Früherer CFO Markus Schürholz wechselt zu Scholz AG

Praktiker

17.07.13
CFO

Ex-Praktiker-CFO Markus Schürholz wechselt zu Scholz AG

Vom Regen in die Traufe? Markus Schürholz wird neuer Restrukturierungsvorstand beim Esslinger Recyclingspezialisten Scholz. Dort erwartet den früheren CFO von Praktiker und Escada erneut ein hoch verschuldeter Konzern mit nachlassender Ertragskraft. Der Job als CRO ist ein Mammutprojekt.

Nur wenige Monate nach seinem Ausstieg bei Praktiker hat Ex-CFO Markus Schürholz einen neuen Job an Land gezogen. Schürholz hatte Praktiker im März und damit rund vier Monate vor den Insolvenzanträgen für einige Teile der Gruppe  verlassen. Er hatte die Restrukturierung von Praktiker seit September 2010 begleitet, war aber bei der an Rochaden und Eitelkeiten reichen Story offenbar auch bei einigen der wechselnden Investoren in Ungnade gefallen. Zu Beginn seiner Karriere war Schürholz sieben Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen bei Haniel tätig. Scholz begründete die Berufung eines Finanzfachmanns mit den gewachsenen Aufgaben und Herausforderungen, denen man „schlagkräftiger“ begegnen wolle. Wie das Recyclingunternehmen heute mitteilte, verstärkt der 48-jährige Diplomkaufmann seit wenigen Tagen das Managementteam und soll offenbar CFO Parag-Johannes Bhatt entlasten.

Nettto-Schulden >1 Milliarde Euro: Schürholz vor Herkulesaufgabe

Das Recyclingunternehmen steckt in einer schwierigen Situation. Zuletzt hatte Scholz den Anfang 2012 begebenen und über fünf Jahre laufenden Mini-Bond über 150 Millionen Euro nochmals um 32,5 Millionen Euro aufgestockt. Dieser ist mit 8,5 Prozent verzinst. Scholz kämpft mit deutlich niedrigeren Erträgen im Recyclinggeschäft, die auch mit den gesunkenen Rohstoffpreisen zusammenhängen. Die Aussichten auf Erholung des Geschäfts schätzt die Ratingagentur EulerHermes aufgrund des schwachen Stahlgeschäfts als schwierig ein. Zuletzt hatte EulerHermes das Unternehmensrating von Scholz von BB auf BB- gesenkt.

Die Lage erscheint nicht günstig: Das EBITDA von Scholz hat sich im ersten Quartal dieses Jahres fast halbiert: Es lag um 44 Prozent unter dem Vorjahreswert und betrug nur noch knapp 35 Millionen Euro. Dabei muss das Unternehmen eine Nettofinanzverschuldung von rund 1,1 Milliarden Euro (Stand: Ende März 2013) stemmen. Neben 182,5 Millionen Euro für den Mini-Bond steht dabei noch rund 600 Millionen Euro für einen Konsortialkredit in drei Tranchen zu Buche. Hinzu addieren sich laut Konzernabschluss 2012 noch153 Millionen Euro für ein Schuldscheindarlehen (2013-2017) sowie ein ABS-Programm über maximal 305 Millionen Euro. Weitere finanzielle Verpflichtungen aus Miet-Pacht- und Leasinggeschäften über rund 130 Millionen Euro führen zu jährlichen Belastungen von rund 43 Millionen Euro - dies alles bei einem schon 2012 auf nur 78 Millionen Euro gesunkenen Cashflow. Das Entschuldungspotenzial von Scholz in Verbindung mit der verringerten Ertragskraft schätzt Euler Hermes demzufolge als „schwach“ ein. 

Für Schürholz beginnt nach seinem glücklosen Mandat bei Praktiker nun offenbar die nächste Herkulesaufgabe, die mit der Neuordnung der Passivseite der Scholz-Bilanz und der Steigerung der operativen Ergebnisse beginnen dürfte – Ende offen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de