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Landesbanken greifen international wieder an

Was haben Sao Paulo, London und Istanbul gemeinsam? In allen Städten eröffnen deutsche Landesbanken neue Niederlassungen und werden damit wieder zunehmend internationaler.
Thinkstock / Getty Images

Die Finanzkrise hat den deutschen Landesbanken schwer zugesetzt. Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) kippte um und wird inzwischen über die Bad Bank Portigon abgewickelt, viele der anderen Banken retteten lediglich Finanzspritzen ihrer Länder. In der Folge zogen sich die in der ganzen Welt aktiven Landesbanken in ihre Heimatmärkte zurück, die Geschäftsmodelle wurden deutlich konservativer.

Doch inzwischen schalten die Landesbanken wieder auf Angriff. Vor allem die süddeutschen Landesbanken BayernLB und LBBW ziehen auf der Suche nach neuen Firmenkunden verstärkt in den Norden, beide haben neue Niederlassungen in Hamburg eröffnet.

BayernLB mit neuem Kompetenzzentrum in London

Jetzt starten die Landesbanken sogar auch wieder ihre Internationalisierung, um neue Erlösquellen zu suchen und mehr Geschäft mit ihrer international agierenden Kundschaft zu machen. Die BayernLB eröffnete deshalb vor Kurzem ein neues Kompetenzzentrum in London, über das die Bank ihr mittelständisches Firmenkundengeschäft ankurbeln möchte.

Die BayernLB ist seit 1977 in London vertreten und versorgt von dort heraus mit 80 Mitarbeitern Kunden mit Immobilienfinanzierungen, strukturierten Finanzierungen sowie Corporate-Banking- und Kapitalmarktgeschäften. Laut CEO Johannes-Jörg Riegler ist der Finanzplatz London für die international ausgerichteten deutschen Kunden der BayernLB „von zentraler Bedeutung“.

Helaba gründet Niederlassungen in Istanbul, Sao Paulo und Stockholm

Einen anderen Akzent – aber ebenfalls international – setzt die Hessische Landesbank (Helaba), die neue Niederlassungen in Istanbul und Sao Paulo gründet. Sie will dadurch ihre mittelständischen Firmenkunden im Auslandsgeschäft besser betreuen und bei der Außenhandels- und Unternehmensfinanzierung vor Ort unterstützen. Die Helaba ist nicht die erste deutsche Bank, die es nach Brasilien zieht: Anfang September kündigte die Commerzbank an, eine Tochter in Brasilien zu gründen, um am Brasiliengeschäft ihrer Kunden besser teilhaben zu können.

Neben den Schwellenländern baut die Helaba auch ihr Geschäft in Skandinavien aus und plant eine Niederlassung in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Hier liegt der Fokus neben den Mittelständlern vor allem auf internationalen Investoren und dem Markt für gewerbliche Immobilienfinanzierung. Beide Zielgruppen werden bisher von Frankfurt aus angelaufen, die neuen Niederlassungen sollen ihren regulären Geschäftsbetrieb dann im Lauf des nächsten Jahres aufnehmen.

NordLB finanziert erstmals Windpark in Finnland

Skandinavien scheint auch für die Norddeutsche Landesbank (NordLB) interessant zu sein. Zwar eröffnet sie dort keine neue Zweigstelle, jedoch finanzieren die Nordlichter zum ersten Mal einen Windpark in Finnland.

Zusammen mit der Commerzbank stellt die NordLB dem Windparkentwickler Wpd dazu 100 Millionen Euro an Fremdkapital zur Verfügung.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Info

Die Niedrigzinsphase sorgt unter den Banken im Firmenkunden für großen Konkurrenzkampf. Welche Wachstumsinitiativen zünden und warum die Landesbanken wieder stärker ihren Heimatmarkt verlassen, lesen Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.

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