Die beiden größten deutschen Geldhäuser haben keinen guten Lauf. Die Stresstestergebnisse waren schwach, auch im Firmenkundengeschäft mussten sie zuletzt Federn lassen. Die Deutsche Bank verliert laut einer Greenwich-Studie an Boden, und die Commerzbank legte schwache Halbjahreszahlen vor. Die Aktienkurse beider Banken fallen immer tiefer und notieren derzeit bei 12 Euro (Deutsche Bank) und 5,50 Euro (Commerzbank).
Parallel zum Aktienkurs bricht bei der Deutschen Bank und der Commerzbank auch ihr Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) ein, eine zentrale Bewertungskennzahl, die zeigt, für wie solide der Kapitalmarkt eine Bank hält. An der Börse ist die Deutsche Bank aktuell nur noch rund 16,4 Milliarden Euro wert. Bei einem zum 30. Juni 2016 bilanzierten Eigenkapital von rund 61,8 Milliarden Euro errechnet sich daraus ein KBV von 0,27.
Die Commerzbank kommt sogar nur noch auf ein KBV von 0,23. Der Kapitalmarkt bewertet die beiden Papiere damit nur noch mit einem Bruchteil ihres bilanziellen Eigenkapitals und sieht folglich hohes Verlustpotential in den beiden Geldhäusern schlummern.
BNP Paribas, Barclays & Co. mit besserem KBV
In den Augen der Investoren sind die Drohverluste bei den deutschen Marktführern erstaunlicherweise noch deutlich höher als bei ausländischen Banken. Die französische BNP Paribas – die hierzulande große Ambitionen im Firmenkundengeschäft hegt – kommt auf ein KBV von 0,75, während die britische Barclays Bank trotz der Brexit-Sorgen ein KBV von 0,68 erreicht.
Auch die unter einem Berg fauler Kredite ächzende italienische UniCredit steht mit 0,62 wesentlich besser da als die Commerzbank und die Deutsche Bank. Die spanische Santander bringt es auf ein KBV von 0,76.
Schwerer Mühlstein für Deutsche Bank und Commerzbank
Kurios: Im Vergleich zu den Heimatmärkten der anderen Banken steht die deutsche Wirtschaft solide da. Nahezu alle Banken reißen sich um die deutschen Firmenkunden, insbesondere um den Mittelstand. Die extrem niedrige Börsenbewertung der Deutschen Bank führen Investoren auf die unübersichtlichen Rechtsstreitigkeiten zurück – niemand vermag zu beziffern, wie viel das Aufräumen dieser Altlasten die Deutsche Bank noch kosten wird.
Auch die Commerzbank ist mit Rechtsrisiken konfrontiert. Die absehbare, staatlich angewiesene Umschuldung von Fremdwährungskrediten in Polen sowie die Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäfte, in die die Commerzbank verwickelt ist, erreichen aber bei weitem nicht die Dimension der Rechtslasten der Deutschen Bank oder der faulen Kredite der UniCredit. Doch die Commerzbank ist traditionell stark von ihrem Zinsergebnis abhängig, daher trifft sie das anhaltende Niedrigzinsumfeld härter als die meisten Konkurrenten.
Die Talfahrt ihrer Aktienkurse könnte sich für Commerzbank und Deutsche Bank zu einer großen Hypothek auch im operativen Geschäft ausweiten, fürchten Analysten. Schließlich ließen sich auf diesen Kursniveaus nur extrem stark verwässernde Kapitalerhöhungen durchführen, was die Messlatte für neuerliche Kapitalaufnahmen sehr hoch hängt. Wenn die beiden Banken aber weiterhin kaum Gewinne machen, gibt es ohne frisches Kapital von außen wenig Spielraum für Investitionen in neue Märkte, neue Geschäfte und neue Kunden. Davon könnten am Ende die Rivalen sogar auf dem Heimatmarkt von Commerzbank und Deutscher Bank profitieren – im Geschäft mit Deutschlands Großkonzernen.