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CFO Frank Lutz verlässt MAN

Finanzchef Frank Lutz verlässt den Nutzfahrzughersteller MAN.
MAN

MAN-CFO Frank Lutz nimmt seinen Hut. Der Finanzvorstand hat den Lkw-Bauer mit sofortiger Wirkung verlassen, nachdem er sich mit dem Aufsichtsrat auf eine „einvernehmliche Aufhebung seines Vertrages“ geeinigt hatte, wie es in einer Unternehmensmitteilung heißt. Lutz‘ Vorstandsmandat wäre erst Ende 2017 ausgelaufen. Seine Aufgaben übernimmt jetzt MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen.

Frank Lutz wollte nicht nur Finanzchef einer VW-Tochter sein

Gründe für das Ausscheiden von CFO Lutz nannte MAN nicht. Die Süddeutsche Zeitung berichtet jedoch in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf Konzernkreise, dass Frank Lutz offenbar nicht abwarten wolle, bis der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durch den Volkswagen-Konzern in Kraft tritt. „Damit würde sein Bereich mit Aufgaben wie Investor Relations, Finanzierungen und Jahresabschlüssen wegfallen und zentral über Wolfsburg laufen“, zitiert die Zeitung einen Unternehmenskenner. VW hat im vergangenen Jahr seinen Stimmrechtsanteil bei MAN auf 75,03 Prozent aufgestockt und strebt nun einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag an. Nach Abschluss dieses Vertrags wäre Lutz de facto „nur noch“ der Finanzchef einer VW-Tochter und nicht mehr der CFO eines eigenständigen Konzerns.

Gegenüber FINANCE sagte der ehemalige Goldman-Sachs-Banker einmal in einem Interview im Jahr 2010: „Mir wäre es viel zu langweilig, wenn sich mein Job nur um das Reporting von Zahlen drehen würde.“ Dieses Schicksal drohte dem gebürtigen Stuttgarter als CFO einer VW-Tochter durchaus. VW könnte MAN schon nach einem entsprechenden Hauptversammlungsbeschluss in diesem Sommer vollständig kontrollieren und danach die restlichen MAN-Aktionäre mit einem Geldangebot abfinden.

Investmentbanker Frank Lutz hat MAN für den Kapitalmarkt fit gemacht

Lutz wurde im Zuge der Korruptionsaffäre bei MAN nach oben gespült, die seinen Vorgänger Karlheinz Hornung das Amt kostete. Er kam im November 2006 als Finanzdirektor zu MAN. In dieser Position verantwortete er Bereiche wie Treasury, Corporate Finance, Asset & Pension Management, Export- und Projektfinanzierung der MAN-Gruppe. „Dass ich so schnell CFO werden würde, hätte ich nicht gedacht. Selbst als der Vorstand bereits zurückgetreten war, habe ich daran keinen Gedanken verschwendet“, sagte Lutz nach seiner Berufung zu FINANCE.

Vor seinem Einstieg bei MAN war der Schwabe 12 Jahre im Investmentbanking aktiv, unter anderem als Leiter des deutschen Investmentbanking-Geschäftes mit industriellen Firmenkunden der Deutschen Bank und bei Goldman Sachs. Diese Erfahrungen haben ihm geholfen, als er beispielsweise beim Nutzfahrzeughersteller einen Pensionsfonds eingeführt und den Kapitalmarktauftritt von MAN – einschließlich eines Ratingprozesses durch S&P und Moody’s – verbreitert hat. Ende 2009 wurde der Investmentbanker mit M&A-Erfahrung zum Finanzvorstand der MAN SE berufen. Mit 40 Jahren gehörte er damals zu den jüngsten CFOs eines DAX-Konzerns.

Neuer MAN-Finanzchef muss Kosten sparen

Ein neuer MAN-Finanzchef dürfte es deshalb nicht leicht haben, in die Fußstapfen von Frank Lutz zu treten. Hinzu kommt, dass der Lkw-Bauer 2012 aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa eine schwache Performance hingelegt hatte. Der Umsatz sank um 4 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro, das operative Ergebnis reduzierte sich auf 225 Millionen Euro (Vorjahr: 565 Millionen Euro) bei steigenden Kosten. Einsparungen vor allem in der Verwaltung, aber auch Synergien im Einkauf mit VW und Scania sollen helfen, MAN wieder profitabler zu machen. Dennoch hatte der bisherige MAN-CFO Lutz bei der Bilanzpressekonferenz in München Anfang Februar erklärt, dass wohl auch 2013 der Umsatz sinken und sich das operative Ergebnis überproportional in die gleiche Richtung entwickeln würde. „Wir sehen noch nicht klar, wohin die Reise geht“, begründet der damalige MAN-CFO Lutz seine Zurückhaltung beim Ausblick.

Wohin seine persönliche Reise geht, ist zum derzeitigen Zeitpunkt ebenfalls noch nicht bekannt. Aber eins ist sicher: Der ehrgeizige Lutz dürfte bald wieder an prominenter Stelle in der deutschen Unternehmenslandschaft auftauchen. Vorerst will er eine Pause einlegen und „zu gegebener Zeit“ seine neuen Kontaktdaten mitteilen, wie er an bestehende Kontakte, darunter auch FINANCE, zum Abschied schrieb.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Frank Lutz war seit Dezember 2009 Finanzvorstand des Nutzwagenherstellers MAN. Nach dem Studium in St. Gallen ging er zu Goldman Sachs und arbeitete für die Bank in Frankfurt am Main, London und New York. Seine Karriere begann er als Kreditanalyst in London, wechselte dann als Business-Unit-Manager nach Frankfurt und ging danach als Vice President der Financial Institutions Group nach New York. Als Vice President für Financial Institutions kam er nach Frankfurt zurück. Zuletzt war er bei Goldman Sachs als Projektmanager für M&A und Corporate-Finance-Transaktionen von Banken, Versicherungsunternehmen und Vermögensverwaltungen im deutschsprachigen Raum zuständig.

Nach zehn Jahren bei Goldman Sachs wechselte der gebürtige Schwabe zur Deutschen Bank, wo er das gesamte Investmentbankinggeschäft mit industriellen Firmenkunden im deutschsprachigen Raum über alle Produkte hinweg geleitet hat. Nach zwei Jahre bei Deutschlands größtem Geldhaus stieg Lutz beim Kunden MAN ein. Seinen Wechsel begründete er mit dem Satz: „Es war mein Traum, einmal von der Banker-auf die Kundenseite zu wechseln.“ Mit 37 ging dieser dann in Erfüllung. 2006 wurde Frank Lutz Senior Vice President für den Bereich Finanzen bei MAN.

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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