Sartorius-CFO Rainer Lehmann: Abschied im großen Stil

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Rainer Lehmann sichert Sartorius eine Milliardenfinanzierung - unser CFO des Monats. Foto: Sartorius
Rainer Lehmann sichert Sartorius eine Milliardenfinanzierung - unser CFO des Monats. Foto: Sartorius

Noch bleiben Rainer Lehmann, CFO des Biopharmazulieferers Sartorius, etwa 30 Tage im Amt. Ende Oktober wird er das Unternehmen verlassenseine Aufgaben übernimmt im kommenden April Florian Funck. Bevor Lehmann aussteigt, hat er Sartorius noch ein schönes Abschiedsgeschenk gemacht – in Form einer Milliardenfinanzierung. Im September hat Lehmann Anleihen im Gesamtwert von 3 Milliarden Euro platziert und damit die Brückenfinanzierung für eine große M&A-Transaktion abgelöst. Diese Finanzierung macht den Finanzchef zu unserem CFO des Monats September.

Sartorius-Anleihen waren sechsfach überzeichnet

Ein Grund für die Auszeichnung: Das Interesse seitens der institutionellen Investoren war den Angaben von Sartorius zufolge so stark, dass die Bonds sechsfach überzeichnet wurden. Die Emission wurde in vier Tranchen aufgeteilt mit Laufzeiten zwischen drei und zwölf Jahren und bietet den Gläubigern einen Kupon zwischen 4,31 und 4,94 Prozent.

„Diese Transaktion ist ein herausragender Erfolg für Sartorius. Sie bestätigt unser Ansehen und das Vertrauen der Kapitalmärkte in das Unternehmen und seinen strategischen Kurs“, kommentierte CFO Lehmann das rege Interesse der Investoren.

Für den Biopharmazulieferer Sartorius ist die Transaktion vor allem ein Vertrauensbeweis seitens der Investoren. Mit ihr ist das Unternehmen aber auch langfristig finanziell gut aufgestellt, denn der Nettoerlös der Anleiheemission soll die von JP Morgan bereitgestellte Brückenfinanzierung ablösen, mit der zuvor die Übernahme des französischen Branchenkollegen Polyplus finanziert wurde.

Lehmann begleitete Polyplus-Übernahme

Immer wieder machte Lehmann mit M&A-Deals auf sich und Sartorius aufmerksam. Erst Mitte Juli dieses Jahres verkündete der Göttinger Konzern den Abschluss der Akquisition von Polyplus. Für den Zukauf legte Lehmann satte 2,4 Milliarden Euro auf den Tisch. Eigenen Angaben zufolge seien die Lösungen von Polyplus komplementär zum Sartorius-Portfolio, vor allem im Bereich von Zellkulturmedien.

Ein weiterer Erfolg des CFO: Ende August vergab die Ratingagentur S&P erstmals ein Kreditrating an den Dax-Konzern – im Investmentgrade-Bereich. S&P hat den Biopharmazulieferer dabei ein solides Rating von BBB mit stabilem Ausblick ausgestellt, wie sowohl die Agentur als auch Sartorius mitteilten. Und auch die emittierten Anleihen wurden in dem Zuge mit BBB bewertet. Damit hat Lehmann Sartorius den Weg für weitere Kapitalmarktfinanzierungen geebnet.

Sartorius profitiere von einer etablierten Position in einem schnell wachsenden Markt, begründete S&P. Trotz des Abbaus von Lagerbeständen bei biopharmazeutischen Unternehmen und dem Wegfall von pandemiebedingten Umsätzen dürfte der Bioprocessing-Markt mittelfristig um 10 Prozent pro Jahr wachsen. In genau diesem Bereich hat sich der Dax-Konzern mit Polyplus verstärkt.

CFO Lehmann seit März 2017 im Amt

Mit Rainer Lehmann muss Sartorius bald einen langjährigen Weggefährten ziehen lassen, der das Unternehmen in und auswendig kennt. Er startete seine Karriere bereits 1999 bei den Göttingern. Nach einem zweijährigen Zwischenstopp von 2004 bis 2006 bei dem Chemielogistiker Biesterfeld kehrte der heute 48-Jährige zurück zu dem Biopharmakonzern, wo er zunächst in den USA die Leitung des Finanzbereichs der nordamerikanischen Gesellschaften übernahm. Dort koordinierte er außerdem den Aufbau mehrerer Konzerngesellschaften in Lateinamerika.

Im Jahr 2010 trat der zweifache Vater seine erste CFO-Position für die Region Americas an. Für die konzernweiten Geschäftsprozesse übernahm er 2016 die Verantwortung, bevor er im März 2017 schließlich als Finanzchef in den Vorstand von Sartorius aufstieg.

In seiner jetzigen Funktion ist der 48-Jährige für die Bereiche Finanzen & Controlling, IT, Geschäftsprozess- und Datenmanagement, Konzerneinkauf, E-Business-Plattformen und Post-Merger-Integration verantwortlich. Für seine vielschichtige Arbeit als CFO für den Dax-Konzern wurde Lehmann für das abgelaufenen Geschäftsjahr 2022 mit knapp 1,3 Millionen Euro vergütet. Im nächsten FINANCE-Gehaltsranking der Dax-Finanzchefs wird er nicht mehr vertreten sein.

Sartorius mit Umsatzrückgang im ersten Halbjahr

Mit dem jüngst abgeschlossenen M&A-Deal und der festgezurrten Finanzierung verlässt Lehmann Sartorius mit einem großen letzten Auftritt. Ihn zieht es zu dem dänischen Biotech-Unternehmen Novozymes, wo er am 1. November dieses Jahres sein Amt als Finanzvorstand antritt. Doch sein Nachfolger Florian Funck wird sich trotzdem nicht zurücklehnen können. Im ersten Halbjahr 2023 verzeichnete Sartorius einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von 15,4 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) sank um 25,9 Prozent auf 517 Millionen Euro.

Dem Konzern machen nach dem Boom während der Coronakrise primär Auftragsrückgänge zu schaffen, aber auch geopolitische Unsicherheiten beinträchtigen das Geschäft. Sartorius hat in den vergangenen Jahren von der Corona-Pandemie profitiert, da der Konzern vor allem die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen maßgeblich begleitet, aber auch Zubehör für Corona-Tests verkauft. Der Aufschwung ist aber vorbei: Im Juni korrigierte Sartorius die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2023 nach unten.

Nun liegt es an Lehmanns Nachfolger, die Zahlen wieder in Richtung des Corona-Niveaus zu lenken – und darüber hinaus. Und die Basis dafür ist vorhanden: Nach wie vor liegen die Ebitda-Margen von Sartorius bei um die 30 Prozent, der Verschuldungsgrad liegt trotz kürzlichem Mega-M&A-Deal bei leicht erhöhten, aber immer noch komfortablen 2,1x Ebitda.

Parallel wird auch die Integration von Polyplus in das Aufgabenfeld von Funck fallen. Noch viel wichtiger dürfte es aber sein, dass der neue Finanzchef seine eigene Duftmarke mit Perfect-Fit-Deals und Finanzierungen zu attraktiven Konditionen setzt – und nicht im Schatten seines Vorgängers agiert.

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling, Gehalt und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.