Einer der wichtigsten Emissionsbegleiter zieht sich aus dem Markt für Mittelstandsanleihen zurück: Die Frankfurter Steubing AG hat am Dienstag angekündigt, sich auf ihr Kerngeschäft Aktienhandel zu konzentrieren.
„In Zeiten zunehmender Regulierung ist es wichtig, sich auf seine Stärken zu fokussieren“, begründet Vorstandssprecher Alexander Caspary den Schritt. Das Marktumfeld für Unternehmensanleihen würde einen immer höheren Aufwand erfordern – darum habe sich die 65 Mitarbeiter starke Handelsbank entschieden, nur noch in wenigen Einzelfällen in dem Segment aktiv sein zu wollen.
Steubing hatte sich zuletzt als einer der Vorreiter der Qualitätsoffensive am Mini-Bond-Markt positioniert. Damit einher ging auch ein Ausbau des Teams, vor allem in den Themengebieten Risiko- und Unternehmensanalyse. Die Anzahl der Emissionen, die Steubing begleitete, wuchs jedoch offenbar nicht in dem gleichen Maße mit wie die Kosten für notwendig gewordenen internen Strukturen.
Der Markt für Mittelstandsanleihen ist im Abwärtsstrudel
Der Rückzug dieses wichtigen Marktteilnehmers ist ein weiterer Schlag für das Mini-Bond-Segment. In den letzten Monaten konnte eine Reihe von Unternehmen die eigenen Mittelstandsanleihen nicht bedienen. Zuletzt ist MBB Clean Energy unter mysteriösen Umständen in die Pleite gerutscht. Die Gläubiger von Ekotechnika mussten einen Schuldenschnitt akzeptieren. Auch bei den Modekonzernen René Lezard und More & More ist unklar, wie die Schulden beglichen werden sollen.
Die Folge: Anleger trauen sich nicht mehr in die Anlageklasse, und Unternehmen mit guter Bonität finden andere Wege, um sich zu finanzieren. Um das Segment aus diesem Abwärtsstrudel zu retten, hat die Deutsche Börse angekündigt, ab 2016 die Berichtspflichten für Emittenten zu verschärfen. Das könnte den Mini-Bond-Emittenten langfristig helfen. Kurzfristig macht es die Begabe von Anleihen aber teurer und schwieriger.
Rückzug von Steubing womöglich auch Folge des Chefwechsels
Der Rückzug aus dem Mini-Bond-Geschäft fällt zeitlich eng zusammen mit einem Wechsel an der Spitze der Bank. Bei Steubing ist Ende Januar der zuständige Vorstand Kai Jordan ausgeschieden. Jordan stand für das Vorhaben der Bank, sich im Markt für Mittelstandsanleihen zu etablieren und dort ein neues großes Geschäftsfeld für die Bank zu erschließen, das neben dem Emissionsgeschäft auch die Auflage eines Investmentfonds für Mittelstandsanleihen beinhaltete.
Der Steubing-Vorstandsvorsitzende Alexander Caspary ist ein langjähriger Wertpapierhändler und seit 1987 bei der Bank. Denkbar ist, dass Caspary es sich zur Aufgabe gemacht hat, das wohl nur mäßig profitable Geschäft mit den Mittelstandsanleihen zurückzufahren und die Bank wieder auf ihr traditionelles Kerngeschäft, den Wertpapierhandel, zu konzentrieren.
Die bisherigen Kunden von Steubing im Mittelstandsanleihen-Geschäft sollen zur Berliner Privatbank Quirin wechseln. Dorthin gehen auch die beiden Banker, die bei Steubing das Geschäft mit der Emission von Mittelstandsanleihen geleitet haben, Thomas Kaufmann und Raimar Bock, mitsamit ihrer Teams. Die beiden Anleihespezialisten waren erst im März 2013 von dem Emissionshaus Close Brothers Seydler zu Steubing gewechselt. Das Investmentbanking und Corporate-Finance-Geschäft von Quirin wird von Clemens Hinz geleitet. Thomas Kaufmann wird sein Stellvertreter, Raimar Bock übernimmt die Leitung des Bereichs Institutional Sales.
Info
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