Bedrückende Enge im deutschen Firmenkundengeschäft: Jeder dritte Banker hat davon genug.

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20.11.18
Banking & Berater

Jeder dritte Firmenkundenbanker will wechseln

Bei vielen Firmenkundenbetreuern wächst der Wunsch nach einem Jobwechsel. Die Ursache dafür ist bei fast allen Unzufriedenen die gleiche.

Der enorme Leistungsdruck im von Verdrängung geprägten deutschen Firmenkundengeschäft hinterlässt bei den Firmenkundenbankern deutliche Spuren. Dies zeigt das neu aufgelegte „Panel Firmenkundenbetreuer“ des FINANCE Think Tanks, einem gemeinsamen Projekt von FINANCE und des Beratungshauses Targecy, für das über hundert Firmenkundenbetreuer verschiedenster Banken anonym befragt wurden.

Jeder Dritte von ihnen zeigt sich in höchstem Maße offen dafür, bei einem attraktiven Angebot die Bank zu wechseln. Diese hohe Zahl ist auch deshalb erstaunlich, weil nur 18 Prozent der Befragten sich mit ihrer aktuellen Arbeit unzufrieden zeigen.

Mit Abstand am stärksten ausgeprägt ist die Wechselneigung bei den Firmenkundenbetreuern aus den großen deutschen Geschäftsbanken, wo sogar eine Mehrheit einen akuten Wechselwunsch zu Protokoll gibt. Auf einer Skala von 1 bis 10 erreicht der Wunsch für einen Wechsel einen Wert von 7,0. Am zweithöchsten ist die Wechselneigung bei den Sparkassen-Bankern (5,4). Mitarbeiter von Auslands-, Genossenschafts- und Landesbanken positionieren sich mit Werten zwischen 4,0 und 4,5 dahinter. 

Firmenkundenbanker bei Landesbanken am loyalsten

Als größter Auslöser von Unzufriedenheit kristallisiert sich ein Aspekt deutlich heraus: die Wettbewerbsposition der eigenen Bank. Die Unzufriedenen stufen den Grad der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Arbeitgeber massiv schlechter ein als die Zufriedenen.

Einzige Ausnahme sind die Landesbanker: Diese halten ihre jeweiligen Arbeitgeber zwar im Schnitt für schlecht positioniert, präsentieren sich aber trotzdem zufrieden und wenig wechselwillig. Der Grund dürfte sein, dass sie ihre persönlichen Zielvorgaben als realistisch einstufen – etwas, das ihre Kollegen in vielen anderen Bankengruppen anders erleben.    

Preiskampf um Wettbewerb wird noch härter

Dass der enorm hohe Druck auf die Vertriebsleistung der Firmenkundenbetreuer in absehbarer Zeit zurückgehen wird, ist unwahrscheinlich – im Gegenteil: Obwohl die Risikoaufschläge am Bondmarkt im bisherigen Jahresverlauf deutlich angezogen haben – bestes aktuelles Beispiel ist das Pricing der neuen Anleihen von VW –, berichten zwei Drittel der befragten Banker von einem weiteren Rückgang der Risikomargen im Kreditgeschäft. Weiter gelockerte Konditionen beobachtet mehr als jeder Zweite, eine Verschärfung so gut wie niemand.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Die ausführliche Ergebnisübersicht des ersten Firmenkundenbetreuer-Panels des FINANCE Think Tanks können Sie hier herunterladen.