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GSW-CEO Kottmann stolpert über CFO-Vergangenheit bei IVG

Bernd Kottmann erlebt gerade schwierige Tage als CEO des Berliner Immobilienunternehmens GSW.
GSW

Das Intermezzo des ehemaligen IVG-CFOs Bernd Kottmann als CEO beim Berliner Immobilienunternehmen GSW könnte von kurzer Dauer sein: Auf der mit Spannung erwarteten gestrigen Hauptversammlung entzogen ihm 63,3 Prozent des anwesenden Stimmrechtskapitals das Vertrauen. Lanciert hatte die Aktionärsrevolte der niederländische Pensionsfonds PGGM, der im Vorfeld einen entsprechenden Antrag auf die Tagesordnung hatte setzen lassen.

Für PGGM, die nur knapp 3 Prozent an GSW halten, waren Kottmanns Vorstandstätigkeit als CFO beim Immobilienkonzern IVG und der Vorwurf der Vetternwirtschaft die Gründe für den Misstrauensantrag. In diese Zeit fielen überteuerte Immobilienkäufe, die Kottmann nach Meinung von PGGM mit zu verantworten hat und die der Grund für die bis heute andauernde finanzielle Schieflage des Bonner Konzerns sind. In Kottmanns Ägide von Anfang 2007 bis Ende Mai 2009 schrumpfte der Wert der IVG-Aktie auf ein Fünftel. Inzwischen ist das Papier zum Pennystock verkommen, die IVG kämpft ums Überleben. „Wir sind nicht sicher, ob die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden ausreichend sorgfältig durchgeführt worden ist. Hinzu kommt noch, dass die Leistungen von Herrn Kottmann während seiner Tätigkeit bei der IVG Immobilien AG nach unserer Ansicht nach nicht einwandfrei waren“, heißt es in der offiziellen Begründung des Pensionsfonds.

Kottmanns Tage sind gezählt

Im Vorfeld der Hauptversammlung gab sich Kottmann noch kämpferisch: „Ich beabsichtige nicht zurückzutreten“, sagte der 55-Jährige in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland. Allerdings räumte er Fehleinschätzungen während seiner Zeit als IVG-CFO ein. „Wir wussten damals – anders als heute – nicht, dass sich eine Blase gebildet hat. Es schienen goldene Zeiten vor uns zu liegen. Goldman Sachs und Morgan Stanley waren mit mehr als 20 Milliarden Euro in deutsche Gewerbeimmobilien investiert. Es war damals nicht erkennbar, dass unsere Zukäufe zu teuer waren“, lässt sich Kottmann zitieren.

Das alles dürfte ihm jetzt jedoch wenig nützen. Theoretisch kann Kottmann zwar bei der GSW als CEO im Amt bleiben, denn nach deutschem Recht ist allein der Aufsichtsrat für die Besetzung des Vorstandsvorsitzes zuständig. Der kündigte auf die denkwürdige Abstimmung hin an, sich in den kommenden Tagen zu einer außerordentlichen Sitzung zu treffen, um über die Situation zu beraten. Doch in Anbetracht des deutlichen Votums der Aktionäre dürfte Kottmann für die Gesellschaft nicht länger tragbar sein. Fraglich ist zudem die Zukunft des Aufsichtsratsvorsitzenden Eckart John von Freyend. Ein ebenfalls von PGGM eingebrachtes Votum zur Abberufung von Freyends scheiterte zwar. 69,6 Prozent des anwesenden Stimmrechtskapitals stimmten dafür, die erforderliche Mehrheit lag jedoch bei 75 Prozent. Allerdings ist auch das alles andere als ein Vertrauensbeweis. Kottmann und von Freyend kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei IVG. PGGM hatte deshalb die Berufung Kottmanns zum CEO am 16. April als Vetternwirtschaft gebrandmarkt.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de