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Personalrochade bei VW: Marken-CFOs tauschen Jobs

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Im Volkswagen-Konzern tauschen die Marken-Finanzchefs Patrik Andreas Mayer (Foto links; bisher verantwortlich für Volkswagen) und David Powels (bisher verantwortlich für Seat) die Positionen. Fotos: Volkswagen AG; Montage: FINANCE
Im Volkswagen-Konzern tauschen die Marken-Finanzchefs Patrik Andreas Mayer (Foto links; bisher verantwortlich für Volkswagen) und David Powels (bisher verantwortlich für Seat) die Positionen. Fotos: Volkswagen AG; Montage: FINANCE

CFO-Swap beim kriselnden Autobauer VW: Die Kernmarke Volkswagen Pkw bekommt mitten in der Restrukturierung einen neuen Finanzchef. Patrik Andreas Mayer, seit Oktober 2022 als Mitglied des Markenvorstands Volkswagen für den Finanzbereich verantwortlich, wechselt zur spanischen Schwestermarke Seat. Deren bisheriger CFO David Powels soll dafür im Gegenzug Mayers Aufgaben in Wolfsburg übernehmen. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ über den Personalwechsel berichtet.

Volkswagen hat den Austausch an der Spitze des Marken-Finanzressorts mittlerweile bestätigt. Dieser kommt nur kurz nachdem die Konzernführung härtere Sparmaßnahmen als bisher vorgesehen angekündigt hatte. Die Kernmarke Volkswagen gilt seit Jahren als renditeschwach. Im ersten Halbjahr 2024 war die operative Umsatzrendite auf nur noch 2,3 Prozent gesunken.

„In diesen Zeiten kommt dem Finanzressort zweifellos eine große Bedeutung zu. Patrik Mayer hat als CFO der Marke Volkswagen wesentlich dazu beigetragen, das Performance-Programm strukturiert und erfolgreich auf den Weg zu bringen. Darauf wird David Powels aufbauen. Und gleichzeitig – unter nochmals erschwerten Bedingungen – Impulse für wettbewerbsfähige Kosten und Strukturen setzen“, kommentiert Volkswagen-Markenvorstand Thomas Schäfer den anstehenden Wechsel.

CFO David Powels soll Volkswagen auf Rendite trimmen

David Powels war seit September 2021 als Vorstand für Finanzen und IT an der Transformation von Seat beteiligt. Dort habe er dazu beigetragen, die Marke wieder profitabel zu machen und „unsere bisher besten Finanzergebnisse zu erzielen“, lobt Seat-CEO Wayne Griffiths seinen Noch-Finanzchef.

Powels ist ein Volkswagen-Urgestein und war im Konzern bisher vor allem bei Auslandsgesellschaften aktiv. Seine Karriere begann er 1989 bei Volkswagen Südafrika. Nach Stationen in Deutschland und in Brasilien wurde er 2007 zum CEO der Volkswagen Group South Africa ernannt. Später war er Präsident und CEO von Volkswagen Brasilien sowie der Volkswagen-Region Südamerika. Ab Ende 2017 war dann als First Vice President und Executive Vice President für den Bereich Commercial bei der SAIC Volkswagen Automotive Co. in China zuständig.

VW verschärft Sparprogramm

Nun muss Powels bei der Kernmarke Volkswagen sein Können beweisen. Dort soll die Rendite bis 2026 auf 6,5 Prozent steigen. Davon sind die Wolfsburger derzeit aber weit entfernt. Zuletzt hat sich die Lage sogar noch verschärft: Erst in der vergangenen Woche hatte die Führung eingestanden, dass die bislang vorgesehenen Maßnahmen – 2023 aufgesetzt von Markenvorstand Schäfer und Marken-CFO Mayer – nicht ausreichen. Stattdessen soll nun sogar die bis 2029 geltende Beschäftigungssicherung aufgekündigt werden. Damit stehen in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen und sogar Werkschließungen im Raum.

Im VW-Kosmos kommt das einem Tabubruch gleich. Seit der Ankündigung laufen Betriebsrat und IG Metall Sturm. Selbst Politiker auf Bundes- und EU-Ebene haben sich in den vergangenen Tagen in die Diskussion eingeschaltet.

Wollte CFO Patrik Andreas Mayer am falschen Ende sparen?

Laut „Manager Magazin“ soll Noch-CFO Patrik Andreas Mayer in dieser schwierigen Gemengelage darüber gestolpert sein, dass er bei der Suche nach Einsparpotential teilweise auf die Innovationsfonds zurückgreifen wollte, die mit den Arbeitnehmern für Zukunftsprojekte vereinbart worden waren. Er ist seit 1997 bei Volkswagen aktiv. Begonnen hatte er als internationaler Trainee in Wolfsburg und hatte seitdem zahlreiche Leitungsfunktionen inne. Bevor er im Oktober 2022 in den Markenvorstand von Volkswagen berufen wurde, war er CFO der Volkswagen Group Russia.

Ab Oktober ist Mayer nun für die Finanzen der Marke Seat verantwortlich – deren Rendite zuletzt deutlich über der von Volkswagen lag. Dafür soll David Powels nun die Probleme bei Volkswagen in den Griff bekommen. Dort wird er sich gleich nach Amtsantritt nicht nur mit dem verschärften Kostenprogramm beschäftigen müssen: Ab Oktober stehen auch Tarifverhandlungen an, die den Sparplänen entgegenlaufen.

Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.