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HSBC macht drei Standorte dicht

Die HSBC Deutschland schließt die Niederlassungen in Düsseldorf, Mannheim, Hannover und Nürnberg.
HSBC Deutschland

Eigentlich kommt die HSBC Deutschland bisher ganz gut durch die Coronakrise: Im ersten Halbjahr sind die operativen Erträge der Bank um 20 Prozent auf 464,7 Millionen Euro gestiegen, der Gewinn vor Steuern fiel mit 98,6 Millionen Euro doppelt so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum. Trotzdem setzt sie jetzt den Rotstift an – und macht einen Teil der 2014 gestarteten Mittelstandsoffensive wieder rückgängig: Wie FINANCE erfahren hat, schließt die HSBC gleich mehrere Filialen – eine Information, die die Bank auf Nachfrage bestätigte.

Konkret gibt die HSBC Deutschland die Niederlassungen in Hannover, Köln und Mannheim auf und fährt die Präsenz in Nürnberg deutlich herunter. Hannover wird mit Dortmund, Köln mit Düsseldorf und Mannheim mit Stuttgart verschmolzen. Nürnberg wird eine Repräsentanz von Frankfurt werden.

Die Bank steht nicht nur wie jede Bank wegen des Niedrigzinsumfelds, sondern auch wegen des weltweiten Restrukturierungsprogramms der HSBC-Gruppe in Deutschland unter einem enormen Kostendruck. 

HSBC geht raus aus der Fläche

Als die HSBC 2014 die Mittelstandsoffensive ausrief, klang das noch anders. Die Marketing-Botschaft damals: Die HSBC geht in die Fläche und rückt näher an die Mittelständler heran. 

Getrieben wurde die Mittelstandsoffensive vor allem aus London heraus, wo die Gruppe einen ihrer Hauptsitze hat. Stephen Price wurde als 2013 als Firmenkundenchef nach Düsseldorf geschickt, um den deutschen Mittelstand zu erobern.

Die Umsatzuntergrenze für HSBC-Kunden wurde damals von 100 auf 35 Millionen Euro gesenkt. Die Ansage von Price: In drei Jahren wollte er rund 500 Millionen Euro in das Firmenkundengeschäft stecken und 500 neue Mitarbeiter einstellen. Drei Jahre später brach Price seine Zelte bei der HSBC Deutschland wieder ab

HSBC-Banker Kolb erklärt Strategiewechsel

Was bleibt der HSBC von der Mittelstandsoffensive außer einem aufgeblähten Kreditbuch, höheren RWAs und gestiegenen Verwaltungskosten? Bereichsvorstand Christian Kolb zufolge eine ganze Menge, unter anderem das speziell für Mittelständler aufgebaute Kapitalmarktteam. An diesem will die Bank festhalten, wie Kolb gegenüber FINANCE sagte. Dies gilt auch für das mittelständische Private-Equity-Geschäft und auch für jenes Team, das sich mit staatlichen Finanzierungen wie beispielsweise KfW-Krediten beschäftigt. 

„Wir glauben an unsere Wachstumsinitiative und halten an ihr fest“, sagt Kolb. Die Initiative habe die Markenbekanntheit der HSBC im deutschen Markt dauerhaft gestärkt. Dank ihr sei die Bank acht Jahre lang gewachsen und werde das auch in Zukunft tun. In den vergangenen sechs Jahren hat die Bank Kolb zufolge ihre Firmenkundenanzahl in etwa verdoppelt. Die Erträge mit diesen Kunden seien jährlich zweistellig gewachsen. 

„Wir glauben an unsere Wachstumsinitiative und halten an ihr fest.“

Christian Kolb, Bereichsvorstand, HSBC Deutschland

War die Strategie der Bank zunächst stark auf Kreditwachstum ausgerichtet, legt die Bank nun einen größeren Fokus darauf, die Geschäftsbeziehungen profitabler zu machen. „Wir fokussieren uns stärker auf die Kunden, die unser internationales Netzwerk nutzen“, sagt Kolb. 

HSBC will weiter Kredite geben

Das bedeutet im Kern: Es gilt als Mindestgrenze wieder die Umsatzschwelle, die die HSBC mit Beginn ihrer Mittelstandsoffensive aufgegeben hatte: 100 Millionen Euro, auch wenn diese Grenze nicht starr ist. Bei diesen Firmenkunden sei die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass sie nennenswert Geschäft im Ausland machen, so Kolb. Diesen Kunden will die HSBC auch weiter Kredit geben.

Der Portfolioanteil der kleineren Firmenkunden ist Kolb zufolge gering. Was bleibt, ist das Ziel, das die HSBC mit ihrer Offensive verband – von einer Nischen- zu einer Kernbank im deutschen Firmenkundengeschäft zu werden. „Dafür braucht es auch ein größeres Kreditgeschäft“, macht der Banker eine Ansage. Diese dürfte vor allem größere Firmenkunden beruhigen. 

Info

Noch mehr Hintergründe zum deutschen Corporate Banking finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft