Bei den wichtigsten deutschen Banken im Firmenkundengeschäft – Deutsche Bank und Commerzbank – fällt der Anteil von Frauen im Vorstand und im Aufsichtsrat ganz verschieden aus. Das zeigen die jüngsten Zahlen aus dem „Gender Balance Index 2025“ (GBI) des „Official Monetary and Financial Institutions Forum“ (OMFIF) aus London. Es griff auf öffentlich zugängliche Informationen zur Zusammensetzung von Vorständen und Aufsichtsräten bei 335 Finanzinstitutionen weltweit, darunter 50 Geschäftsbanken, zurück und bewertete diese unter anderem nach Seniorität; Stichtag war der 31. Januar 2025.
Demnach trägt die Deutsche Bank die rote Laterne. Sie kommt lediglich auf einen Punktwert von 20 und liegt damit weit abgeschlagen hinter der US-Großbank Citi. Damit haben sich die Blauen sogar leicht verschlechtert zum Vorjahr.
Die Commerzbank rückt mit ihrer CEO im Ranking vor
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Während die Deutsche Bank am Ende des Rankings rangiert, steht die Commerzbank als zweite deutsche Großbank an der Spitze: Sie kommt auf 77 Punkte und liegt damit knapp vor JP Morgan mit 76 Punkten. Dieser gute Wert geht unter anderem darauf zurück, dass im Vorstand Frauen die Hälfte der Posten besetzen und die ehemalige CFO Bettina Orlopp seit Herbst 2024 auch Chief Executive Officer (CEO) des Instituts ist. Die Bank verbesserte sich gegenüber 2024 deutlich um 29 Punkte. Im weltweiten GBI-Ranking für 50 Geschäftsbanken liegt nur die Banco do Brasil mit 84 Punkten vor der Commerzbank.
Von den 15 bedeutenden Geldinstituten für Unternehmen im FINANCE Banken-Survey 2024 sind sechs nicht im GBI vertreten: die Landesbanken BayernLB, Helaba, LBBW und NordLB, die IKB und die DZ Bank. Der GBI erlaubt deshalb vor allem einen Vergleich mit den großen Auslandsbanken im Firmenkundengeschäft und den 20 europäischen Geldhäusern auf der Liste.
Deutsche Bank bleibt weit hinter dem Durchschnitt in Europa zurück
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Der GBI-Durchschnitt aller europäischen Banken beträgt 46. Deutlich darüber liegen außer Commerzbank und JP Morgan auch BNP Paribas und Unicredit. Die italienische Großbank und potentielle Interessentin für eine Übernahme der Commerzbank ist die einzige unter den wichtigen Firmenkundenadressen, bei der im Vorstand und im Aufsichtsrat hälftig Frauen und Männer sitzen. Nicht weit zurück liegt die Commerzbank, die zumindest im sechsköpfigen Vorstand drei Frauen hat – neben CEO Orlopp noch Sabine Mlnarsky für Personal und Christiane Vorspel als COO.
Unicredit erreicht Geschlechterparität
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Die Deutsche Bank hat gemäß der nach Funktion gewichteten GBI-Zahlen nur einen Frauenanteil von 11 Prozent im Vorstand, namentlich Rebecca Short, COO, und Laura Padovani, Chief Compliance and Anti-Financial Crime Officer. Im Aufsichtsrat liegt bei ihr der Anteil bei 35 Prozent. Insgesamt liegt sie so 26 Punkte unter dem Durchschnitt aller 20 europäischen Geschäftsbanken.
Chefinnen bei für deutsche Firmenkunden wichtigen Banken
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Nur drei der neun untersuchten Banken haben derzeit Frauen als Chefinnen: Santander, Citi und Commerzbank. Die erfahrenste ist Ana Botín, die seit 2014 an der Spitze der spanischen Großbank steht. Weder Santander noch Citi kommen beim GBI allerdings dem europäischen Durchschnitt von 46 Punkten nahe.

Die DZ Bank taucht zwar nicht in der GBI-Liste auf, doch der zugehörige Bericht enthält ein längeres Interview mit deren Vorstandsmitglied Souâd Benkredda. Sie ist unter anderem für das Kapitalmarkt- und Auslandsgeschäft der DZ Bank zuständig und weist auf handfeste, wirtschaftliche Gründe hin, warum Banken auf Diversität setzen sollten: „Wenn es Vorurteile gibt, schadet dies letzten Endes dem Unternehmen“, sagt sie: „Denn Diversität bedeutet für mich Vielfalt der Gedanken. Perspektiven auszuschließen, wirkt sich negativ auf Ergebnisse, Leistung und Kundenerfahrung aus.“
Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
