Nun also doch der Paukenschlag: Unicredit hat ein freiwilliges Angebot für die Commerzbank angekündigt. Bezahlen will die italienische Großbank den Erwerb mit eigenen Aktien, wie das Institut am heutigen Montagmorgen mitteilte. Demnach sollen die Aktionäre pro Wertpapier 0,485 neue Unicredit-Aktien im Tausch erhalten – umgerechnet also etwa 30,80 Euro pro Commerzbank-Aktie. Dies entspricht einem Aufschlag von 4 Prozent zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag.
Mit dem Schritt setzt Unicredit-Chef Andrea Orcell seinen seit Herbst 2024 verfolgten Kurs fort, die deutsche Bank unter seine Kontrolle zu bringen. Aktuell halten die Mailänder eine Beteiligung von knapp 30 Prozent an der Commerzbank – rund 26 Prozent davon direkt sowie knapp 3,5 Prozent in Finanzinstrumente – und sind damit größter Investor.
Unicredit will bei Commerzbank über 30 Prozent kommen
Mit dem Angebot will Unicredit die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Schwelle überwinden. Damit würde die Bank ihre bisherige Situation beenden, ihre Beteiligung aufgrund des laufenden Aktienrückkaufprogramms der Commerzbank fortlaufend anpassen zu müssen, um unter der Schwelle zu bleiben. Das Erreichen einer Kontrollmehrheit strebe die Bank jedoch weder an noch erwarte man dieses, heißt es in der Mitteilung weiter.
Der Vorstand um Unicredit-Chef Orcel betrachtet das Angebot als sinnvolle und pragmatische Maßnahme ohne Nachteile. Sollte Unicredit wie erwartet keine Kontrollmehrheit an der Commerzbank erhalten, blieben die finanziellen Auswirkungen auf das Eigenkapital vernachlässigbar, heißt es dazu aus Mailand. Man wolle „Offenheit für den Dialog“ signalisieren sowie „die Bereitschaft, Brücken mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu bauen“, heißt es.
Angebotsfrist startet im Mai
Das endgültige Umtauschverhältnis wird in den kommenden Tagen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf Basis der dreimonatigen volumengewichteten Durchschnittskurse (3-Monats-VWAP) beider Institute festgelegt.
Das Angebot wird voraussichtlich Anfang Mai offiziell gestartet, mit einer Angebotsfrist von vier Wochen, heißt es seitens Unicredit. Für Mai haben die Mailänder eine außerordentliche Hauptversammlung geplant, um die Genehmigung für die damit verbundene Kapitalerhöhung zu beschließen.
Den Übernahmeplänen der italienischen Großbank stehen hierzulande dennoch weiterhin erhebliche Hürden entgegen: So stemmt sich das Management der Commerzbank weiterhin gegen das Vorhaben von Unicredit-Chef Orcell. Und auch die Bundesregierung, mit rund 13 Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank, erteilte den Avancen aus Mailand bisher eine Absage.
Die Reaktion der Frankfurter auf das Angebot aus Mailand fällt dementsprechend nüchtern aus. So betonte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp in einer Stellungnahme der Bank am Mittag: „Unsere oberste Priorität ist es, nachhaltigen Wert für unsere Aktionäre und alle Stakeholder der Commerzbank zu schaffen. Wir sind überzeugt von der Stärke und dem Potenzial unserer Strategie, die auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum setzt. Das Vorgehen ist nicht mit uns abgestimmt. Das in der Bekanntmachung erwartete Umtauschverhältnis enthält faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre.“
Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
