Gelingt der Befreiungsschlag? Die Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank wollen mit der Kapitalerhöhung einen Puffer für die Bankenregulierung schaffen.

Deutsche Bank

19.05.14
Banking & Berater

Kapitalerhöhung: Deutsche Bank wappnet sich für EZB-Stresstest

Die Deutsche Bank will mit der zweitgrößten Kapitalerhöhung in ihrer Geschichte das Eigenkapital um 8 Milliarden Euro erhöhen. Neuer Ankeraktionär wird die Herrscherfamilie Katars. Mit dem frischen Geld will sich die Deutsche Bank auf die strengere Bankenregulierung vorbereiten – und neue Wachstumsziele erreichen.

Die Deutsche Bank setzt zum Befreiungsschlag an: Kurz vor der Hauptversammlung an diesem Donnerstag (22. Mai) kündigt sie eine Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro an, um ihre Bilanz zu stärken. Knapp ein Viertel des frischen Eigenkapitals hat das Frankfurter Geldhaus bereits eingesammelt: Die von der Königlichen Familie Katars kontrollierte Investmentgesellschaft Paramount Services Holdings Ltd. investierte 1,75 Milliarden Euro. Gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung der Deutschen Bank von 31,33 Milliarden Euro beliefe sich der Anteil von Paramount damit auf 5,6 Prozent. Die Kapitalerhöhung ist dabei aber noch nicht berücksichtigt.

Der größte Teil der Kapitalerhöhung erfolgt durch die Ausgabe neuer Aktien, bei der die Altaktionäre Bezugsrechte erhalten. Sie werden voraussichtlich vom 6. bis zum 24. Juni die Möglichkeit erhalten, die neuen Aktien zu zeichnen. Der Ausgabepreis für die bis zu 300 Millionen neuen Aktien steht noch nicht fest. Der Preis muss rechnerisch allerdings bei mindestens 21 Euro liegen, um die angestrebten 6,3 Milliarden Euro einsammeln zu können.Heute Morgen liegt die Aktie der Deutschen Bank bei 30,40 Euro, die katarische Herrscherfamilie zahlt für ihre rund 60 Millionen Aktien einen Preis von 29,20 Euro je Aktie.

Deutsche Bank stärkt Kernkapital und Leverage Ratio

Mit der zweitgrößten Kapitalerhöhung in ihrer Geschichte bereitet sich die Deutsche Bank auf die strengere Bankenregulierung vor. Die Bank hatte bereits bei der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse Ende April angekündigt, eine Kapitalerhöhung in Erwägung zu ziehen, sollten die einbehaltenen Gewinne nicht ausreichen, um die Eigenkapitalquote auf das angestrebte Niveau zu heben. Die Kapitalerhöhung kommt nun aber schneller als erwartet. Die harte Kernkapitalquote (Tier1) lag im ersten Quartal 2014 bei 9,5 Prozent, die Deutsche Bank hat sich allerdings 10 Prozent zum Ziel gesetzt.

Durch die Kapitalerhöhung wird diese Quote nun auf 11,8 Prozent erhöht, wie die Bank mitteilte. Damit hat sich das größte deutsche Geldhaus einen guten Puffer für den anstehenden Stresstest der EZB verschafft: Dieser verlangt mindestens 8 Prozent Kernkapital – allerdings gelten bei der Berechnung noch weichere Übergangsregeln. Danach verfügt die Deutsche Bank aktuell sogar über 15,3 Prozent Kernkapital. Nach Simulation einer harten Wirtschaftskrise müssen noch 5,5 Prozent Kernkapital übrig sein.

Auch bei einer anderen Regulierungskennzahl verschafft sich die Deutsche Bank Luft: Sie kündigte an, dass der Leverage Ratio – er gibt das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme an und soll eine zu hohe Verschuldung verhindern – auf 3,1 Prozent steigen werde. Aktuell liegt der Wert noch bei 2,5 Prozent, womit die Deutsche Bank die Basel-III-Vorgabe von 3 Prozent verfehlt. Langfristig soll der Leverage Ratio auf 3,5 Prozent steigen.

Neue Wachstumsbereiche identifiziert

Mit der gestärkten Bilanz sieht sich die Deutsche Bank nun in der Lage, ihre Wachstumsmöglichkeiten besser auszuschöpfen. Das Institut will vor allem am US-Markt weiter wachsen, auch im Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Unternehmen sind weitere Investitionen geplant. In der Vermögensverwaltung will die Deutsche Bank ihr Personal um bis zu 15 Prozent aufstocken, außerdem sollen hochrangige Banker angeheuert werden, die sich auf die Betreuung multinationaler Konzerne konzentrieren.

Die Bank muss ihre Ziele für 2015 allerdings nach unten korrigieren – insbesondere im so wichtigen Investmentbanking (Corporate Banking & Securities): Die Rendite wird demnach bei 13 bis 15 Prozent statt wie bisher erwartet bei 15 Prozent liegen. Andere Banken wie Barclays und die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse hatten ihr Investmentbanking zum Teil dramatisch verkleinert – die Deutsche Bank geht dagegen moderat vor, hatte Ende 2013 aber ebenfalls angekündigt, ihr Rohstoffgeschäft deutlich zu reduzieren. Im Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Unternehmen und im Global Transaction Banking (GTB) reduzierte die Bank ihre Ziele für das Vorsteuerergebnis im Jahr 2015 um rund 1 Milliarde Euro auf jetzt 2,5 bis 3 Milliarden Euro im Privatkundengeschäft und 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro im GTB-Bereich.


Eine gelungene Kapitalerhöhung wäre für die Deutsche Bank ein wichtiger Befreiungsschlag, denn der regulatorische Gegenwind war in den vergangenen Wochen und Monaten immer stärker geworden: Anfang Mai hatte die Ratingagentur S&P den Ausblick der Bank auf negativ gesetzt, das Rating steht wegen der neuen Bail-in-Regeln auf dem Prüfstand. Auch die im Februar verabschiedeten Kapitalvorschriften für in den USA tätige Auslandsbanken trifft das Institut hart: Der Eigenkapitalbedarf ist dadurch ebenfalls gestiegen.

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