Die Deutsche Bank hat sich große Wachstumsziele gesetzt. Die Unternehmensbank, in der das Firmenkundengeschäft gebündelt ist, soll eine zentrale Rolle beim künftigen Wachstum spielen. Bis 2028 sollen die Erträge in dieser Sparte jährlich um 8 Prozent steigen. Doch gerade diese schwächelte im abgelaufenen Geschäftsjahr, wie die Deutsche Bank heute mitteilte.
Die Erträge der Unternehmensbank sanken laut vorläufigen Zahlen auf 7,4 Milliarden Euro. Dieses Minus von 1 Prozent sei vor allem Wechselkurseffekten und einem geringeren Zinsüberschuss geschuldet. Teilweise ausgeglichen wurde das durch den um 5 Prozent gestiegenen Provisionsüberschuss, heißt es in der Mitteilung. Auch die Einlagen legten um 5 Prozent zu auf 329 Milliarden Euro und glichen damit laut Deutscher Bank den Margendruck teilweise aus.
Vorsteuergewinn der Unternehmensbank legt deutlich zu
Leicht im Plus bewegten sich auch die Erträge im Bereich der Corporate Treasury Services. Sie steuerten 4,2 Milliarden Euro bei. Rückläufig waren dagegen die Erträge im Geschäft mit institutionellen Kunden (-2 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro) und im Geschäftskundenbereich (-7 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro).
Anders als die Erträge legte der Vorsteuergewinn der Unternehmensbank deutlich zu: um 24 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Die materielle Eigenkapitalrendite nach Steuern (Return on Tangible Equity, RoTE) stieg in der Folge auf 15,3 Prozent (2024: 12,7 Prozent), die Aufwand-Ertrag-Relation bewegte sich bei 62 Prozent (2024: 67 Prozent).
Geldwäscherazzia trübt Rekordergebnis
Doch nicht nur die stagnierenden Erträge der Unternehmensbank dürften bei CEO Christian Sewing die Stimmung getrübt haben. Nur einen Tag vor Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen 2025 hatten Ermittler die Zentrale der Bank in Frankfurt sowie Geschäftsräume in Berlin durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen des Verdachts der Geldwäsche und weiterer möglicher Vergehen nach dem Geldwäschegesetz. Sewing bestätigte bei der Jahresmedienkonferenz, dass es um Transaktionen in den Jahren 2013 bis 2018 und eine vorgeblich verspätete Verdachtsmeldung geht.
Die Meldung, dass die Deutsche Bank ihr Vorsteuerergebnis 2025 um satte 84 Prozent gegenüber Vorjahr auf den Rekordwert von 9,7 Milliarden Euro steigern konnte, rückte durch diese Meldung etwas in den Hintergrund. Bei den Erträgen legte Deutschlands größte Privatbank im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf insgesamt 32,1 Milliarden Euro zu und erreichte damit wie erwartet ihr Jahresziel.
Deutsche Bank erreicht Renditeziel von mehr als 10 Prozent
Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 7,1 Milliarden Euro – eine Verdopplung zum schwachen Vorjahresergebnis. 2024 hatten vor allem hohe Kosten von rund 2 Milliarden Euro im Zusammenhang mit der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten, wie etwa dem Verfahren um die Postbank-Übernahme, sowie Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro in die eigene Restrukturierung den Nettogewinn auf 3,5 Milliarden Euro einbrechen lassen.
Dementsprechend hat sich auch die Eigenkapitalrendite (RoTE) deutlich erholt. Das angepeilte Ziel, bis Ende 2025 eine Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent zu erreichen, wurde mit 10,3 Prozent knapp erfüllt. 2024 war der Wert im Zuge der hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten auf 4,7 Prozent abgesackt (2023: 7,4 Prozent).
Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich auf 64 Prozent, womit die Bank ihr zuletzt aufgeweichtes Ziel von unter 65 Prozent erreichte.
Deutsche Bank will Gesamtertrag auf 37 Milliarden Euro steigern
„2025 war für die Deutsche Bank ein Jahr, in dem wir geliefert haben. Wir haben unser Renditeziel von mehr als 10 Prozent erreicht – sowohl auf Konzernebene als auch in allen unseren Geschäftsbereichen“, sagte der scheidende Finanzvorstand James von Moltke. Alle vier Geschäftsbereiche – Unternehmensbank, Investmentbank, Privatkundenbank und Vermögensverwaltung – verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr ein zweistelliges Gewinnwachstum sowie eine bessere Aufwand-Ertrag-Relation und erreichten eine Nachsteuerrendite (RoTE) von mehr als 10 Prozent. Zudem wurde das 2,5 Milliarden Euro schwere Effizienzprogramm mit Filialschließungen und Stellenabbau abgeschlossen.
Bankchef Christian Sewing sieht das Institut nun in der „denkbar besten Ausgangsposition“ für die nächsten Schritte. Bereits beim Investorentag im vergangenen November hatte die Deutsche Bank ihre Ambitionen offengelegt: Bis 2028 sollen die Gesamterträge von den derzeit rund 32 Milliarden auf 37 Milliarden Euro steigen, die Eigenkapitalrendite soll laut den Plänen von 10 auf über 13 Prozent klettern und die Aufwand-Ertrags-Quote wieder unter 60 Prozent rutschen.
Gleichzeitig will die Deutsche Bank ab 2026 die Ausschüttungsquote auf 60 Prozent erhöhen. Davon ist sie aktuell noch ein gutes Stück entfernt: Für 2025 soll sie 50 Prozent betragen. In dieser Rechnung sind der Dividendenvorschlag von 1 Euro je Aktie (das entspricht einer Summe von 1,9 Milliarden Euro; Vorjahr: 0,68 Euro je Aktie) sowie ein weiterer Aktienrückkauf im Volumen von 1 Milliarde Euro enthalten.
Investmentbank-Segmente entwickeln sich unterschiedlich
Die Investmentbank als ertragsreichstes Segment der Deutschen Bank hat 2025 erneut eine Schippe drauflegen können. Die Erträge stiegen auf 11,5 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 9 Prozent. Im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen (FIC) erhöhten sich die Erträge um 13 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro, wobei die Erträge im Handelsgeschäft (Markets) um 13 Prozent und die Erträge im Finanzierungsgeschäft (Financing) um 12 Prozent zulegten.
Im Minus bewegte sich hingegen der Bereich Investmentbanking & Kapitalmärkte, wo die Erträge um 6 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurückgingen. Grund dafür waren im Wesentlichen Marktwertverluste bei Positionen im Bereich Leveraged Debt Capital Markets (LDCM) Anfang des Jahres.
Im Anleihenemissionsgeschäft sanken die Erträge um 14 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Das Aktienemissionsgeschäft legte hingegen um 21 Prozent auf 225 Millionen Euro zu und das Beratungsgeschäft leicht um 1 Prozent auf 536 Millionen Euro.
Auch der Vorsteuergewinn der Investmentbank erholte sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich und kletterte um 20 Prozent auf 4 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern lag bei 11,2 Prozent nach 9,4 Prozent im Vorjahr. Die Aufwand-Ertrag-Relation lag mit 58 Prozent unter den 63 Prozent des Vorjahres.
Bank hatte Bafin wegen Geldwäscheprävention im Haus
Ob sich die neuen Geldwäscheermittlungen für die Deutsche Bank als weitere teure Altlasten erweisen werden, ist unklar. Das Institut bestätigte lediglich die Durchsuchung und gab an, vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten.
Zuletzt hatte es so ausgesehen, als ob die großen Compliance-Probleme der Vergangenheit schrittweise abgeräumt werden. Erst im Oktober 2024 war die Deutsche Bank den Sonderbeauftragten für Geldwäscheprävention der Bafin losgeworden. Diesen hatte die Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bereits 2018 zur Deutschen Bank geschickt und das Mandat zuletzt im Februar 2024 nochmals verlängert, um die noch fälligen Nachbesserungen bei der Transaktionsüberwachung zu kontrollieren. Zugleich hatte die Aufsicht dem Institut auch Zwangsgelder angedroht.
Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.
