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Santander: Unter dem Radar auf Kundenfang

Im FINANCE-Banken-Survey 2021 schafft es die Banco Santander unter die drei aktivsten Auslandsbanken im deutschen Firmenkundengeschäft.
vulcanus/stock.adobe.com

Unauffällig, leise und gefährlich: Würde man das deutsche Firmenkundengeschäft mit einem Ozean vergleichen und die Banken mit den Schiffen, die darauf unterwegs sind, dann wäre die Banco Santander wohl das Atom-U-Boot unter ihnen. Die meiste Zeit bleibt es unter der Oberfläche, nur selten taucht es auf. Aber es ist da, und man sollte es auf dem Zettel haben.

Dieses Bild der Spanier zeichnen die Ergebnisse des diesjährigen FINANCE-Banken-Surveys. Auch wenn die Bank öffentlich wenig in Erscheinung tritt, sichert sie sich zunehmend die Gunst der befragten CFOs und Treasurer. Der Lohn ist Platz 3 beim Kreditengagement der Auslandsbanken. Für einen Platz unter den Top 10 des Gesamtklassements reicht es für die Spanier jedoch noch nicht, und das hat vielfältige Ursachen.

So arbeitet Santander in Deutschland

In Deutschland sind die Spanier in zahlreichen Nischen aktiv: Sie setzen auf Management und Finanzierung von Autoflotten und beteiligten sich etwa an Sixt Leasing und setzten dort einen neuen CFO ein. Mit dem Kauf des deutschen Privatkundengeschäfts der schwedischen SEB verdoppelten die Spanier im Jahr 2010 die Zahl ihrer Filialen in Deutschland auf rund 350. Damit wurde Santander hierzulande quasi über Nacht hinter Post-, Commerz- und Deutscher Bank zur viertgrößten Privatkundenbank. Doch die Integration des 555 Millionen Euro teuren Zukaufs klappte nie so ganz, das Marktumfeld wurde widrig, und inzwischen sind nur noch 210 Filialen der Santander Consumer Bank übrig.

Das Firmenkundengeschäft, in dem die Santander ihren Schwerpunkt auf Kunden mit internationaler Ausrichtung legt, will die Bank jedoch ausweiten. „Langfristig wollen wir eine nachhaltig profitable Partnerschaft mit dem deutschen Mittelstand aufbauen“, heißt es dazu im Geschäftsbericht 2020. Zielkunden der Spanier sind Unternehmen mit Umsätzen von 25 Millionen bis 1 Milliarde Euro. Das Feld darüber bearbeitet die Bank über ihre Investmentsparte.

In der Corona-Pandemie agierte die Santander in Deutschland zurückhaltender als andere Banken, das Kreditneugeschäft im Business und Corporate Banking sank 2020 im Vorjahresvergleich um 1,5 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Dennoch erfreut sich die Bank bei den CFOs offenbar wachsender Popularität.

Santander fasst bei Mittelständlern Fuß

So tastet sich die Santander in der Wahrnehmung der adressierten Mittelstandskunden langsam nach vorne: Nach Rang 16 im vergangenen Jahr belegt sie im Mittelstands-Ranking des 2021er-Surveys gemeinsam mit den wesentlich prominenteren Mitbewerbern Hamburg Commercial Bank und ING Platz 12. Im CFO-Ranking der aktivsten Auslandsbanken verbessert sich die Santander um zwei Plätze und zieht damit an JP Morgan und HSBC vorbei – also an zwei noch dickeren Fischen als im Mittelstands-Ranking.

Um beim Mittelstand zu punkten, ist das Kreditgeschäft essentiell. Und dort kommt das Engagement der Spanier gut an. Die Finanzchefs bewerten das Engagement der Santander im Kreditgeschäft mit deutschen Firmenkunden auf einer Skala von 1 (sehr schwach) bis 10 (sehr stark) mit 5,8 – eine Steigerung von 0,6 Punkten gegenüber dem Vorjahr. Dies bringt Santander im Kredit-Ranking auf den 13. Platz, knapp hinter der HSBC und auf gleicher Stufe mit der SEB.

Santander kann beim Hausbanken-Status zulegen

Die bemerkenswerteste Verbesserung zeigt sich jedoch beim wichtigen Hausbanken-Status: Immerhin 7 Prozent der von FINANCE befragten rund 200 Finanzchefs zählen Santander inzwischen zu ihren Hausbanken. Damit rücken die Spanier um vier Plätze vor auf Rang 14. Dies verbessert die Chancen auf das begehrte Zusatzgeschäft im Investmentbanking oder Cash Management, das CFOs und Treasurer vornehmlich unter ihren Kernbanken verteilen.

Im Cash Management kann sich die Bank auf Platz 12 positionieren. Hier wäre sogar noch eine bessere Platzierung zu erwarten gewesen, schließlich gelten Transaction Banking und Zahlungsverkehr für die Spanier in Deutschland als wichtiges Entwicklungsfeld. Auch deshalb übernahmen sie von der insolventen Wirecard im Rahmen eines Asset Deals die Technologie für die Abwicklung von Kreditkartenzahlungen, die damit verbundenen Vermögenswerte und einen großen Teil der Mitarbeiter.

Im Bereich Trade Finance sichert sich die Bank Platz 10. Hier spielt sie die Vorzüge ihres südamerikanischen Netzwerks aus. Auch bei Themen wie Supply Chain Finance arbeitet sie eng mit manchen bekannten deutschen Konzernen wie etwa ZF zusammen.

Schwache Zeugnisse bei Service und Digitalisierung

In den Kategorien M&A, Eigen- und Fremdkapitalbeschaffung spielt die Banco Santander in den Rankings des Banken-Survey 2021 hingegen keine prominente Rolle – obwohl sie punktuell durchaus auch an großen Anleiheplatzierungen wie etwa bei Volkswagen beteiligt ist.

Beim Service-Level im Firmenkundengeschäft zeigt die Banco Santander hingegen eine weniger gute Parallele zum eingangs erwähnten Bild mit dem U-Boot: Von Platz 5 im vergangenen Jahr taucht die Bank in dieser Kategorie in der Gunst der Finanzchefs ab auf Rang 12. Auf der Skala von 1 bis 10 („sehr stark“) sinkt die Bewertung der Finanzchefs von 7,3 im Vorjahr auf 6,2 ab. Den guten ersten Eindruck bei ihren Firmenkunden nach Ausbruch der Coronakrise hat die Santander offenbar vielfach nicht bestätigen können.

Und dies gilt auch für das so wichtige Feld der Digitalisierung des Firmenkundenangebots. In dieser Frage zählt lediglich jeder hundertste Finanzchef die Santander zu den Branchenführern. Bevor die Spanier wirklich zu einer echten Bedrohung für die eindrucksvollen Schlachtschiffe an der Oberfläche des deutschen Firmenkundengeschäfts werden können, müssten sie in einigen zentralen Feldern also noch deutlich nachlegen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

Info

An der FINANCE-Banken-Survey 2021 haben 194 Mitarbeiter aus den Finanzabteilungen deutscher Unternehmen teilgenommen. Knapp 40 Prozent der Teilnehmer sind CFOs, 20 Prozent sind Leiter Finanzen und gut 40 Prozent sind Treasurer. Die meisten Umfrageteilnehmer arbeiten für Großunternehmen.

Die detaillierten Ergebnisse des FINANCE-Banken-Survey können Sie hier beziehen.

Alle Teile unserer Serie „Inside Corporate Banking“ finden Sie hier.

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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