JP Morgan verstärkt seine Aktivitäten in Europa: Mit Bernhard Brinker kommt der ehemalige Bereichsvorstand der HVB für Private Banking & Wealth Management.

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04.03.19
Banking & Berater

JP Morgan holt Bernhard Brinker für Firmenkundenoffensive

JP Morgan greift im deutschen Firmenkundengeschäft an. Die Amerikaner haben es besonders auf den Mittelstand abgesehen. An Land ziehen soll die Kunden ein früherer Bereichsvorstand der Hypovereinsbank.

Die nächste Auslandsbank ruft eine Offensive im deutschen Firmenkundengeschäft aus: Die amerikanische Großbank JP Morgan will ihr Business mit hiesigen Unternehmen ausbauen und hat dafür Bernhard Brinker an Bord geholt. Der Banker war zuletzt knapp vier Jahre als Bereichsvorstand für das Private Banking und Wealth Management bei der Hypovereinsbank (HVB) zuständig, hatte die Unicredit-Tochter allerdings im vergangenen Frühjahr verlassen. Bei JP Morgan übernimmt Brinker die Leitung des Bereichs Corporate Client Banking & Specialized Industries (CCBSI) mit Sitz in Frankfurt, wie die Bank mitteilte.

JP Morgan setzt auf Brinkers Kontakte in den Mittelstand

Dass sich JP Morgan mit Brinker einen ehemaligen Private-Banking-Mann für das Firmenkundengeschäft ins Haus holt, verwundert zunächst. Allerdings hat der promovierte Betriebswirt auch Erfahrungen im Unternehmenskundengeschäft: Brinker, der seine Karriere 1994 bei dem Beratungsunternehmen McKinsey begann, war von 2007 bis 2014 im Corporate- und Investmentbanking der Unicredit-Gruppe tätig. Zuletzt war er Chef der „Financial Institutions Group“, bevor er zum Private-Banking-Bereichsvorstand befördert wurde.

In dieser Rolle sollte er zudem das Beratungsangebot für vermögende Privatkunden und für Unternehmer stärker vernetzen. JP Morgan setzt dem Vernehmen nach vor allem auf seine in diesem Zuge erworbenen Kontakte zu deutschen Family Offices.

JP Morgan baut Firmenkundengeschäft in Europa aus

Brinker wird an Bertrand Cousin, Chef der europäischen „Corporate Client Banking & Specialized Industries“-Gruppe mit Sitz in Paris, berichten. Sein Wechsel ist Teil eines umfassenden Wachstumsplans von JP Morgan im Firmenkundengeschäft in Europa und in der Region Asien-Pazifk.

Im Zuge dieses Ausbaus sind auch noch mehr Banker zu JP Morgan gewechselt. Dazu zählen auch der in Mailand sitzende Marco Mariano, ehemals Firmenkundenchef der HSBC für Italien, sowie Hein Broerse, der zuvor für die Citi in Thailand tätig war und jetzt für JP Morgan von Amsterdam aus das niederländische Firmenkundengeschäft ausbauen soll. In Frankreich hat JP Morgan Claude Craciun von der Sociéte Générale geholt.

Die Amerikaner planen für die Zukunft, ihr CCBSI-Team weiter zu verstärken und noch mehr Märkte in Europa und dem Pazifikraum zu erobern. Ziel sei es, auch Unternehmenskunden außerhalb der USA mit Kredit-, Hedging-, Investmentbanking-, Handels- und Treasury-Services zu unterstützen, erklärte JP Morgan.

Auch andere US-Banken schauen auf Deutschland

Doch nicht nur JP Morgan drängt aggressiv auf den deutschen Markt. Wie FINANCE vor kurzem berichtete, droht den europäischen Großbanken – nicht zuletzt den kriselnden deutschen Instituten – Ungemach im Firmenkundengeschäft. Die großen und vor allem profitableren Konkurrenten aus den USA öffnen immer stärker ihre Kreditbücher für deutsche Firmen – und werden von CFOs und Treasureren häufiger als Berater bei strategischen Entscheidungen hinzugezogen. Mehr zum Vorpreschen der US-Banken erfahren sie in der nächsten Ausgabe von FINANCE, die am Freitag erscheint.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Wie die anderen Banken im Corporate & Investmentbanking abschneiden, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft.