Charles-Edouard Bouée übernimmt den CEO-Posten bei Roland Berger.

Roland Berger

30.06.14
CFO

Charles-Edouard Bouée wird CEO bei Roland Berger

Charles-Edouard Bouée übernimmt die Leitung der Strategieberatung Roland Berger. Nach einem turbulenten Jahr mit diversen Fusionsgerüchten setzen die Partner damit auf Kontinuität: Der Franzose gilt als enger Vertrauter von Comeback-CEO Burkhard Schwenker, der wieder in den Aufsichtsrat wechselt. Doch das strategische Dilemma bleibt.

Wechsel an der Spitze von Roland Berger: Bei ihrem turnusmäßigen Treffen in Frankfurt am Main haben die 200 teilnehmenden Partner von Roland Berger den Asienchef und COO Charles-Edouard Bouée zum neuen CEO der Strategieberatung berufen. Der 45-Jährige folgt auf Burkhard Schwenker, der in den Aufsichtsrat zurückkehrt.

Mit dem Franzosen Bouée steht erstmals in der 47-jährigen Unternehmensgeschichte ein Ausländer an der Spitze von Roland Berger. Seine Wahl kam dennoch nicht überraschend: Bouée, der 2001 von A.T. Kearney zu Roland Berger wechselte, gilt als enger Vertrauter von Schwenker und ist eine Schlüsselfigur in der Neuausrichtung des Unternehmens: Unter seiner Leitung hatte die Strategieberatung im vergangenen Jahr ein „umfassendes Leistungsprogramm“ aufgelegt, durch das Umsatz und Gewinn verbessert werden sollen.

Roland-Berger-Partner formulieren hohe Ansprüche an neuen CEO

Als bisheriger Asien-Chef und Verantwortlicher für den Bereich Global Operation steht Bouée außerdem für den internationalen Bedeutungsanspruch der Beratung. Bei dem Treffen in Frankfurt formulierten die Partner erneut die vollmundige Ambition, Roland Berger zur „wertvollsten Unternehmensberatung“ aufzubauen.

Für den neuen CEO Bouée ist das keine kleine Aufgabe, denn Roland Berger steckt in einem strategischen Dilemma: Das Firmennetzwerk ist kleiner als das anderer großer Strategieberater wie BCG und McKinsey – insbesondere in Nordamerika mangelt es Roland Berger an Präsenz. Außerdem drängen die vier großen Wirtschaftsprüfer PwC, Deloitte, KPMG und Ernst & Young (EY) immer stärker in die Kernbereiche von Roland Berger. Den zahlreichen Übernahmegerüchten durch einen der Big Four hatten die Partner im vergangenen Dezember aber eine klare Absage erteilt.

Nach den gescheiterten Verhandlungen hatte Berger zuletzt auch mit dem Weggang qualifizierter Mitarbeiter zu anderen Beratungsgesellschaften zu kämpfen. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass Alix Partners zwei Führungskräfte von Roland Berger abgeworben hatte. Bei dem turnusgemäßen Treffen hat Roland Berger nun auch zwölf neue Partner ernannt.

Burkhard Schwenker wieder im Aufsichtsrat

Im Zuge der Wahl kehrt der langjährige CEO Burkhard Schwenker in den Aufsichtsrat zurück. Der heute 56-Jährige hatte zunächst von 2003 bis 2010 an der Spitze der Beratung gestanden, im Mai 2013 hatte er den Aufsichtsratsvorsitz erneut gegen den Chefsessel eingetauscht. Sein Vorgänger Martin C. Wittig, der vom CFO- auf den CEO-Posten gewechselt war, trat damals aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Schwenkers Nachfolger Charles-Edouard Bouée begann seine Karriere als Investmentbanker bei Société Générale. 2001 wechselte er von A.T. Kearney zu Roland Berger. Bevor der Harvard-Absolvent (MBA) und Jurist die Leitung des Asiengeschäfts der Beratung übernahm, war er Vorsitzender für die Regionen Frankreich, Belgien und Nordafrika von Roland Berger.

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