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Großbanken leiden und sorgen vor

Außen stabil, aber im Innern längst nicht gefestigt: die Deutsche Bank steht für viele europäische Banken in der aktuellen Berichtsaison.
Deutsche Bank

In europäischen Großbanken beherrscht Schadensbegrenzung das Bild zum Halbjahr 2012. Die Gewinne sind fast unisono eingebrochen, die Vorbereitung auf noch schwerere Zeiten steht im Vordergrund. Viele Probleme, von der Staatsschuldenkrise bis zur Exportschwäche, sind makro-ökonomischer Natur. Hinzu kommen aber auch selbstverschuldete Sondereffekte.

Der Gewinn nach Steuern lag bei der Deutschen Bank im zweiten Quartal bei 661 Millionen Euro, nur gut die Hälfte der 1,2 Milliarden im zweiten Quartal 2011. Die Eigenkapitalrendite betrug 6,8 Prozent, nach 13,9 Prozent vor einem Jahr. Die neuen CEOs Jürgen Fitschen und Anshu Jain machen dafür vor allem die europäische Schuldenkrise verantwortlich, die zu hoher Volatilität und eingeschränkten Kundenaktivitäten in allen Geschäftsbereichen führten. Besonders betroffen ist daher das Investmentbanking, wo beispielsweise im Emissions- und Beratungsgeschäft die Erträge um 29 Prozent einbrachen. Das wenig spektakuläre – doch für viele Finanzvorstände in Unternehmen wichtigere – Global Transaction Banking verzeichnete dagegen einen Umsatzzuwachs von 10 Prozent auf knapp 1 Milliarde Euro.  Besonderen Wert legt die Deutsche Bank auf die Feststellung, dass ihre Kernkapitalquote zum Ende des zweiten Quartals 10,2 Prozent betrage und damit deutlich oberhalb der geforderten 9 Prozent liege.

UBS leidet unter Facebook-IPO

Der deutsche Branchenprimus steht voll im europäischen Trend. Die österreichische Erste Bank Gruppe musste einen Gewinnrückgang von 13 Prozent auf 450 Millionen Euro vermelden. Für das weitere Jahr sieht sie noch schwärzer:  Für fast alle Länder in Europa rechne man mit einer Abschwächung des Wachstums. Hoffnung hat die Bank für keinen Sektor. Sie sieht Ausgabenzurückhaltung der öffentlichen Hand sowie der privaten Haushalte, geringe Investitionstätigkeit und eine sich abschwächende Exportdynamik. Das Kernkapital (Tier 1) verbesserte sich aber auch bei der Ersten Bank auf 10,4 Prozent, nach 9,4 Prozent im Vorjahr

Die UBS hat mit einem ganz besonderen Rückschlag zu kämpfen: Der verpatzte Börsengang von Facebook an der Börse in New York hat die Schweizer Großbank im 2. Quartal gut 360 Millionen Dollar gekostet und damit den sowieso schwächelnde Bereich Investmentbanking extrem belastet. Die Bank will nun gegen die Börse Nasdaq klagen, weil sie ihre Aufgaben beim Facebook-IPO nicht richtig wahrgenommen habe. Das dürfte angesichts eines Gewinneinbruchs um 58 Prozent auf 425 Millionen Schweizer Franken aber nur Kosmetik sein; am nötigen Rückbau von Investmentbankingaktivitäten auch bei der UBS wird es dagegen nichts ändern. Dennoch betonten auch die Schweizer, dass ihre Kernkapitalposition solide sei und in naher Zukunft – anders als bei der Credit Suisse – keine Kapitalerhöhungen nötig würden.

CFOs sollten Puffer bilden

Die schwachen Zahlen aus den europäischen Großbanken bedeuten für Finanzvorstände nichts Gutes. Die makroökonomischen Aussichten trüben sich weiter ein, die Exportwirtschaft verliert weiter an Schwung und die Kapitalmärkte sind von Verunsicherung beinahe gelähmt. Aus der Halbjahressaison der Banken lässt sich für CFOs vor allem eines Ableiten: Sicherheit geht vor. Genau wie Banken ihre Kernkapitalquoten hochschrauben, sollten Unternehmen ihre Puffer gegen eine erneute Iteration des Krisenzyklus ausbauen.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de