Triumph für Deloitte: Die Wirtschaftsprüfer sollen künftig Bayer prüfen.

Bayer

21.12.15
Banking & Berater

Deloitte jagt PwC Bayer-Mandat ab

Jahrelang kämpfte Deloitte vergeblich um die Prüfmandate der Dax-Konzerne, doch jetzt ist der Bann gebrochen. Die WP-Gesellschaft hat mit Bayer gleich das wertvollste Dax-Unternehmen bekommen. Die Verlierer sind Ernst & Young und KPMG.

Ausgerechnet Deloitte, die mit Abstand kleinste Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unter den Big Four, hat der Nummer 1 in Deutschland, PwC, jetzt eines ihrer Mandate abgeknöpft. Und nicht irgendeines, sondern gleich das Prüfmandat bei dem nach Marktkapitalisierung am höchsten bewerteten Unternehmen im Dax: Bayer.

„Der Bayer-Aufsichtsrat hat beschlossen, im Rahmen der Ausschreibung der Wirtschaftsprüferleistungen Deloitte als Erstplatzierten zu bestimmen. Es ist geplant, Deloitte der Hauptversammlung im Jahr 2017 zur Bestellung als Abschlussprüfer vorzuschlagen", sagte ein Bayer-Sprecher gegenüber FINANCE. Die Bestätigung durch die Hauptversammlung ist in der Regel nur noch Formsache.

Bayer-Mandat großer Erfolg für Deloitte-Chef Martin Plendl

Der Bayer-Coup ist auch ein großer Erfolg für Deloitte-Chef Martin Plendl, der sich schon seit Jahren um Prüfmandate im Dax bemüht. Deloitte hat mit K+S bislang nur ein einziges Dax-Mandat. K+S war im September 2008 in den Dax aufgestiegen, Deloitte prüft den Konzern seit 2002. Plendl, der sich gerne als Angreifer positioniert, kündigte schon mehrfach an, sich die Mandate der Konkurrenz schnappen zu wollen – doch bislang erfolglos.

Stattdessen teilten sich die übrigen drei – PwC, KPMG und Ernst & Young –  die Mandate untereinander auf. Die meisten Mandate hat mit Abstand KPMG, danach folgt PwC. EY prüft derzeit 10 Prozent der Dax30-Unternehmen (Siemens, Beiersdorf und HeidelbergCement), hat aber schon angekündigt, die Anzahl seiner Mandate in den kommenden Jahren verdoppeln zu wollen – eine Angriffserklärung gegenüber PwC und KPMG.

Dass Deloitte in diesem Geschäft bislang weitgehend außen vor geblieben ist, spiegelt sich auch im Umsatz der WP-Gesellschaft wider: Weltweit ist Deloitte die Nummer 1, doch in Deutschland haben die Wirtschaftsprüfer im Geschäftsjahr 2014/2015 lediglich einen Umsatz von 790 Millionen Euro erwirtschaftet. Zum Vergleich: Ernst & Young hat 1,53 Milliarden Euro, PwC 1,65 Milliarden Euro erwirtschaftet. KPMG hat noch keine aktuellen Zahlen vorgelegt, im Geschäftsjahr 2013/2014 lag der Umsatz bei 1,38 Milliarden Euro.

Deloitte profitiert von Rotationspflicht für WP-Gesellschaften

Seinen Erfolg hat Deloitte nicht zuletzt auch der EU-Prüferreform zu verdanken, die aktuell die Big Four umtreibt. Künftig müssen börsennotierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen alle zehn Jahre ihren Abschlussprüfer austauschen. Da es diesen Zwang bisher nicht gab, hatten sich über Jahrzehnte enge Arbeitsbeziehungen zwischen den Unternehmen und ihren jeweiligen Prüfern gebildet, die kaum zu durchbrechen waren.

Deloitte-Chef Plendl hatte die Rotationspflicht erst im Oktober gegenüber FINANCE als „Jahrhundertchance“ für Deloitte bezeichnet, die er sich nicht entgehen lassen wolle. Da sowohl EY als auch KPMG bereits wesentlich mehr Erfahrung mit der Prüfung von Dax-Unternehmen haben, überrascht es allerdings, dass Bayer sich ausgerechnet für Deloitte entschieden hat.

Doch die Münchener sind noch nicht satt. Drei bis fünf weitere Mandate will Deloitte noch gewinnen. Das prestigeträchtige Bayer-Mandat könnte sich dabei für Deloitte als Türöffner erweisen. Bislang hatte Deloitte den Ruf, vor allem im Mittelstand gut aufgestellt zu sein. Dies könnte sich jetzt ändern.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de