Roland Berger / Jann Averwerser

25.06.19
Banking & Berater

10 Prozent Umsatzwachstum sind zu wenig

Der Boom der deutschen Managementberatungen setzt sich fort. Roland Berger bestätigt den gelungenen Turnaround und bleibt die Nummer Eins – aber trotzdem holt die Konkurrenz weiter auf.

Ein Umsatzzuwachs von nahezu 10 Prozent bestätigt eindrucksvoll, dass Roland Berger nach Jahren der Krise wieder zur alten Stärke zurückgefunden hat. Und doch reicht diese hohe Wachstumsdynamik nicht, um am deutschen Managementberatungsmarkt Marktanteile zu gewinnen. Der Marktforscher Lünendonk & Hossenfelder schätzt, dass Roland Berger den Gesamtumsatz 2018 von 550 auf 600 Millionen Euro gesteigert hat – das zweite Wachstumsjahr hintereinander nach Abschluss des Turnarounds im Jahr 2017. Damit liegt Roland Berger aber immer noch weit hinter den 750 Millionen Euro zurück, die das Beratungshaus im Rekordjahr 2013 umgesetzt hat.

Die deutsche Unternehmensberatung hatte sich bei ihren Expansionsplänen verhoben und musste infolge dessen hart restrukturieren. Die Münchener, die vor allem als Sanierungsberater bekannt geworden sind, wollten zwischenzeitlich zu einer global führenden Unternehmensberatung aufsteigen. Doch die kostspielige Expansionsstrategie schlug fehl, das Beratungshaus musste ein Sparprogramm durchziehen, Mitarbeiter entlassen und Büros schließen. Gänzlich in ruhigem Fahrwasser ist der Marktführer aber immer noch nicht. Erst vor wenigen Tagen stellte Roland-Berger-Chef Charles-Edouard Bouée überraschend sein Amt zur Verfügung. Die Führungsfrage ist zurück im Hause Berger.

Simon-Kucher holt weiter auf

Die Konkurrenz könnte dies nutzen, um noch näher an den Branchenprimus heranzurücken. Vor allem die Nummer Zwei der deutschen Managementberatungen macht schon seit langem mit enorm hohen Zuwachsraten von sich reden, und dies hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Die Pricing-Beratung Simon-Kucher ist Lünendonk zufolge 2018 um fast 23 Prozent gewachsen und kommt nun schon auf einen Jahresumsatz von 309 Millionen Euro.

Der Dritte im Umsatz-Ranking ist dagegen neu auf der Liste. Die Technologie-Management-Beratung Detecon wurde 2018 erstmalig von Lünendonk erfasst und schob sich mit einem Gesamtumsatz von 215,5 Millionen Euro direkt auf den dritten Rang. Das Tochterunternehmen der Deutschen Telekom machte Lünendonk zufolge im vergangenen Jahr erstmal mehr Umsatz mit externen Kunden als mit der Telekom und qualifizierte sich damit für das Ranking. Die Münchener H&Z-Gruppe fiel dafür aus den Top-10 heraus, obwohl auch sie den Umsatz um 15 Prozent auf 82 Millionen Euro ausweiten konnte.

Horváth macht erstmals 200 Millionen Euro Umsatz

Eine wichtige Marke konnte auch Horváth knacken: Die Controlling- und Digitalisierungsberatung aus Stuttgart übersprang beim Umsatz erstmalig die 200-Millionen-Hürde und liegt damit auf dem vierten Rang. Insgesamt weist Horváth inzwischen einen Umsatz von 209 Millionen Euro aus, 18 Prozent mehr als 2017. Prozentual am stärksten gewachsen ist aber keines der Häuser aus den Top-4, sondern Porsche Consulting. Deren Gesamtumsatz kletterte um 24,5 Prozent auf 173 Millionen Euro.

Unterdurchschnittlich stark wuchs die auch im M&A-Geschäft starke Münchener Unternehmensberatung Goetzpartners, die um 8 Prozent auf 119 Millionen Euro zulegte. Nur zwei Häuser der Top-10 verzeichneten Erlösrückgänge: Detecon schrumpfte wegen der rückläufigen Geschäfte mit dem Mutterkonzern Telekom um gut 2 Prozent, die Bankenberatung zeb verlor rund 3 Prozent auf 193 Millionen Euro.

Insgesamt haben alle Top-10-Berater Lünendonk zufolge 2018 schätzungsweise 2,3 Milliarden Euro umgesetzt, 60 Prozent davon in Deutschland. Dem Marktforscher zufolge sind die Top-10-Berater im vergangenen Jahr im Schnitt 9,5 Prozent gewachsen und haben ihre Umsätze in den zurückliegenden zehn Jahren nunmehr nahezu verdoppelt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de