PwC

22.01.16
Banking & Berater

PwC prescht in IT-Beratung vor

Im Wettlauf mit KPMG, Ernst & Young und Deloitte um die beste Aufstellung im Beratermarkt legt PwC nach: Die WP-Gesellschaft kauft mit der Outbox Group ein weiteres Beratungshaus – in einem besonders attraktiven Segment.

Die größte deutsche WP-Gesellschaft PwC baut ihren Beratungsarm weiter aus und übernimmt das IT-Beratungsunternehmen Outbox Group. Das Beratungshaus ist spezialisiert auf Customer Experience, Customer Relationship Management, Marketing Automation sowie Application Maintenance und arbeitet nach eigenen Angaben mit namhaften Partnern wie Microsoft Dynamics, SAP und Oracle zusammen. Durch den Zukauf steigert PwC die Anzahl seiner Technologiemitarbeiter in der Region EMEA auf rund 3.000.

Die Outbox Group ist nicht der erste Zukauf des WP-Hauses im lukrativen Beratungsgeschäft. In den vergangenen Jahren hatte PwC immer wieder seinen Beratungsarm gestärkt, zuletzt wurde die Unternehmensberatung Strategy& (ehemals Booz & Company) sowie das auf Business Intelligence und Data Analytics spezialisierte Beratungshaus Cundus gekauft.

PwC kämpft mit KPMG, EY und Deloitte um die Beratungsmandate

Für PwC ist es besonders wichtig, seine Beratungskompetenz zu stärken: Schon seit Jahren zeichnet sich ab, dass das große Geld nicht mehr im klassischen Geschäft der Wirtschaftsprüfung zu machen ist, wo die Umsätze nur noch niedrig einstellig wachsen. Die Unternehmensberatung, die bei allen großen Wirtschaftsprüfern zweistellig wächst, ist lukrativer – insbesondere dann, wenn es um IT- und Digitalisierungsthemen geht, die bei allen Big Four ganz oben auf der Agenda stehen. Die Wettbewerber investieren daher massiv in die Beratung. EY kaufte zuletzt J&M Management Consulting, KPMG erwarb p³ Consulting und die CTG Corporate Group. Deloitte hat sein Beratungsgeschäft im Gegensatz zu den anderen dreien nie verkauft. Jeder der Big Four will die beste Unternehmensberatung werden.

PwC muss zusehen, dabei nicht abgehängt zu werden, denn die Gesellschaft wuchs mit zuletzt 6,3 Prozent schwächer als die Wettbewerber KPMG, Ernst & Young und Deloitte. Ernst & Young droht PwC sogar den Titel als größte WP-Gesellschaft in Deutschland abzujagen. EY ist der Nummer 1 PwC dicht auf den Versen, mit einem Umsatzwachstum von konstant 9 Prozent in den vergangen Jahren hat EY die ehemalige Nummer 2 KPMG bereits überholt. 

PwC droht Umsätze in der Wirtschaftsprüfung zu verlieren

PwC muss sich auch deswegen stärker in der Beratung aufstellen, weil die WP-Gesellschaft in den kommenden Jahren viele ihrer großen Prüfmandate verlieren wird. Die neu beschlossene Pflichtrotation für Prüfmandate schreibt vor, dass Unternehmen ihre Prüfer bis 2022 wechseln müssen – PwC prüft alleine im Dax-30 zehn Unternehmen und hat damit neben KPMG am meisten zu verlieren.

Gleichzeitig ist das für PwC aber auch eine große Chance, denn wo eine Gesellschaft nicht mehr prüfen darf, hat sie gute Karten, ein größeres Stück vom Beratungskuchen abzubekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen an seinen früheren Prüfer mehr Beratungsaufträge vergibt, ist groß, immerhin kennt kein anderer das Unternehmen so gut. PwC prüft derzeit beispielsweise die Deutsche Telekom oder Volkswagen, wo eine verstärkte IT-Beratung zukünftig in Frage käme.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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