Die HSBC setzt den Rotstift an und plant, bis zu 25.000 Stellen zu streichen. Doch der deutsche Arm ist gut positioniert.

HSBC

10.06.15
Banking & Berater

Stellenabbau: HSBC bleibt in Deutschland wohl verschont

Die HSBC möchte drastisch Kosten einsparen und bis zu 25.000 Stellen streichen. Deutschland könnte dabei weitgehend außen vor bleiben. Denn hierzulande gerät die Offensive der HSBC im Mittelstand gerade erst ins Rollen.

Nachdem Anfang März mit der Royal Bank of Scotland bereits eine britische Großbank einen massiven Stellenabbau – auch in Deutschland – angekündigt hat, setzt mit dem internationalen Geldhaus HSBC die nächste Bank von der Insel den Rotstift an. Wie eine Unternehmenssprecherin gegenüber FINANCE bestätigte, sieht die neue Geschäftsstrategie vor, global zwischen 22.000 und 25.000 Stellen zu streichen.

Ob und in welcher Höhe der deutsche Arm HSBC Trinkaus & Burkhardt betroffen ist, wollte die Londoner Niederlassung nicht kommentieren. In einer Pressemeldung der HSBC-Holding heißt es lediglich, dass CEO Stuart Gulliver dem Geldhaus ein Kostensparprogramm in Höhe von 4,5 bis 5 Milliarden USD-Dollar auferlegt hat. 

HSBC: „Mittelstandsoffensive läuft wie geplant weiter“

Allerdings käme es sehr unerwartet, wenn die Holding in London das lukrative Deutschlandgeschäft spürbar einschränken würde. Immerhin hat gerade der neueste Finanzbericht von HSBC Trinkaus & Burkhardt zum 31.März dieses Jahres wieder gezeigt, wohin sich die Bank in Deutschland gerade bewegt. Dort nämlich weist die Bank gegenüber dem Vorjahreswert zusätzliche Personalaufwendungen in Höhe von 9,2 Millionen Euro aus, die hauptsächlich im Rahmen der Mitte 2013 beschlossenen Mittelstandsoffensive investiert wurden. Und diese werde laut eines Sprechers von HSBC Trinkaus & Burkhardt definitiv auch „wie geplant weiterlaufen“.

Hinzu kommt, dass die HSBC in Deutschland sehr profitabel wirtschaftet: Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity: RoE) vor Steuern lag Ende März bei 13,1 Prozent. Und das Firmenkundengeschäft ist ein zentraler Ertragsbringer der Düsseldorfer. Ob der vielleicht größte internationale Konkurrent der Deutschen Bank und der Commerzbank auf dem deutschen Firmenkundenmarkt seine Kostenbasis hierzulande in den nächsten Jahren aber noch weiter ausweiten darf, bleibt abzuwarten.

Investitionen in Firmenkundengeschäft beginnen, Wirkung zu zeigen

Zudem sprechen zwei weitere Punkte dafür, dass das Firmenkundengeschäft der HSBC in Deutschland von den umfangreichen Stellenstreichungen im Gesamtkonzern weitgehend verschont bleiben könnte: Zum einen wird dem deutschen HSBC-Arm ein gewisses Maß an Autonomie nachgesagt, auch wegen der langen Tradition des Bankhauses Trinkaus & Burkhardt. Dies unterscheidet die deutsche Niederlassung von zahlreichen „normalen“ Zweigestellen der HSBC in anderen Ländern.

Zum anderen beginnen die Investitionen der Vorjahre in das deutsche Firmenkundengeschäft gerade erst, sich in wachsenden Marktanteilen niederzuschlagen – und in anziehenden Provisionsüberschüssen, die im ersten Quartal um weit mehr als 10 Prozent 105,1 Millionen Euro zulegten. In Zeiten rückläufiger Zinsüberschüsse ist das ein wichtiger Trumpf.

So erwartet HSBC Trinkaus & Burkhardt für das Geschäft mit den Mittelständlern 2015 einen Erlösanstieg im einstelligen Prozentbereich. Der Jahresüberschuss konnte zudem im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreswert von 38,3 auf 41,6 Millionen Euro gesteigert werden. Auch der Zinsüberschuss kletterte um 1,7 Millionen Euro auf 43,6 Millionen Euro, was angesichts des aktuellen Preiskampfes der Banken um die Firmenkunden nicht selbstverständlich ist.

Back to the roots: Verlegt HSBC den Firmensitz nach Asien?

Einschnitte im Kreditbuch scheinen jedoch im Bereich des Möglichen zu liegen, da die globale HSBC-Strategie laut eigenen Angaben einen generellen Abbau der risikogewichteten Aktiva in Höhe von rund 290 Milliarden US-Dollar bis 2017 vorsieht. Dort scheint  Asien ein Stück weit außen vor zu sein, da die HSBC plant, wieder vermehrt Investments im Asienraum in den Fokus zu rücken. In Asien sieht CEO Stuart Gulliver nach wie vor hohes Wachstumspotential und das künftige globale Handelszentrum des nächsten Jahrzehnts. Dies kann als Hinweis gewertet werden, dass vor allem europäische und amerikanische Aktiva abgebaut werden dürften.

Wie die Börsenzeitung berichtet, soll die HSBC sogar mit dem Gedanken spielen, ihre Firmenzentrale wieder nach Asien zu verlegen – auch aus Gründen der scharfen Bankenregulierung in Großbritannien und als Vorsorge für einen möglichen Austritt des Königreichs aus der EU. HSBC selbst sagt dazu lediglich, dass der Standort der Firmenzentrale bis Ende 2015 überprüft werden soll.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de