Unabgestimmte Offerte: Frasers Group will Hugo Boss schlucken

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Nach einem Machtkampf zwischen Frasers und Hugo Boss im Dezember 2025 folgt nun ein Übernahmeangebot des britischen Großaktionärs. Foto: Frasers Group
Nach einem Machtkampf zwischen Frasers und Hugo Boss im Dezember 2025 folgt nun ein Übernahmeangebot des britischen Großaktionärs. Foto: Frasers Group

Die Frasers Group, eine britische Kaufhauskette und Großaktionär von Hugo Boss, hat am Mittwochabend ein freiwilliges Übernahmeangebot für den schwäbischen Moderhersteller vorgelegt. In der Mitteilung bieten die Briten 38 Euro je Boss-Aktie. Es gilt für alle Aktien, die Frasers nicht bereits selbst besitzt. Es unterliegt keiner Mindestannahmeschwelle. Die Gruppe war 2020 bei Hugo Boss eingestiegen und ist mit einem Anteil von rund 26 Prozent größter Anteilseigner an dem Modekonzern. Die Kanzlei Gleiss Lutz hat die Frasers Group bei dem öffentlichen Übernahmeangebot rechtlich beraten.

Mit dem Angebot bewertet Frasers Hugo Boss mit rund 2,6 Milliarden Euro. Um die restlichen rund 74 Prozent zu erwerben, müsste Frasers noch rund 2 Milliarden Euro aufwenden. Der gebotene Preis von 38 Euro pro Aktie bietet – gemessen am Schlusskurs vom 10. Juni sowie dem Dreimonatsdurchschnitt – eine Prämie von 4 Prozent. Am heutigen Donnerstagvormittag sprang die im MDax notierte Aktie auf über 39 Euro je Papier.

Ist Frasers Offerte für Hugo Boss attraktiv?

In einer ersten Reaktion schrieb Analystin Chiara Battistini von JP Morgan, die angebotenen 38 Euro schienen mit Blick auf die Schlusskurs-Prämie nicht besonders attraktiv. Sie sehe allerdings auch keine offensichtlichen weiteren Interessenten. Sie habe zudem vor der Veröffentlichung des Angebots eine vergleichsweise hohe Short-Quote beobachtet.

Hugo Boss reagierte kurz darauf mit einer Stellungnahme und betonte, dass dieses Übernahmeangebot „nicht mit der Gesellschaft abgestimmt“ sei und betont die Höhe der Prämie von 4 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat würden das Angebot prüfen und eine Stellungnahme abgeben, heißt es weiter.

Unerwartetes Übernahmeangebot nach Streit

Nicht nur für Hugo Boss kam die Offerte überraschend: Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte es Unstimmigkeiten zwischen der Frasers Group und Hugo Boss gegeben. Damals hatte Frasers erklärt, Aufsichtsratschef Stephan Sturm nicht länger zu unterstützen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung. Vor wenigen Tagen gab es aber eine Kehrtwende, als Frasers Unterstützung für Sturm und dessen Dividendenpolitik ausdrückte.