Die französische Großbank Crédit Agricole macht beim strategischen Ausbau ihres Geschäfts in Deutschland den nächsten Schritt: Sie hebt die Marke Crédit Agricole Deutschland aus der Taufe und plant unter anderem, ihr Firmenkundengeschäft um mittelständische Betriebe zu erweitern.
„Wir planen, Unternehmen ab einem Umsatz von 500 Millionen anzusprechen“, sagte Olivier Gavalda, CEO von Crédit Agricole (CA) am Donnerstagmittag in Frankfurt. Dabei werde sich die Bank auf die Branchen konzentrieren, in denen sie schon stark präsent sei. Konkret nannte Gavalda die Sektoren Rüstung, Technologie sowie Agrar- und Lebensmittelindustrie. Besondere Chancen sieht der CA-Chef auch bei Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen nach Frankreich, Italien und Polen haben – alles Länder, in denen das Geldhaus bereits stark vertreten ist.
Frank Schönherr, Group Senior Country Officer von CA in Deutschland, hob hervor, dass es sich um eine langfristige Strategie handle, den Marktanteil zu erweitern. Bislang ist der Fokus der Bank auf Unternehmen mit mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz ausgerichtet, der Marktanteil der CA Corporate & Investment Bank (CACIB) liege nach Zahlen von Refinitiv in Deutschland bei rund 3,5 Prozent. Über den „gehobenen Mittelstand“ soll dieser wachsen. Dazu plane die Bank auch, neue Beraterinnen und Berater anzuheuern und mit der französischen Tochter LCL zusammenzuarbeiten. Diese ist auf die Mittelstandsfinanzierung im Nachbarland ausgerichtet.
Commerzbank-Übernahme spiele keine Rolle

Die angehende Übernahme der Commerzbank durch Unicredit spiele in der aktuellen Deutschland-Strategie von CA keine Rolle, sagte Gavalda weiter: „Das betrifft uns nicht direkt.“ Zu Gerüchten um ein Interesse an der IKB Deutsche Industriebank äußerte er sich nicht konkret: „Wir konzentrieren uns auf unser organisches Wachstum“, sagte der Bankchef: „Aber wir ergreifen auch Möglichkeiten, wenn sie sich bieten.“
Das Hauptaugenmerk der Franzosen liegt beim Ausbau des Deutschlandgeschäfts kurzfristig auf dem Verbrauchersegment. Dazu flaggt die Bank die bestehenden Creditplus-Filialen auf „Crédit Agricole Deutschland“ um und kommt auf insgesamt 23 Filialen. Bis Ende 2026 will die Bank 40.000 Kunden und Einlagen in Höhe von 1 Milliarde Euro erreichen.
Bereits im Frühjahr hatte die Bank „Crédit Agricole Savings“ ins Leben gerufen, ein Angebot von verschiedenen Sparanlagen. Der Ausbau des Deutschlandgeschäfts ist Teil des Strategieplans „Act 2028“ der börsennotierten Bank aus dem Genossenschaftssektor.
Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
