug der Verlust immer noch 41 nach 170 Millionen Euro im Jahr davor. Ob und in welcher Höhe der geplanten Rückkehr in die Gewinnzone erneute positive Sondereffekte zu Grunde liegen, wollte die Bank nicht beantworten.

Gegenwind könnte die IKB bei der letzten Phase ihres Turnarounds von der sich abschwächenden Konjunktur bekommen. Erster Hinweis: Während die IKB zuletzt sogar Erträge durch Risikoauflösungen verbuchen durfte, musste die IKB ihrer Risikovorsorge im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder 36 Millionen Euro zuführen.

Und der Anteil notleidender Kredite („NPL-Quote“) liegt mit 1,4 Prozent (Vorjahr: 1,0 Prozent) nach wie vor so niedrig, dass sich die IKB mittelfristig eher auf eine steigende denn auf eine wieder fallende Risikovorsorge wird einrichten müssen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Bank weiter hart arbeiten muss, um nachhaltig positive Erträge zu erzielen“, lässt sich IKB-Chef Michael Wiedmann im Geschäftsbericht zitieren.

Wie viele andere Banken buhlt die IKB vor allem um das lukrative Geschäft mit deutschen Mittelständlern. Wie sich die Banken dabei aufstellen, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.