Cerberus und JC Flowers heißen die neuen Eigentümer der HSH Nordbank.

HSH Nordbank

28.02.18
Banking & Berater

HSH Nordbank geht an Cerberus und JC Flowers

Die HSH Nordbank wird für rund 1 Milliarde Euro verkauft. Der Großteil der Anteile geht wie erwartet an die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers.

Das Bieterrennen ist vorbei: Eine Gruppe von Finanzinvestoren um die US-Investoren Cerberus und JC Flowers kaufen die HSH Nordbank, die derzeit noch zu rund 95 Prozent den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg gehört. Rund 1 Milliarde Euro beträgt der Kaufpreis. Der Großteil der Anteile geht an die genannten US-Investoren, kleinere Anteile gehen an GoldenTree und an Centaurus Capital sowie an die österreichische Bawag, die allerdings wiederum Cerberus zuzurechnen ist.

Mit den beiden Investoren setzten sich keine Unbekannten durch: JC Flowers hielt schon zuvor rund 5 Prozent an der Landesbank, und Cerberus ist bereits bei anderen deutschen Banken aktiv. Erst im vergangenen November wurde der Investor zu einem Großaktionär der Deutschen Bank und hält auch Anteile an der Commerzbank.

EU-Ultimatum für HSH Nordbank wäre heute abgelaufen

Genau kann der Kaufpreis für die Landesbank noch nicht beziffert werden: Grund dafür ist die sogenannte „Sunrise-Garantie“, mit der die Länder für Verluste von bis zu 10 Milliarden Euro einstehen. Die Garantie soll vorzeitig beendet und ausgezahlt werden, wofür die Länder einen Ausgleichsbetrag von 100 Millionen Euro erhalten. Je nachdem, wie viel aus dieser Garantie tatsächlich ausgezahlt werden muss, könnte sich die von den Käufern zu zahlende Summe noch verringern.

Die Einigung kommt keinen Tag zu früh: Spätestens heute musste die HSH Nordbank verkauft werden, andernfalls hätte das Institut abgewickelt werden müssen. Der Privatisierungsprozess war von der EU gefordert worden, nachdem die Bank durch notleidende Schiffskredite in Schieflage geraten war und von ihren öffentlichen Eigentümern mehrfach durch Garantien gestützt werden musste.   

Finanzinvestoren werden faule Kredite herauslösen

Noch stehen einige Bedingungen wie zum Beispiel die Zustimmung der Landesparlamente sowie die Kartellfreigaben aus. Zudem müssen auch die EU-Kommission, die EZB und die Bafin der Transaktion zustimmen. Mit einem Closing der Transaktion wird trotzdem noch im Laufe dieses Jahres gerechnet.

Für die Zustimmung der Aufsichtsbehörden dürfte die zentrale Frage sein, ob die Bank in der neuen Aufstellung lebensfähig ist. Um sicherzustellen, dass das der Fall ist, werden die neuen Eigentümer faule Kredite aus der Bank herauslösen. Durch die Übertragung der Altlasten auf von den Finanzinvestoren initiierte Fonds sinkt die NPE-Quote (Non Performing Exposure) der Bank voraussichtlich auf unter 2 Prozent (30. September 2017: 11,7 Prozent). Bereits in den vergangenen Tagen war in der Presse berichtet worden, dass rund 6,3 Milliarden Euro in eine neue Zweckgesellschaft übertragen werden sollen. Den restlichen, wesentlich kleineren Teil der leistungsgestörten Kredite, die aktuell noch in einer Abbaubank liegen, übernimmt die HSH Nordbank selbst.

Die Risiken aus diesen notleidenden Krediten werden damit vollständig an die neuen Eigentümer übertragen. Trotz des positiven Kaufpreises – der zu den Bedingungen der EU für den Verkaufsprozess gehörte – bleiben die Länder auf einem hohen Verlust sitzen. Verschiedenen Gutachten zufolge beläuft sich dieser auf mindestens 13 Milliarden Euro, manche Berechnungen gehen sogar noch von wesentlich höheren Summen aus. 

HSH hat viel Neugeschäft gemacht

So bitter diese Zahlen klingen: Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Noch vor einem Jahr erschien es sogar zweifelhaft, dass für die HSH überhaupt ein positiver Kaufpreis erzielbar wäre. Doch beim Aufräumen der Altlasten und dem Aufbau eines gesunden, immobilien- und mittelstandsorientierten Kreditportfolios hat HSH-Chef Stefan Ermisch deutliche Fortschritte erzielt. Zwar wurden die ehrgeizigen Wachstumsziele im Firmenkundengeschäft verpasst, trotzdem wuchs das Neugeschäft gewaltig.

Zuletzt verkündete die Bank im Herbst aktuelle Geschäftszahlen. Damals konnte das Institut für die ersten neun Monate einen Gewinn vor Steuern von 201 Millionen Euro vermelden (Vorjahr 183 Millionen Euro). Auch das Portfolio der notleidenden Kredite in der Abbaubank konnte reduziert werden: Der Umfang sank im Vergleich zum Vorjahr von 13,6 auf 8,2 Milliarden Euro.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de