Hat Roland Berger die schwieriger Jahre hinter sich gelassen? Der Berater hat wieder an Umsatz zugelegt.

Roland Berger

17.05.18
Banking & Berater

Roland Berger wächst endlich wieder

Nach Jahren der Neuaufstellung kann Roland Berger seinen Umsatz endlich wieder steigern. Doch die Konkurrenz hat in den Zwischenzeit deutlich aufgeholt.

Nachdem die Umsätze bei Roland Berger über Jahre stagniert und zum Teil sogar gesunken sind, tut sich bei den Münchenern nun wieder etwas: Die größte deutsche Managementberatung konnte ihren Umsatz 2017 „deutlich“ steigern und erlöste 550 Millionen Euro, schätzt der Marktforscher Lünendonk & Hossenfelder. Offizielle Zahlen liegen nicht vor, da sich Roland Berger beharrlich weigert, die Geschäftszahlen im Bundesanzeiger zu veröffentlichen.

Lünendonk hat seine jährlich erscheinende Liste der zehn umsatzstärksten deutschen Managementberater veröffentlicht. Nicht berücksichtigt darin sind die großen Strategieberatungen wie McKinsey oder Bain sowie die Beratungsarme der Big Four KPMG, PwC, Deloitte und EY (Ernst & Young), da diese weder Gründungshistorie noch Kapitalmehrheit in Deutschland haben.

Roland Berger hat Restrukturierung hinter sich

Die Münchener, die vor allem als Sanierungsberater bekannt geworden sind, wollten zwischenzeitlich zu einer global führenden Unternehmensberatung aufsteigen. Doch die kostspielige Expansionsstrategie schlug fehl, das Beratungshaus musste ein Sparprogramm durchziehen, Mitarbeiter entlassen und Büros schließen.

Das spiegelte sich auch in den Umsätzen des Jahres 2014 wider, als es einen großen Einbruch gab: Laut Lünendonk-Berechnungen brachen in diesem Jahr die Einnahmen von geschätzten 750 auf nur noch 560 Millionen Euro ein. 2016 soll der Umsatz dann nur noch knapp über 500 Millionen Euro gelegen haben.

Doch jetzt scheint sich Roland Berger erholt zu haben. Auf Anfrage von FINANCE betonte ein Roland-Berger-Sprecher, dass die Zahlen von Lünendonk nicht kommentiert würden. „Wir sind allerdings sehr zufrieden mit unserer aktuellen Geschäftsentwicklung und erfreuen uns einer gesunden Profitabilität“, heißt es. Der Umsatz sei um rund 10 Prozent gestiegen. „In Deutschland werden wir in diesem Jahr rund 200 neue Berater einstellen – weltweit zirka 500 bis 600 Berater“, so der Sprecher weiter.

Q-Perior ist der wachstumsstärkste Berater

Den Umsatzeinbruch des einst klaren Marktführers nutzte die mittelständische Konkurrenz für eine starke Aufholjagd. Extrem schnell wächst seit Jahren etwa die Pricing-Beratung Simon-Kucher, die ihren Umsatz 2017 laut Lünendonk weiter um 5 Prozent auf 252 Millionen Euro gesteigert hat.

Mit größerem Abstand folgt die Finanzdienstleisterberatung Zeb Rolfes Schierenbeck, die 2017 um 4 Prozent auf 199 Millionen Euro wuchs. Gleichauf mit einem Umsatz von 177 Millionen Euro liegen dahinter Horváth & Partners sowie Q-Perior, allerdings mit unterschiedlichen Wachstumsraten.

Während Horváth um rund 16 Prozent gewachsen ist, legte Q-Perior sogar um über 35 Prozent zu und ist damit auch das wachstumsstärkste Unternehmen in der Top-10-Liste. Verantwortlich dafür ist aber auch die Übernahme der Schweizer P5 Group im März 2017: Rein organisch lag das Wachstum bei über 18 Prozent.

Roland Berger ist bei Nachwuchs wenig beliebt

Auf Platz 6 befindet sich die Beratung KPS, die um rund 10 Prozent auf 160 Millionen Euro zulegte. Dahinter folgt D-Fine mit einem Umsatz von 143 Millionen Euro, was ein Plus von 14 Prozent ist. Dank eines starken Wachstums von 19 Prozent ist Porsche Consulting deutlich näher gerückt und belegt mit 139 Millionen Euro den 8. Platz. Auf den Plätzen 9 und 10 finden sich Goetzpartners (110 Millionen Euro Umsatz bei 10 Prozent Wachstum) und H&Z (71 Millionen Euro Umsatz bei 18 Prozent Wachstum).

Wesentliche Wachstumstreiber waren laut Lünendonk wie bereits in den Vorjahren die gute wirtschaftliche Gesamtlage sowie der Transformationsbedarf der Unternehmen, ausgelöst durch die Digitalisierung. Dafür müssen die Berater zunehmend Kompetenzen im Big-Data- und Data-Analytics-Umfeld aufbauen, was sie sowohl über Unternehmenszukäufe als auch durch die Rekrutierung neuer Mitarbeiter versuchen.

Dort liegt auch das derzeit größte Wachstumshemmnis: Die Häuser schaffen es nicht, genügend qualifizierte Berater zu gewinnen. An dieser angespannten Situation dürfte sich absehbar auch nichts ändern, glaubt Lünendonk.

Verschärfend kommt hinzu: Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie des Marktforschungsunternehmens Trendence gezeigt hat, zieht es junge Absolventen der Wirtschaftswissenschaften vor allem zu den Konkurrenten Deloitte, PwC oder McKinsey. Ob es Roland Berger in dieser Lage tatsächlich schafft, wie geplant 600 neue Mitarbeiter einzustellen, bleibt eine spannende Frage. Auf der Beliebtheitsskala der Absolventen landete der Marktführer nur auf Platz 59.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de