Acxit im Umbruch: Die M&A-Beratung will künftig den Fokus auf größere Deals legen. Zuerst muss sie allerdings personell nachfüttern.

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18.01.19
Banking & Berater

Personalrochade bei M&A-Beratung Acxit

Die M&A-Beratung Acxit ist im Umbruch. Nach mehreren Abgängen im Mittelbau kündigt Acxit Neueinstellungen an – und will seine Ausrichtung verändern.

Die M&A-Beratung Acxit muss ihren Mittelbau personell neu aufstellen. FINANCE-Informationen zufolge sind im Jahr 2018 mindestens zehn Mitarbeiter gegangen, davon fünf auf Executive-Director-Ebene. Neueinstellungen sind dem Beratungshaus zufolge geplant – allerdings will die M&A-Beratung gleichzeitig auch ihren Fokus und damit auch das Anforderungsprofil an ihre Mitarbeiter verändern. 

Erste Neueinstellungen hat die M&A-Beratung bereits getätigt. So kamen im vergangenen Jahr der Senior Industry Advisor Michael Brecht im Bereich Mobilität sowie Jörg Schürmann als Managing Director im Real-Estate-Sektor an Bord. Hinzu kommen einem Acxit-Sprecher zufolge noch zwei weitere Neuzugänge auf Executive-Director-Level. Zugänge auf dieser Ebene würden allerdings grundsätzlich nicht öffentlich vermeldet, weshalb Acxit die Namen dieser Mitarbeiter nicht nennen will.

Zwei Kollegen gründen M&A-Beratung Montis

Die Anzahl der Abgänge im Mittelbau ist aktuell aber noch größer. Veränderungen gab es im Team, das bei Immobilientransaktionen berät: Neil Hennessy, bis Februar 2018 dort als Executive Director tätig, wechselte im März als Head of Portfolio zu Greenman Investments. Ein Associate aus dem Real-Estate-Team wechselte nach FINANCE-Informationen als Managing Director zu dem Family Office der Familie Schapira, einem Kunden von Acxit.

Die Vakanz im Real-Estate-Sektor schien zunächst schnell kompensiert: Gemeinsam mit Managing Director Jörg Schürmann kam auch Benjamin Uhde von der IKB als Executive Director zu Acxit. Doch Uhde verließ das Beratungshaus schon nach wenigen Monaten wieder und ist seit Oktober für Aggregate Financial Services tätig. 

Die beiden vormaligen Executive Directors Klaus Wagner und Birger Nahs, die 2015 im Zuge der Fusion von Acxit mit Corporate Finance Partners zu dem Beratungshaus kamen, haben sich Ende 2018 mit weiteren Kollegen selbstständig gemacht und sind nun Co-Gründer und Managing Partner der M&A-Beratung Montis. Einen früheren Acxit-Analysten haben sie dorthin mitgenommen. Der dritte Montis-Co-Gründer Thorsten Hackspiel und zwei weitere Montis-Kollegen waren in der Vergangenheit für das Beratungshaus Walter Fries Corporate Finance tätig. 

Stout holt Berliner Büroleiter von Acxit

Das Ziel von zwei weiteren prominenten Acxit-Abgängern wurde in der vergangenen Woche bekannt: Der vormalige Acxit-Executive-Director Mathis Wilke sowie Ex-Associate Kevin Kissner wechselten in die frisch eröffnete deutsche Dependance der US-Investmentbank Stout. Ebenfalls ins Bankwesen zog es Associate Jochen Kasper, der zu Berenberg wechselte, wohin ihm nach FINANCE-Informationen inzwischen ein weiterer Associate gefolgt ist. 

Insgesamt sind auf dem Level der Associates und Analysts im vergangenen Jahr nach FINANCE-Recherchen mindestens fünf Acxit-Mitarbeiter gegangen. Acxit bezeichnet dies als branchenübliche Fluktuation, Abgänge und Neueinstellungen hielten sich in etwa die Waage. In diesem Jahr will Acxit fünf bis sieben neue Analysts und Associates einstellen. Auch auf Senior-Ebene seien Neueinstellungen geplant.

M&A-Berater sollen internationaler werden

Dass in den vergangenen Monaten derart viele M&A-Berater aus dem Mittelbau das Beratungshaus verlassen haben, führt Acxit auch auf eine neue Ausrichtung zurück: Künftig sollen „verstärkt größere Transaktionen sowie die weitere Internationalisierung unseres Geschäfts im Vordergrund stehen“, teilte Acxit auf eine FINANCE-Anfrage zur aktuellen Situation mit. Die Berater wollen zudem eine eigene Präsenz in den USA aufbauen. Gefragt sei demnach verstärkt internationale Erfahrung.

Insgesamt sieht sich das Corporate-Finance-Haus ungeachtet der laufenden Personalrochade auf Wachstumskurs: In den zurückliegenden drei Jahren sei die Zahl der Investmentbanking-Professionals um rund 35 Prozent gestiegen, heißt es in der Stellungnahme. Die Gesamtzahl der Mitarbeiter liege seit zwei Jahren recht unverändert bei rund 60 Personen. Allerdings war bereits in der Mitteilung zum Zusammenschluss von Acxit und Corporate Finance Partners Anfang 2015 von einer kombinierten Personalstärke von knapp 60 Investmentbanking-Professionals die Rede, gegenüber diesem Vierjahreswert wäre die Mitarbeiterzahl damit konstant.

Acxit prüft Zukunft des Berliner Büros

Die nächsten geplanten Schritte beschreibt Acxit wie folgt: Auf Senior-Level sollen Ende Februar zwei neue Berater dazukommen – in welchen Positionen und Aufgabenfeldern lässt das Beratungshaus bislang offen. Auf Managing-Director- und Director-Level – suche man gezielt nach erfahrenen Sektorspezialisten.

Diese könnten auf eine veränderte regionale Aufstellung treffen. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung will Acxit auch das Büronetzwerk auf den Prüfstand stellen, kündigt das Beratungshaus gegenüber FINANCE an. Der überwiegende Teil des operativen Geschäfts findet inzwischen in Frankfurt und München statt. Das Berliner Büro, dessen Leiter Mathis Wilke zu Stout gegangen ist, steht deshalb vor einer ungewissen Zukunft. „Für unsere Berlin-Repräsentanz prüfen wir derzeit mehrere Optionen, da sich unsere Erwartungen an Performance und Wachstum dort personalbedingt bislang nicht zufriedenstellend realisiert haben“, räumt Acxit ein.