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Bafin-Urteil: Banken managen ESG-Risiken schlecht

BDie Bafin bemängelt, dass Banken ESG-Risiken schlecht managen.
Die Bafin bemängelt, dass Banken ESG-Risiken schlecht managen. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

Kleine und mittelgroße deutsche Banken managen ESG-Risiken zum Teil immer noch auf einem bescheidenen Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Deutschen Bundesbank. Insgesamt 17 Banken, die unter direkter Aufsicht der Bafin stehen, wurden untersucht.

Keines der Geldhäuser konnte in der Gesamtbewertung einen Fortschritt beim Umgang („emerging practices“) mit Klima- und Umweltrisiken nachweisen. Die Mehrheit habe bislang aber immerhin die Grundlagen („basic practices“) verankert, stellt die Bafin fest.

ESG-Leistungskennzahlen fehlen fast komplett

Die Bafin sieht Nachholbedarf bei den untersuchten Banken vor allem in den Bereichen „Unternehmensführung und Risikoappetit“ sowie „Kreditrisiko“. In beiden Bereichen wurden jeweils fünf Banken als mangelhaft eingestuft. Die Bafin moniert außerdem, dass bei der Mehrzahl der Banken konkrete Leistungs- und Risikokennzahlen für eine effektive Steuerung und Begrenzung der Klima- und Umweltrisiken fehlen. Diese seien nur in Einzelfällen vorhanden. Mit diesem Ergebnis schneiden die deutschen Finanzinstitute laut Bafin dennoch etwas besser ab als Banken aus anderen EU-Staaten.

Das Ergebnis der Bafin-Untersuchung entspricht damit weitgehend denen einer ähnlichen Überprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Anfang November veröffentlicht wurde. Die EZB kam zu dem Schluss, dass die europäischen Banken noch weit von einer angemessenen Steuerung der Klima- und Umweltrisiken entfernt sind. 

Banken unterschätzen Risiken deutlich

Ein weiteres Ergebnis war, dass zwar 85 Prozent der Banken über entsprechende Governance- und Risikomanagementprozesse verfügen, es ihnen aber noch an differenzierten Methoden und granularen Informationen zu Klima- und Umweltrisiken mangelt. Die Geldinstitute würden deshalb Breite und Ausmaß solcher Risiken nach wie vor deutlich unterschätzen, und nahezu alle Banken (96 Prozent) wiesen bei der Identifizierung dieser Risiken Schwächen auf.

Die Ergebnisse der Bafin-Untersuchung fließen dieses Jahr noch nicht in die aufsichtliche Prüfungspraxis ein. Nächstes Jahr wird das anders aussehen. Die Aufsicht will ESG-Risiken in die nächste Novelle der MaRisk aufnehmen, die Mindestanforderungen an das Risikomanagement stellt. Banken werden sich dann explizit mit den Auswirkungen der ESG-Risiken auseinandersetzen müssen, die von den Banken als wesentlich identifiziert wurden. In der Risikosteuerung, im Controlling, bei der Kreditvergabe sowie im Risikoberichtswesen müssen sie ESG-Risiken dann ebenfalls mit einbeziehen.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.