PwC darf bei der Deutschen bahn weiterhin die Bilanzen prüfen – zumindest für die nächsten Jahre.

Deutsche Bahn

20.09.16
Banking & Berater

PwC rettet Deutsche-Bahn-Mandat

Fast hätte PwC sein Prüfmandat bei der Deutschen Bahn an den Konkurrenten EY verloren. Doch es ist nur eine Rettung auf Zeit.

Aufatmen bei PwC: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft darf ihr Prüfmandat bei der Deutschen Bahn weiterhin behalten. Der Staatskonzern hatte das Mandat neu ausgeschrieben, weil der Vertrag von PwC nach dem Geschäftsjahr 2016 ausläuft. PwC-Rivale Ernst & Young (EY) war drauf und dran, das prestigeträchtige Mega-Mandat zu ergattern.

EY hatte gute Argumente auf seiner Seite, schließlich hat die WP-Gesellschaft bereits Erfahrung mit der Prüfung von Bahnkonzernen, beispielsweise mit der französischen SNCF oder der österreichischen ÖBB. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat sich am Ende aber dennoch für PwC entschieden.

PwC prüft die Deutsche Bahn seit Jahrzehnten

Befürworter der Wirtschaftsprüferrotation hätten sich einen Wechsel gewünscht, prüft PwC die Bilanzen der Deutschen Bahn doch schon seit Jahrzehnten – angeblich sogar schon seit 37 Jahren.

Kritiker sehen in solchen Konstellationen die Gefahr von gegenseitigen Abhängigkeiten und sich einschleifenden Nachlässigkeiten im Prüfprozess. Klar ist, dass PwC das Unternehmen seit mindestens 1994 prüft, dem Jahr, in dem die Deutsche Bahn zu einer AG umgewandelt wurde.

Dass PwC hart um das Mandat gekämpft hat, ist kein Wunder. Die Prüfung der Deutschen Bahn dürfte inzwischen sehr routiniert verlaufen. Bei einem neuen Mandat in einem fremden Unternehmen hätte PwC sich erst langwierig einarbeiten müssen.

Hinzu kommt, dass das Deutsche-Bahn-Mandat verhältnismäßig gut bezahlt ist: Insgesamt hat PwC im vergangenen Geschäftsjahr von der Bahn 33,5 Millionen Euro kassiert, davon 10,5 Millionen Euro für die Prüfung der deutschen Gesellschaften und weitere 23 Millionen Euro für prüfungsnahe Leistungen wie Steuerberatung.

Deutsche Bahn muss bis 2023 den Abschlussprüfer wechseln

Diese Summen gehören mit zu den höchsten, die am deutschen Prüfermarkt bezahlt werden. Zum Vergleich: Bei Bayer hat PwC von den deutschen Gesellschaften des Dax-Konzerns 2015 insgesamt 28 Millionen Euro bekommen, davon 7 Millionen Euro für die Prüfung.  Bei der Deutschen Post waren es 13 Millionen Euro (10 Millionen Euro für die Prüfung),  bei der Lufthansa rund 6 Millionen Euro (davon 2 Millionen Euro für die Prüfung). Das Deutsche-Bahn-Mandat gehört also zu den am besten bezahlten PwC-Mandaten.

Für PwC ist die Sicherung des Bahn-Mandats allerdings nur ein Sieg auf Zeit. Der neue Vertrag läuft fünf Jahre, mit Option auf eine Verlängerung um zwei weitere Jahre. Dann wird die lange Liaison zwischen den beiden Unternehmen zu Ende gehen. Spätestens 2023 muss die Deutsche Bahn ihren Abschlussprüfer wechseln, so schreibt es die neue Abschlussprüferordnung vor.

Prüfungsdauern von über 30 Jahren wie im Fall PwC/Deutsche Bahn werden dann endgültig der Vergangenheit angehören, denn alle Prüfmandate müssen künftig  nach spätestens zehn Jahren neu ausgeschrieben werden.

Möglicherweise hat EY – nach den umfangreichen Vorarbeiten, die das Beratungshaus für den jetzigen Pitch unternommen hat – dann die besten Chancen auf den Zuschlag bei der Deutschen Bahn. Weil viele Unternehmen eine Übergangszeit für sinnvoll halten, in denen der alte Prüfer den neuen einweist, könnte EY sogar schon im Jahr 2021 oder 2022 zum Zug kommen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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