29.09.11
CFO

Das ungeliebte Kind

Immer häufiger verantwortet der CFO das IT-Ressort. Er kann es auch nicht loswerden, spätestens bei der Kostenfrage kommt das Thema zu ihm zurück. Dabei fühlen sich viele Finanzchefs in dieser Rolle nicht sonderlich wohl.

Der Technologiekonzern Schott hat seine IT schon vor Jahren ausgelagert. Das Mainzer Unternehmen ist damit derart zufrieden, dass es Ende März dieses Jahres einen fünfjährigen Second-Generation-Outsourcingvertrag mit dem bisherigen Partner Hewlett-Packard (HP) abgeschlossen hat. Damit führen die beiden Unternehmen die seit 2004 bestehenden  Geschäftsbeziehungen im Bereich IT-Outsourcing  fort. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll das Volumen des Vertrags zwischen 40 und 60 Millionen US-Dollar liegen. hatte den Deal eingetütet. Bei dem Deal wird klar, um welche Summen bei der Unternehmens-IT verschoben werden. Den Deal hat wohl Schott-Finanzvorstand Klaus Rübenthaler eingetütet. Er verantwortet bei dem Technologiekonzern seit 2003 unter anderen das Controlling, das Treasury und die Informationstechnologie. 

In deutschen Unternehmen ist der CFO inzwischen häufig für die IT zuständig. Nicht ohne Grund, ziehen seine Bereiche Rechnungswesen, Controlling und Treasury doch auch einen großen Nutzen daraus. Über neue Softwaretools und Updates werden die Prozesse in der Finanzabteilung immer stärker automatisiert, wodurch die Unternehmen wiederum ihre Kosten immer weiter senken können. Diese Entwicklung belegt auch eine Studie des Marktforschungsinstituts Gartner unter 344 Finanzentscheidern, von denen etwa drei Viertel CFOs (CFO des Unternehmens: 66 Prozent, CFO einer Business Unit: 9 Prozent) sind. Der zufolge entscheiden mehr als ein Viertel der CFOs über IT-Investitionen allein. Noch vor einem Jahr waren es lediglich 11 Prozent. 

CFO löst CIO ab

Da ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Unternehmen das IT-Ressort im Vorstand dem CFO zuweisen. „Die IT kommt spätestens bei der Frage nach den Kosten wie ein Boomerang zum CFO zurück“, sagt Roland Werner, Leiter Consulting-Dienstleistungen bei IBM. „Es ist eine natürliche Reaktion der Unternehmen den CIO an den CFO zu hängen.“ Das ist ein Trend, der sich in den letzten zehn Jahren durchgesetzt hat. Um die Jahrtausendwende haben noch sehr oft die „Chief Information Officers“ (CIOs) die IT-Entscheidungen inklusive der benötigten Budgetfreigaben getroffen. Der Grund: Im Zuge des neuen Marktes haben die IT-Leiter erst an Bedeutung gewonnen und mitunter sogar in die Vorstandsetage Einzug gehalten. Als die Internetblase platze, wendete sich das Blatt jedoch wieder schnell. „Etwa ein Drittel der CIOs berichten in Deutschland inzwischen an den CFO“, sagt Werner. Der Gartner-Studie zufolge unterstehen sogar 42 Prozent der IT-Abteilungen dem Finanzchef. Beispiele finden sich schnell: SGL-Carbon-CFO Jürgen Muth, Wacker-Chemie-Finanzchef Joachim Rauhut, Metro-CFO Olaf Koch und Hugo-Boss-Finanzvorstand Mark Langer haben zusätzlich das IT-Ressort inne.

Doch manch ein Experte bezweifelt, dass der CFO der richtige Mann für das IT-Ressort ist, da gerade bei Industrieunternehmen auch einzelne operativ tätige Business Units bei den IT-Entscheidungen eingebunden werden. „Ich würde das IT-Ressort eher beim  COO ansiedeln, da er oftmals die Prozessinfrastruktur verantwortet“, sagt ein Experte von einer namhaften IT-Beratung. „Wir haben bei der Digitalisierung eine sehr enge Verzahnung zwischen den Geschäftsprozessen.“ Nur wenn die Vorstandsposition des Chief Operating Officers nicht existiere, sei die IT beim CFO am besten angesiedelt. 

Für den Finanzvorstand selbst ist das IT-Ressort oft ein ungeliebtes Kind. „Mir bereitet das Thema IT mitunter Kopfzerbrechen, da ich mich in den aktuellen Themen wie Cloud Computing und Software-as–a-Service überhaupt nicht auskenne“, verrät ein CFO eines MDAX-Unternehmens, der verständlicherweise nicht namentlich genannt werden möchte. Ein anderer Finanzchef tut es mit einer Handbewegung ab: „Es gibt CFOs, die sich den ganzen Tag über SAP Business Warehousing unterhalten können. Mich interessiert das überhaupt nicht.“ Jörg Kasten, Managing Partner der Personalberatung Boyden Global Executive Search, meint sogar, dass „der CFO fachlich häufig nicht dazu in der Lage ist, IT-Entscheidungen zu treffen“.  Roland Werner von IBM drückt es diplomatischer aus: „Der CFO muss etwas von IT verstehen und der CIO muss etwas von Finanzen verstehen. Wenn das nicht gegeben ist, braucht der Finanzchef Nachhilfe vom IT-Experten und umgekehrt.“ Zwischen den beiden kann es mitunter auch zu Spannungen kommen, da es ein klassisches Principal-Agent-Problem gibt: Der CFO ist auf den IT-Experten angewiesen, der CIO könnte die Unwissenheit ausnutzen.

Technik nicht Sache des CFOs

Selbst in einem Softwareunternehmen verantwortet der CFO mitunter das IT-Ressort. „Unser Unternehmen ist nicht so groß, dass ich nur die Finanzbrille aufhaben kann“, sagt Andreas Seidl, CFO von UC4 Software. Wenn eine Fachabteilung des Softwareunternehmens, das 2010 einen Umsatz von 72 Millionen US-Dollar erzielt hat, sich eine größere Investition wünscht, dann setzt sich Seidl mit den Verantwortlichen der Fachabteilung und seinem IT Director zusammen und prüft das Thema. „Wenn es um das Technische geht, verlasse ich mich auf unseren IT-Spezialisten“, sagt Seidl. Er habe zwar einen technischen Background durch Karrierestationen bei Ebay und McKinsey, der ihm helfe. „Aber man kann nicht von einem CFO erwarten, dass er vor allem bei neuen Technologien einen Kenntnisstand, hat der für größere IT-Entscheidungen ausreichend ist.“ Die finale Entscheidung über größere IT-Investitionen treffen bei dem Softwareunternehmen letztlich CEO und CFO gemeinsam. 

Das IT-Ressort mag bei manch einem Finanzchef zu den unbeliebteren Themengebieten gehören. Doch aufgrund der enormen Summen, die Unternehmen in diesen Bereich investieren (müssen), und den Nutzen, den der CFO und seine Finanzabteilung daraus ziehen können, sollte er das Thema nicht unterschätzen. 

sabine.paulus(*)finance-magazin(.)de