Medienberichten zufolge hat ING-Chef Hamers Interesse an der Commerzbank. Angeblich bringt er sogar eine Verlegung des Hauptsitzes ins Gespräch.

ING

17.04.19
Banking & Berater

ING-Übernahmegerüchte treiben Commerzbank-Aktie

Vor Kurzem wurde noch der Unicredit ein Interesse an der Commerzbank nachgesagt, jetzt liebäugelt angeblich auch die niederländische ING mit einer Übernahme. Die Commerzbank-Aktionäre freut es.

Ein Medienbericht darüber, dass die niederländische ING Bank nun ebenfalls an der Commerzbank interessiert sei, treibt den Aktienkurs der Commerzbank weiter in die Höhe. Wie das „Manager Magazin“ unter Berufung auf „Beteiligte“ am gestrigen Dienstag Abend berichtete, habe ING-Chef Ralph Hamers bei der Bundesregierung und bei Commerzbank-CEO Martin Zielke „die Aufnahme entsprechender Gespräche“ angefragt. Das Übernahmegerücht platzt mitten in die Verhandlungen zwischen Commerzbank und Deutsche Bank über einen möglichen Zusammenschluss.

Schon gestern legte die Commerzbank-Aktie um 4,5 Prozent kräftig zu und erreichte zeitweise den höchsten Stand seit November. Am heutigen Mittwoch befeuern die Übernahmegerüchte den Kurs weiter, der zeitweise um rund 3 Prozent auf mehr als 8,20 Euro kletterte.

ING-Chef Hamers habe zum einen angeboten, die globale ING-Firmenzentrale von Amsterdam nach Frankfurt zu verlegen, schreibt das Manager Magazin. Zum anderen stelle er in Aussicht, dass der Stellenabbau weniger stark ausfallen würde als bei einem Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank, heißt es weiter. Konkrete Anfragen an den Commerzbank-Vorstand, formelle Übernahmegespräche aufzunehmen, gab es FINANCE-Informationen zufolge bisher aber nicht. Auf FINANCE-Anfrage wollten sich weder Commerzbank noch ING zu dem Pressebericht äußern.

Commerzbank-Aktie legt weiter zu

ING-Commerzbank-Fusion wäre herausfordernd

Bisher ist die ING in Deutschland seit der Übernahme der Direktbank Diba mit keinen größeren Übernahmen in Erscheinung getreten, sondern hat ihre Geschäftstätigkeit sukzessive organisch ausgeweitet. Jefferies-Analyst Maxence Le Gouvello bewertet die Berichte über ein angebliches Commerzbank-Interesse vor diesem Hintergrund als „überraschenden Schritt“.

Einerseits gäbe es Synergien im polnischen und deutschen Geschäft, andererseits aber auch erhebliche Risiken bei der Strukturierung des Deals, der Zusammenlegung der IT und dem Kapitalbedarf, gab der Analyst zu bedenken. Zudem dürfte die Verlegung der ING-Zentrale nach Frankfurt auf viel Kritik im Heimatland der ING stoßen. Die ING hat aktuell einen Börsenwert von rund 47 Milliarden Euro, die Commerzbank von knapp 10 Milliarden Euro.

Auch die Aussagen von ING-CEO Hamers Ende vergangenen Jahres in einem Handelsblatt-Interview deuten darauf hin, dass große Übernahmen aktuell eigentlich nicht ganz oben auf der Agenda der Bank stehen. „Wenn es allerdings auf einem der Märkte, auf dem wir bereits stark vertreten sind, zu Konsolidierung kommt, wird das einen Prozess des Nachdenkens auslösen“, zitierte das Handelsblatt Hamers. „Wir werden uns dann fragen, ob wir dort aus eigener Kraft schnell genug wachsen können.“ Ein lohnendes, wenn auch großes Ziel wäre die Commerzbank vor allem für ihr Mittelstandsgeschäft. Gerade in diesem Segment will die ING in Deutschland weiter wachsen.

Unicredit mischt angeblich auch bei CoBa-Übernahme mit

Die ING ist nicht die erste Auslandsbank, der nachgesagt wird, sich in die Übernahmegespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank einzumischen: Erst Anfang April wurden Gerüchte laut, dass die Mailänder Unicredit angeblich ihren Hut in den Ring wirft. Allerdings sei eine Komplettübernahme der Commerzbank nicht Ziel der Unicredit, sondern lediglich eine Beteiligung, die der Unicredit die Kontrolle über die Commerzbank sichere, hieß es damals.

Dass die Commerzbank in derart vielen Fusionsszenarien als Zielobjekt gehandelt wird, legt nahe, dass die Bank tatsächlich kurz davor steht, ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Commerzbank-Chef Zielke hat die Commerzbank-Belegschaft bereits rhetorisch auf eine Fusion vorbereitet – mit welcher Bank auch immer diese am Ende stattfinden könnte. Spätestens am 26. April soll Klarheit darüber herrschen, ob die Commerzbank und die Deutsche Bank ihre Sondierung in formale Fusionsgespräche überführen werden.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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