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15.06.18
Banking & Berater

Rettet Swift das KYC-Projekt deutscher Banken?

In Deutschland wird es so schnell keine bankübergreifende Plattform für sensible Firmenkundendaten geben. Das ist eine schlechte Nachricht für CFOs und Treasurer, die mit Know-Your-Customer-Prüfungen zu kämpfen haben – zumal es anders geht, wie Skandinavien zeigt.

Fünf skandinavischen Großbanken wollen schaffen, woran vier deutsche Häuser gerade vorläufig gescheitert sind: eine gemeinsame Plattform zur Speicherung sensibler Firmenkundendaten aufbauen. SEB, Nordea, Danske Bank, DNB und Svenska Handelsbanken gaben vor kurzem bekannt, eine entsprechende Infrastruktur zu entwickeln. Das Joint Venture soll bereits in der zweiten Jahreshälfte an den Start gehen.

Die Vorteile für Unternehmen, die mit mehreren dieser Banken zusammen arbeiten, wären enorm: Sie müssten die für den Prüfprozess („Know-Your-Customer“) notwendigen Dokumente dann nur noch einmal hochladen und für alle Banken freigeben. Die langwierigen und oft chaotischen Prüfprozesse könnten dadurch zumindest etwas entschärft werden, so die Hoffnung. Finanzverantwortlichen stößt vor allem die mangelnden Standardisierung der KYC-Abfragen ihrer Banken auf, wie jüngst eine FINANCE-Umfrage zeigte

Thomson Reuters sucht Gespräche mit deutschen Banken

Da verwundert es nicht, dass Kooperationen zwischen Banken gerade en vogue sind: Dem Datenanbieter Thomson Reuters zufolge überlegen auch Länder wie Singapur und Hongkong gemeinsame Datenbanken für KYC-relevante Dokumente aufzubauen. „Die Idee sich durch laschere oder schnellere KYC-Checks einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Banken zu verschaffen ist passé“, meint Phil Cotter, Managing Director Risk bei Thomson Reuters.

Der Datenanbieter hat etwa für südafrikanische Banken eine KYC-Datenbank entwickelt. Auch hierzulande würde die Financial-Risk-Sparte von Thomson Reuters, die bald mehrheitlich dem Finanzinvestor Blackstone gehören wird, gerne als Teil der Lösung für eine deutsche KYC-Utility zum Zug kommen, verrät Cotter: „Wir hoffen darauf, in die Pläne eingebunden zu werden.“

Macht Swift bei KYC-Plattform mit?

Allerdings sind entsprechende Pläne von LBBW, Helaba, Deutscher Bank und Commerzbank ins Stocken geraten. Die Information der Süddeutschen Zeitung, wonach die Banken das Projekt nun mithilfe der Bankgenossenschaft Swift retten wollen, wurde der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer aus Bankkreisen bestätigt. Schließlich habe man über den Finanznachrichtendienstleister bereits eine gemeinsame Infrastruktur, lautet das Argument. Warum also eine weitere Plattform bauen?

Bei Swift scheint man dem Thema gegenüber zwar grundsätzlich aufgeschlossen zu sein. Bereits seit 2015 betreibt die Genossenschaft ein KYC-Register mit Bankdaten, das entsprechende Checks im Korrespondenzbankgeschäft erleichtern soll. Vor anderthalb Jahren hatte die Swift gegenüber DerTreasurer erklärt, die Einrichtung eines solchen Ansatzes für Firmenkundendaten könne ein „nächster logischer Schritt sein“. Man wolle hierzu in den kommenden Monaten mit Banken und Firmenkunden Untersuchungen durchführen, hieß es damals. Eine Anfrage, was aus diesen Plänen geworden ist, ließ Swift bis dato unbeantwortet.

Klar ist aber auch: Falls sich das globale Bankennetzwerk Swift an dem Projekt beteiligen würde, könnte es keine rein nationale Lösung für deutsche Banken sein. Es wäre ein internationales Projekt. Allerdings ist es auf absehbare Zeit nicht realistisch, dass Banken weltweit ihre KYC-Anforderungen angleichen und Firmenkunden für den Prüfprozess notwendige Dokumente nur einmal einreichen müssen. Hinzu kommen Datenschutzvorgaben, die den Austausch der Dokumente über Landesgrenzen hinweg einschränken. Wenn Deutschlands Banken also alles auf die Swift-Karte setzen, dürften hiesige Firmenkunden noch viel Geduld brauchen.

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