Newsletter

Abonnements

Finanzabteilungen sind nicht international aufgestellt

iStock / Thinkstock / Getty Images

Beim Thema Diversity Management denken viele Unternehmen in Richtung Geschlecht oder Alter. Doch in der Finanzabteilung sind Diversity-Probleme oftmals eher in der Internationalität zu suchen. „Deutsche, französische und britische Unternehmen setzen im Finanzbereich sehr gerne Manager aus dem eigenen Heimatland ein“, sagt Sebastian Huber, Projektmanager bei der Strategieberatung Roland Berger. „Wenn es ums Geld geht, vertrauen Firmen der eigenen Mannschaft.“ Er bestätigt damit die Ergebnisse einer Studie, die CFO Insight kürzlich vorlegte. Das sei keine Diskriminierung, betont Huber. Denn in der Regel werden offene Stellen aus dem eigenen Netzwerk bedient und das ist naturgemäß im Heimatland am größten. Hinzu kommt: „Die Finanzabteilungen haben bis ins mittlere Management hinein eine sehr gute Frauenquote“, sagt Huber. Der Grund: Durch wiederkehrende Projekte wie etwa Jahresabschlüsse oder Investorenberichte ist der Arbeitsalltag gut planbar und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können vermehrt mit Teilzeitmodellen arbeiten. 

Beim Top-Management kommt zum Thema Internationalität noch die Frage nach dem Geschlecht. Auf Vorstandsebene sind Ausländer und Frauen eine Seltenheit.  Die Untersuchung von CFO Insight zeigt über ganz Europa hinweg  eine sehr homogene CFO-Landschaft: In der Regel sind die Finanzvorstände männlich und stammen aus den Ländern, in denen die Unternehmen ihren Hauptsitz haben. Nur wenige europäische Großkonzerne haben Frauen als Finanzvorstände: Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle hat beispielsweise seit April dieses Jahres mit Ling Martello, Jahrgang 1958, eine US-amerikanische Staatsbürgerin chinesischer und philippinischer Herkunft als neuen Finanzvorstand. Bei den deutschen Großkonzernen sind nur wenige Ausländer in der Position eines CFOs, von Frauen ganz zu schweigen.  

Doch das Thema ist bei den deutschen Unternehmen zunehmend präsent. Im Dax und im MDAX setzten sich alle Firmen mit dem Diversity Management auseinander. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Stuttgarter Autobauer Daimler, der seit 2005 „auf eine für Daimler passende Mischung zwischen Männern und Frauen“ achtet, wie es seitens der Stuttgarter heißt. Bis 2020 wollen sie 20 Prozent Frauen in Führungspositionen. Seit 2008 sind die beiden Diversity-Dimensionen Generationen und Internationalität ebenfalls bei Daimler in den Fokus gelangt. 

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.