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Banken: Profitabel mit exotischen Finanzierungen und neuen Töchtern

Seit November 2014 wacht die EZB über die größten europäischen Banken. Die neue Bankenaufsicht bedeutet dabei das Ende des Universalbankenmodells und die Geburtstunde exotischer Refinanzierungsinstrumente.
Anastazzo_iStock_Thinkstock_GettyImages

Durch die neue einheitliche Bankenaufsicht (Single Supervisory Mechanism: SSM) wird sich die Bankenlandschaft und Refinanzierungsstruktur großer Banken drastisch ändern – auch in Deutschland. Der Hauptgrund dafür ist die Forderung des SSM nach detaillierten und vor allem zukunftsorientierten Kapital- und Liquiditätsberichten.

Diese bedeuten für Banken einen enormen operativen Aufwand, den die Berater von Bain & Company sogar mit dem großer M&A-Transaktionen vergleichen. Die Aufsicht fordert von Banken unterjährig, dass sie die Risiken einzelner Geschäftsfelder prognostizieren und daraus Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell ableiten. Banken-Experte und Bain-Partner Jan-Alexander Huber warnt, dass vielen Banken dazu jedoch die geeigneten Modelle fehlen.

Universalbankkonzept hat ausgedient

Vieles deutet darauf hin, dass sich in der Folge die europäischen Geldhäuser daher zwangsweise auf ihre nachhaltig profitablen Geschäftsfelder konzentrieren werden. Darunter fällt derzeit bei den meisten Banken auch das Firmenkundengeschäft. Für weniger rentable Bereiche empfiehlt Bain & Company die Ausgliederung in selbständige Töchter, wie es bereits die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse vorgemacht haben.

Das prominenteste Beispiel hierzulande ist die Deutsche Bank, die Ende April die Trennung von der Postbank bekannt gab. Zudem plant das Geldhaus Einschnitte im Corporate-Finance-Bereich, um sich stärker auf das Investmentbanking zu fokussieren. Das in Deutschland sehr beliebte Rundum-Sorglos-Paket der Universalbank dürfte spätestens mit Einzug der neuen Bankenaufsicht ausgedient haben.

Banken: Durch Fokussierung profitabler werden

Dies können die Banken jedoch zu ihrem Vorteil nutzen. Ein kleineres Portfolio entlastet die Banken bei ihrem regulatorischen Eigenkapital und verhindert, dass das gesamte Haus in Gefahr gerät, sollte ein Geschäftsbereich in Schieflage geraten. Nach einer organisatorischen Trennung kann im Krisenfall der betroffene Bereich besser restrukturiert oder einfacher an Dritte verkauft werden, zum Beispiel risikobereite Hedgefonds und andere boomende Schattenbanken.

Wie es aussieht, müssen die Banken die neue Marktordnung aber unbedingt dazu nutzen, ihren Ertrag nach oben zu bringen. Praktisch jede Bank benötigt laut Bain eine höhere Profitabilität in ihren Kerngeschäftsfeldern – aktuell verdienen der Unternehmensberatung zufolge weniger als 6 Prozent ihre Eigenkapitalkosten.

Flexible Refinanzierung über Coco-Bonds & Co.

Mit Auf- beziehungsweise Abspaltungen einher geht bei vielen Banken auch eine zusätzliche Kapitalaufnahme. Bei der Beschaffung von Eigenkapital forcieren Banken, wie von der Aufsicht gewünscht, inzwischen in zunehmendem Maße flexible Refinanzierungsstrukturen. Banken nehmen dabei Fremdkapital auf, das bei Bedarf einfach und schnell in Eigenkapital umgewandelt werden kann.

Die Beliebtheit dieser so genannten Convertible Bonds (CoCo-Bonds) steigt: Laut Bloomberg lag 2014 das Emissionsvolumen dieser Papiere global bei 50 Milliarden US-Dollar und damit um das Fünffache über dem Vorjahreswert von 10 Milliarden US-Dollar.

Was sie zu einem heißen Kandidaten für ein noch stärkeres Aufkommen in den nächsten Jahren macht, ist ihre Funktionsweise, die im Krisenfall bei einer Bank schnell und automatisch frisches bilanzielles Eigenkapital entstehen lässt. Genau diese stärkere Widerstandskraft der Banken gegenüber externen Schocks ist das zentrale Ziel des SSM.

Diese Eigenschaft besitzen auch Kernkapital-Nachzugsaktien (Core Capital Deferred Shares: CCDS) sowie unbefristete Nachrangdarlehen mit variabler Verzinsung (Subortinated Perpetual Debt with Variable Interest Rate). Die CCDS sind in erster Linie dadurch gekennzeichnet, dass ihre Inhaber gegenüber den anderen Aktionären benachteiligt sind. So erhalten sie erst Dividendenzahlungen, wenn alle anderen Aktionäre bedient sind.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Info

Single Supervisory Mechanism (SSM)

 

Der Single Supervisory Mechanism (SSM) ist eine der drei Säulen der europäischen Bankenunion. An der Spitze der einheitlichen Bankenaufsicht steht die EZB, die seit November 2014 insgesamt 120 Banken direkt beaufsichtigt. Für diese Banken gelten besondere Berichts- und Kontrollpflichten. Betroffen sind dabei die systemrelevanten Banken (G-SIBs) und Kreditinstitute, die während der Finanzkrise staatliche Hilfe in Anspruch nehmen mussten.

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