Prominente Neuzugänge bei der Hannover Finanz: Die beiden ehemaligen Roland-Berger-Restrukturierungsexperten Sascha Haghani und Gerd Sievers steigen bei dem Private-Equity-Investor ein. Zugleich legt die Hannover Finanz ihren ersten Special-Situations-Fonds auf. Das gaben die Hannoveraner soeben bekannt.
Mit Haghani und Sievers holt sich die Hannover Finanz erfahrene Restrukturierungsexperten ins Haus. Das Restrukturierungsurgestein Haghani arbeitete zuvor mehr als drei Jahrzehnte bei Roland Berger und war zuletzt Leiter des globalen Restrukturierungsgeschäfts sowie Mitglied des Aufsichtsrats. Seinen Abschied von der Unternehmensberatung gab Haghani im Oktober vergangenen Jahres bekannt.
Sievers bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Roland Berger mit und war zuletzt gemeinsam mit Haghani Co-Leiter des Restrukturierungsgeschäfts. Ende vergangenen Jahres nahm er sich eine berufliche Auszeit, wie sein „Linkedin“-Profil verrät.
Haghani und Sievers kümmern sich um Distressed-Einheit
Die künftigen Aufgabenfelder der beiden Ex-Berater sind bereits abgesteckt. Haghani wird in den Geschäftsführerkreis um Vorstandssprecher Goetz Hertz-Eichenrode und Robert Pauli einsteigen und soll sich unter anderem um die Value Creation des Hannover-Finanz-Portfolios kümmern.
Darüber hinaus haben Haghani und Sievers spezielle Aufgaben im Bereich HF Opportunities (HFO), der Ende vergangenen Jahres ins Leben gerufenen Einheit für Distressed-Private-Equity. Dieser steht Geschäftsführer Hermann Reitze vor. Während Sievers in die HFO-Geschäftsführung eintritt und gemeinsam mit Reitze künftig die HFO-Geschäftsführung bildet, soll Haghani ebenfalls die Distressed-Sparte unterstützen.
Dafür übernimmt Haghani außerdem den Vorsitz im Investment Committee des HFO-Deutschland-Fonds, dem neu aufgelegten Special-Situations-Fonds der Hannover Finanz. Teil dieses Gremiums sind Hertz-Eichenrode, Pauli sowie der Commerzbank-Bereichsvorstand und Chief Credit Risk Officer Rüdiger Rass.
Hannover Finanz legt Special-Situation-Fonds auf
Der neue Distressed-Fonds der Hannover Finanz soll 100 Millionen Euro schwer werden. Bislang haben die Hannoveraner schon 65 Prozent des angestrebten Volumens einwerben können, vornehmlich bei deutschen Unternehmerfamilien und Family Offices. Das First Closing erwartet die Hannover Finanz im September.
„Der HFO-Deutschland-Fonds ist ein einzigartiges Projekt von Unternehmern für Unternehmer. Ich freue mich sehr, dass wir es gemeinsam mit zwei der renommiertesten Restrukturierungsexperten in Deutschland umsetzen werden. Unter dem Dach der Hannover Finanz bringen wir damit Transaktionserfahrung, Restrukturierungsexpertise und geduldiges Kapital zusammen“, lässt sich Hannover-Finanz-Sprecher Hertz-Eichenrode zitieren.
Diese Unternehmen hat Hannover Finanz im Visier
Das Geld soll in Unternehmen aus allen Branchen in der DACH-Region mit einem Umsatz von bis zu 250 Millionen Euro fließen. Besonders im Fokus stehen dabei Firmen, die „trotz aktueller Probleme einen starken Kern haben, neben Kapital auch Know-how benötigen und anderen gerade nicht besonders attraktiv erscheinen“, heißt es in der Mitteilung des Private-Equity-Hauses.
Das Besondere an dem Distressed-Ansatz der Hannoveraner: Nach der Stabilisierungsphase wollen sie das Unternehmen nicht wie andere Turnaround-Investoren gleich weiterverkaufen, sondern die Value Creation direkt nahtlos mit angehen, wie HFO-Geschäftsführer Reitze im November vergangenen Jahres im Gespräch mit FINANCE erklärte. In dieser Herangehensweise sieht die Hannover Finanz ihr Alleinstellungsmerkmal.
Hannover Finanz hat mehr Zeit für die Restrukturierung
Diesem Ansatz grundsätzlich zuträglich ist auch die Fondsstruktur des Private-Equity-Investors, denn bei den Vehikeln handelt es sich um Evergreen-Fonds. Die Hannoveraner stehen also nicht unter dem Druck, ihren Investoren innerhalb einer gewissen Periode Exits und daraus resultierende Rückflüsse zu präsentieren, wie derzeit der Großteil der Private-Equity-Branche.
Bei dem neuen Special-Situation-Fonds handelt es sich allerdings nicht um einen Evergreen-Fonds, dieser hat nämlich eine Laufzeit von zehn Jahren. Die durchschnittlichen Halteperioden sollen bei drei bis sieben Jahren liegen. „Dass wir zunächst eine klassische Laufzeit von zehn Jahren gewählt haben, ist üblich bei Restrukturierungsfonds. Wir haben aber aufgrund der Architektur und Aufstellung von Hannover Finanz insgesamt die Möglichkeit, hieraus perspektivisch in Evergreen-Strukturen zu migrieren“, begründen die Hannoveraner auf Nachfrage von FINANCE die Entscheidung, zunächst auf einen klassischen Fonds zu setzen.
Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.
