Die Commerzbank stemmt sich unverdrossen gegen den Übernahmeversuch durch die italienische Großbank Unicredit. Nach mehreren „Interaktionen“ mit der Bieterin in den vergangenen Wochen gab die Frankfurter Bank bekannt, die von Unicredit „skizzierten Eckpfeiler einer Transaktion hätten bisher kein ausreichendes Wertschöpfungspotenzial aufgezeigt“. Vielmehr hält die Commerzbank an ihrer aktuellen Strategie fest, als Einzelinstitut zu bestehen, und sieht darin die beste Option für ihre Aktionäre.
Bei der Bekanntgabe ihrer Zahlen für das 1. Quartal am 8. Mai plant die Commerzbank außerdem, ihre Finanzziele anzuheben und weitere Details zu ihrer Strategie zu nennen. Bereits im Februar hatte sie in Aussicht gestellt, ihre selbst gesteckten Ziele zu übertreffen.
Hinzu kommt aus Sicht der Commerzbank-Spitze, dass die italienische Großbank ihre bisherigen „Schritte und Veröffentlichungen wiederholt ohne vorherige Abstimmung mit der Commerzbank” unternommen habe: „Das ist ein Vorgehen, das den Aufbau des für eine erfolgreiche Transaktion erforderlichen gegenseitigen Vertrauens nachhaltig erschwert”, heißt es dazu von den Frankfurtern.
Unicredit bereitet mit Kapitalerhöhung den Boden
Kurz vor Ostern hatte Unicredit den Termin für die außerordentliche Hauptversammlung festgelegt, die über eine Kapitalerhöhung entscheiden und damit den Boden für ein tragfähiges Finanzierungskonzept bereiten soll. Das Aktionärstreffen steht am 4. Mai an. Kurz danach plant Unicredit, das freiwillige Übernahmeangebot zu unterbreiten und so den M&A-Prozess zu starten.
Wie fest die Bundesregierung mit ihrem rund 12-prozentigen Anteil weiter hinter der Commerzbank und ihrer Eigenständigkeit steht, ist nicht ganz klar. In der Woche vor Ostern gab Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu bedenken, der deutsche Bankensektor habe Zusammenschlüsse nicht rechtzeitig angestrebt. Bei einer Veranstaltung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte er unter anderem, diese Übernahme sei möglich, weil „wir vor 20 Jahren in Deutschland nicht bereit waren, die übergreifenden Fusionen im Bankensektor stattfinden zu lassen“. Anders in Italien: „Die Unicredit ist entstanden aus der Fusion von großen Sparkassen“, so Merz weiter: „Jetzt gucken wir hinterher und andere machen den Deal.“
Zukunft des Bundes-Anteils bleibt unklar
Bislang hatten sich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) klar für eine eigenständige Commerzbank ausgesprochen. Sollte die Unicredit im Mai ihr Übernahmeangebot vorlegen, stellt sich für die Bundesregierung auch neu die Frage, wie sie mit ihrem Aktienpaket umgeht – ein Überbleibsel der Commerzbank-Rettung in der Finanzkrise 2008/2009.
Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
