Deutsche Bahn

10.11.17
Banking & Berater

Investmentbanker Alexander Doll wird Bahn-Vorstand

Überraschender Wechsel: Barclays-Deutschlandchef Alexander Doll wird neuer Logistikvorstand der Deutschen Bahn. Der Staatskonzern ist für Doll kein Neuland.

Alexander Doll, CEO von Barclays Germany und Head of Banking von Barclays in der DACH-Region, steigt aus dem Banking aus. Der bekannte Investmentbanker übernimmt das neu geschaffene Ressort Güterverkehr und Logistik im Konzernvorstand der Deutschen Bahn. Dies teilte die Bahn vor wenigen Minuten mit. Doll erhält einen Vertrag über drei Jahre. Wann genau er einsteigt, gab die Bahn noch nicht bekannt.

Der 47-jährige Doll ist einer der bekanntesten Investmentbanker Deutschlands und führt Barclays in Deutschland alleine, seitdem der frühere Co-CEO Ralf Herfurth im Sommer 2015 Chairman für die DACH-Region wurde. Doll gilt als Dealmaker, doch seine aktuellen Kernaufgaben bei Barclays sind andere: Er muss Barclays in Zentraleuropa für die vielen neuen regulatorischen Anforderungen fit machen und sich zugleich auch noch stark mit dem Brexit befassen, der das britische Bankhaus besonders trifft.

Auch Barclays wird viele Stellen aus London weg verlagern müssen. Der Standort Frankfurt könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen. Barclays muss die Vakanz an der Deutschlandspitze in dieser wegweisenden Phase nun schnell füllen.

Bevor Alexander Doll 2013 Deutschland-Chef bei Barclays wurde, war er Managing Director und Co-Head des Investmentbankings von Lazard und bis 2009 acht Jahre lang bei der Schweizer UBS. Doll hat einen ungewöhnlichen Hintergrund für einen Investmentbanker: Er begann zunächst ein Philosophiestudium, das er aber nicht abschloss, und arbeitete zwischenzeitlich als Komparse an der Oper. Später studierte er nochmals an der Frankfurt School of Finance & Management.

Alexander Doll ist einer der engsten Berater der Bahn

Das Transport- und Logistikgeschäft gehört seit 15 Jahren zu den Schwerpunktbranchen von Doll. Auch die Deutsche Bahn hat er bei fast allen wichtigen M&A-Deals der vergangenen Jahre beraten. Genau dies dürfte ihn ins Blickfeld der Bahn-Aufseher gerückt haben. 

So arrangierte Doll unter anderem vor acht Jahren die milliardenschwere Akquisition der britischen Verkehrsgesellschaft Arriva. Außerdem beriet er die Bahn bei der Übernahme der britischen Güterbahn EWS und des US-amerikanischen Logistikdienstleisters Bax Global. Auch beim Verkauf der Deutschen Eisenbahn-Reklame an die Ströer AG im Jahr 2005 mischte er schon mit. Seine Geschäftsbeziehungen zur Bahn reichen also lange zurück.

Bahn hat einige Vorstandskandidaten schon „verbrannt“

Der Auftrag für den neuen Chef des gerade erst geschaffenen Ressorts Güterverkehr und Logistik bei der Bahn lautet, die Probleme der seit Jahren in den roten Zahlen steckenden Güterbahn DB Cargo in den Griff zu bekommen sowie die Integration von DB Cargo in das internationale Logistikgeschäft von DB Schenker voranzubringen. Außerdem ist auch der Chefposten von DB Cargo vakant und muss neu besetzt werden.

Für die Deutsche Bahn ist es bereits der dritte Anlauf für die Bestellung von drei neuen Vorständen. Die Sitzungen zur Berufung der Vorstände wurden schon zweimal kurzfristig abgesagt, weil sich die Vertreter von Arbeitnehmern und Politik im  Aufsichtsrat uneinig sind. So konnte keiner der bisherigen Kandidaten für das Ressort Güterverkehr und Logistik die nötige Zweidrittelmehrheit auf sich vereinigen. Sowohl Ex DB-Cargo-Chef Jürgen Wilder als auch die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe Sigrid Nikutta wurden im aktuellen Suchprozess schon „verbrannt“.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de